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Psychologie

Wie Langeweile entsteht: Und wie wir ihr entkommen

Von Manfred Pantförder (8. Februar 2013)

Monotonie ist Hauptursache für Langeweile im Arbeitsleben. Foto: pa/dpa

Ist Langeweile Nichtstun? Langeweile bringt in Schulen und Jobs viel Verdruss. Dabei kann sie auch Quell für Inspirationen sein. Wann Langeweile bedenklich wird. Prüfen Sie sich!

Gibt es ein langweiligeres Thema als – die Langeweile? Wenn wir uns langweilen: Ruht dann das Hirn, fehlen uns Eindrucke, sind wir müde, fehlt die Spannung? Ist Langeweile ein Gefühl, ein Zustand? Das Thema wirft so viele Fragen auf, dass es dabei nicht langweilig werden dürfte.

"Bereits die Stoiker haben vor 2000 Jahren geäußert, dass es nicht die Welt an sich ist, die Gefühle und damit auch Langeweile bei uns auslöst, sondern die Wahrnehmung der Welt. Ein und dieselbe Situation ist für manche Menschen hoch spannend, für andere 'todlangweilig' – je nach Interessen und Vorwissen", sagt Prof. Thomas Götz, Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung an der Universität Konstanz und der Pädagogischen Hochschule Thurgau (Schweiz). "Aber jenseits spezifischer Gedanken gibt es auch eine generelle Tendenz zur Langeweile, in der sich Menschen unterscheiden. In der psychologischen Forschung wird diese Neigung zur Langeweile häufig untersucht. Zwei konsistente Befunde sind, dass Männer stärker zur Langeweile neigen als Frauen und ältere Menschen weniger als jüngere."

Langeweile zwischen Unter- und Überforderung

Bild: Schüler kennen alle Facetten der Langeweile. Foto: pa/Bildagentur-online

Vor allem Schüler langweiligen sich im Klassenzimmer: Sie gähnen, der Körper sackt zusammen, der Blick ist leer, der Kopf muss aufgestützt werden. Die Apathie von Schülern kann soweit gehen, dass sich bei Ansprache durch den Lehrer ein Blackout einstellt. Bis zu 50 Prozent der Unterrichtszeit, folgt man Erhebungen, langweilen sich Schüler.

Langeweile signalisiert, dass man etwas ändern muss

Wie hoch genau der Langeweilefaktor auch sein möge: Liegt es am Stoff, an der Vermittlung, ist es zu viel, wird der Sinn des Lernens nicht gesehen, fehlt es an Spaß? "Langeweile kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. In Lern- und Leistungssituationen langweilen sich Menschen zum Beispiel häufig, Folge von Unter- und Überforderung", sagt Prof. Götz. "An Schulen wird im Fach Mathematik Unter- und Überforderungslangeweile in ähnlichem Ausmaß von Schülerinnen und Schülern genannt. Allerdings berichten Mädchen, obwohl sie dieselben Noten in Mathematik haben wie Jungen, mehr Überforderungslangeweile – das ist ein interessanter, aber auch erschreckender Befund."

Wenn Arbeitsabläufe monoton sind, langweiligen sich Erwachsene im Berufsleben. Auch Unterforderung im Job, quantitativ wie qualitativ, zermürbt, kann krank machen. In der psychosomatischen Medizin wird dafür der Begriff Boreout benutzt, abgeleitet von boredom, dem englischen Wort für Langeweile (siehe Interview). "Die zentrale Ursache ist darin zu sehen, dass die Situation, in der man sich langweilt, für einen persönlich von geringer Relevanz ist. So ist Langeweile häufig ein Indikator dafür, dass man etwas verändern und sich Dingen widmen sollte, die für einen mehr Bedeutung haben", resümiert Wissenschaftler Götz.

Aus Langeweile kann sich Lust auf Neues entwickeln

Dass sich aus diesem Veränderungsdrängen auch eine positive Seite der Langeweile ergeben kann, haben Studenten in den USA bei Befragungen überwiegend bejaht. Sie sei Quell für neues Denken, schaffe erst den notwendigen geistigen Freiraum.

Meinung: Ziele entwickeln

Von Manfred Pantförder

Langeweile beschäftigt die wissenschaftliche Forschung erstaunlich wenig. Obwohl sich Philosophen seit eh und je mit dem Gefühl der inneren Leere befassen. Sie beschreiben es als existenziell, Langeweile quasi wie die Furcht vor dem Nichts.

Mit Zeit hat Langeweile wenig zu tun, obwohl dies der Begriff nahe legt. In anderen Kulturkreisen findet sich meist kein entsprechendes Wort. Was wir als Langeweile bezeichnen, wird von jedem Einzelnen unterschiedlich empfunden. Es ist eine Frage der Haltung – und der eigenen Verantwortung. Wollen wir uns die Zeit vertreiben, die Zeit totschlagen?

Doch eher im Gegenteil: Viele Menschen wollen entschleunigen, wie es heißt, achtsamer mit sich und den eigenen Gefühlen umgehen. Patienten, deren Antrieb verloren und deren Erlebnisfähigkeit verkümmert ist, wieder in Schwingung zu bringen, ist denn auch ein Ziel in der psychotherapeutischen Behandlung.

Achtsamkeit ist daher ein passender Begriff für den Versuch, Muße, Besinnung oder Sammlung zu leben. Oder nennen wir es Gelassenheit, wonach viele Menschen suchen, nach innerer Ruhe und Ausgeglichenheit. Gelegentliche Langeweile ist dabei nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil: Gerade das Wechselbad von Gefühlen verhindert Abstumpfung und Lethargie.

Gefährlich ist anhaltende, tiefe Langeweile, weil sie mangelndes Erkenntnisinteresse bedeutet. Um diese Antriebslosigkeit zu vertreiben, kann es hilfreich sein, eigene Ziele zu formulieren. Denn Menschen wollen Sinnvolles tun, gebraucht und gesehen werden.

Selbstbefragung: Testen Sie Ihr Langeweile-Profil

Häufig denke ich bei der Arbeit an andere Dinge, die mich beschäftigen.
Die Zeit scheint immer langsam zu verstreichen.
Ich ertappe mich oft dabei, weniger Wichtiges zu erledigen.
Es langweilt mich maßlos, Urlaubsfilme oder –fotos von anderen anzuschauen.
Meine Arbeit versetzt mich selten in Aufregung.
Wenn ich warten muss, etwa in einer Schlange, werde ich sehr unruhig.
Ich meine, bei der Arbeit meist unter meinen Fähigkeiten zu bleiben.
Damit ich froh bin, brauche ich viel Abwechslung und Veränderung.
Im Fernsehen oder Kino läuft immer dasselbe.

Der Langeweilefaktor ist hoch, wenn Sie stets mit Ja antworten.

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