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Psychologie

Männer, wann kümmert ihr euch um euch selbst?

Von Prof. Ulfried Geuter (22. November 2012)

Viele Männer setzen sich unter hohen Leistungs- und Leidensdruck, um die Rollenerwartung zu erfüllen. Das hat seinen Preis. Warum Männer mehr Gesundheitsrisiken eingehen!

Am 3. November war Welt-Männer-Tag. An mir ging er vorbei. Dabei wäre es nicht falsch, als männlicher Psychotherapeut einmal über das eigene Geschlecht nachzudenken.

Die Zeitschrift "Ärztliche Psychotherapie" (Heft 4, 2012) nahm sich den Tag zum Anlass, dies zu tun. Denn in den Industrieländern nehmen sich Männer dreimal so häufig das Leben wie Frauen. Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums berichten sechs von sieben Männern, als Kinder oder Jugendliche geschlagen, schikaniert oder sehr gedemütigt worden zu sein. Männer sterben häufiger als Frauen früh an Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Männer sind häufiger körperlich belastender Arbeit ausgesetzt, erleiden mehr Arbeitsunfälle. Drei Viertel der anerkannten Berufskrankheiten entfallen auf Männer. Männer, schreibt der Medizinsoziologe Johannes Siegrist in dem Heft, reagieren anders als Frauen auf die Veränderungen der modernen Arbeitswelt. Sie sind eher bereit, weit mehr als acht Stunden am Tag zu arbeiten - und erhöhen dadurch ihr Herzinfarktrisiko.

Geht es uns Männern also schlechter?

Zugegeben: Viele Probleme sind hausgemacht - oder soll ich schreiben "hodengemacht"? Wir Männer sind häufiger Missbraucher, Misstrauer, Mistbauer.

Männer gehen mehr Gesundheitsrisiken ein. Statt depressiv zu werden, trinken und randalieren Männer. Sie rauchen mehr, treiben mehr Risikosport und muten ihrem Körper mehr zu.

Männer wollen durchhalten. Bevor der frühere Fußball-Profi Sebastian Deisler seine Depression zugab, hatte er schon fünf Operationen an Knie und Leiste hinter sich. In der "Ärztlichen Psychotherapie" spricht der Psychotherapeut Norbert Hartkamp von einem "weitgehend funktional-zweckorientierten Umgang mit dem eigenen Körper und der eigenen Seele".

Damit erfüllen Männer eine Rollenerwartung. Als Jugendliche wird sie ihnen eingeimpft, wenn andere sie als Weichei, schwul oder Memme beschimpfen. Dann lernen sie, ein schwaches Ich aufzublasen. Im Finessstudio sehe ich 13-jährige Jungs, die schon pumpen.

Männer gehen auch weniger zum Arzt, schlampen mehr mit Vorsorgeuntersuchungen. Aber Ärzte reden Studien zufolge auch weniger mit männlichen als mit weiblichen Patienten.

Sind Männer also für Ärzte wie auch für Psychotherapeuten ein unbekanntes Gelände, wie Norbert Hartkamp mutmaßt?

Es gibt Grund zur Sorge: In der Psychotherapie sind wir Männer ein aussterbendes Geschlecht. Zwei Drittel der Praktiker sind Frauen. Unter den Psychotherapeuten in Ausbildung sind es über 80 Prozent.

Männer, wann kümmert ihr euch um euch selbst?

Autor: Prof. Ulfried Geuter

Kolumnist Prof. Ulfried Geuter (Foto) ist Psychologischer Psychotherapeut in Berlin und lehrt in Marburg.


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