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Mediziner bestätigen: Lachen ist gesund

Von Angela Stoll (27. März 2015)

Lachen ist gesund: Wer einen Film mit Rowan Atkinson als Mr. Bean ansah hatte weniger Schmerzen, so eine Studie. Foto: PA/Mary Evans

Mediziner und Psychologen zeigen, dass das alte Sprichwort stimmt: Lachen ist gesund. Wie sie Humor und Heiterkeit bei der Behandlung von Stress, Schmerzen und anderen Beschwerden nutzen.

Wer über einen Witz ordentlich lacht, hat schon etwas für seine Gesundheit getan. Wissenschaftler haben kaum noch Zweifel daran, dass sich Heiterkeit in vielen Bereichen positiv auswirkt. So ist unbestritten, dass Humor für Entspannung sorgt und dadurch hilft, Stress und Ängste abzubauen. Belege gibt es aber auch dafür, dass Menschen, die zum Lachen gebracht wurden, Schmerzen weniger stark empfinden. Kurz: Lachen ist gesund.

Seit Jahrhunderten geht man davon aus, dass Lachen gut für die Gesundheit ist, schreibt die Stuttgarter Psychiaterin Prof. Barbara Wild in ihrem Buch "Humor in Psychiatrie und Psychotherapie": "Seit Aristoteles glaubt man, dass Lachen die Zirkulation verbessere, der Verdauung helfe, Energie zurückgebe und Körperfunktionen anrege." Doch hätten auch Warnungen vor Spaß und Humor, die auch als anarchisch, feindselig und dumm empfunden wurden, eine lange Geschichte.

Nach zehn Minuten Lachen ließen die Schmerzen nach

Solchen Zweifeln setzte die Humorforschung (Gelotologie) des 20. Jahrhunderts ein Ende. Eine wichtige Grundlage war für sie der Krankheitsbericht des US-Journalisten Norman Cousins von 1979. Er litt an einer schweren Form der rheumatischen Erkrankung Spondylarthritis und hatte arge Schmerzen. Ärzte konnten ihm nicht helfen. Daher behandelte er sich mit hohen Dosen von Vitamin C kombiniert mit einer selbst erfundenen Humortherapie: Er zog vom Krankenhaus in ein Hotelzimmer, ließ sich lustige Geschichten vorlesen und sah sich Slapstick-Filme an. Wenn er zehn Minuten laut gelacht hatte, ließen seine Schmerzen deutlich nach, und er konnte zwei Stunden schlafen. Schließlich konnte er weitgehend normal leben und wurde 75 Jahre alt.

Dass Lachen gesund ist und Erheiterung tatsächlich Schmerzen reduzieren kann, belegte Jahre später eine Studie der Düsseldorfer Psychologin Dr. Karen Zweyer: Dabei zeigten Testpersonen eine größere Schmerztoleranz, nachdem sie einen Mr-Bean-Film angesehen hatten. Der Schmerzreiz wurde dadurch erzeugt, dass eine Hand der Probanden in eiskaltes Wasser getaucht wurde.

"Humor-Fähigkeit" kann man trainieren

Außerdem ist für Psychologen offensichtlich, dass Menschen mit einer humorvollen Haltung zum Leben besser mit Stress umgehen können und weniger an psychosomatischen Beschwerden leiden. Am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart wird in einer Pilotstudie untersucht, ob Humor auch Herzbeschwerden lindert. Dazu treffen sich Patienten mit Angina pectoris, die durch die üblichen Therapien nicht geheilt wurden, einmal wöchentlich zum Humortraining. "Eine humorvolle Herangehensweise hilft, Stress abzubauen", erklärt Studienleiterin Prof. Barbara Wild, Chefärztin der Fliedner-Klinik in Stuttgart. Eben diese Stressreduktion werde zur Behandlung von therapieresistenter Angina pectoris empfohlen.

Prof. Wild geht davon aus, dass man üben kann, sein Leben humorvoll zu betrachten. Sie trainiert mit den Teilnehmern deren "Humorfähigkeit" wie andere ihre Ausdauer. Im praktischen Teil gibt es lustige Spiele und Improvisationstheater. Im theoretischen Teil lernt man, die Aufmerksamkeit auf Komisches zu lenken. Im Laufe des Jahres wird die Studie, an der auch die Kardiologen des Robert-Bosch-Krankenhauses und Klinikclown Torsten Fuchs beteiligt sind, ausgewertet. Verglichen wird unter anderem die Ausschüttung des "Stresshormons" Kortisol vor und nach der siebenwöchigen Behandlung.

Lachen ist gesund und Humor ist also ein Allheilmittel? So einfach ist es nicht. Das fängt schon damit an, dass man Humor und Lachen nicht gleichsetzen darf. "Lachen ist eine Humorreaktion, aber nicht ausschließlich", sagt der Psychologe und Humorforscher Dr. Michael Titze aus Tuttlingen. Man kann auch lachen, ohne etwas witzig zu finden – etwa weil man gekitzelt wird. Allerdings stimulieren die Hirnregionen, in denen Lachen und Heiterkeit verortet sind, sich gegenseitig. So kann Erheiterung Lachen auslösen – und umgekehrt: "Wenn man fünf Minuten am Stück lacht, ändert sich die Stimmung. Man findet dann alles lustiger", erklärt Dr. Titze. "Das ist der Grund, warum Lachyoga so erfolgreich ist."

Lachen ist ein Ausdruck für die Lösung von Spannungen

Dr. Titze erläutert, was mit dem Körper beim Lachen passiert: Der Lachmuskel spannt 17 Gesichtsmuskeln an. Gleichzeitig wird die Atmung stark angeregt, die Stimmbänder werden in Schwingung versetzt, das Zwerchfell massiert die Eingeweide. Dadurch werden Verbrennungsvorgänge im Körper gefördert. Der Herzschlag wird schneller, verlangsamt sich aber wieder – der Blutdruck sinkt. "Insgesamt kommt es zu einer besseren Durchblutung der Muskulatur", erklärt Dr. Titze. "Stresshormone werden abgebaut und die Verdauungsdrüsen angeregt." Er betont: "Lachen ist Ausdruck reiner Befreiung, vollkommener Spannungslösung."

Mehrere Studien weisen darauf hin, dass Lachen auch das Immunsystem stärkt. Allerdings, so bemängelt Prof. Wild, werden diese Untersuchungen wissenschaftlichen Standards nicht gerecht.

In der Psychotherapie lässt sich Humor gezielt einsetzen, z. B. in der Provokativen Therapie, so Dr. Titze: Sie zielt darauf ab, dass der Patient seine Probleme mit Humor nimmt und sich dadurch von ihnen befreit. So kann jemand, dem Stress zu schaffen macht, so tun, als laufe er völlig erschöpft und laut keuchend in einem Hamsterrad – bis er über sich selbst lachen muss und so Distanz zu der Situation gewinnt.

Humor im Alltag entwickeln

Auf Lustiges achten: Experten empfehlen, die Aufmerksamkeit im Alltag auf witzige Dinge zu richten. Wenn man die amüsanten Begebenheiten später im Freundes- oder Familienkreis erzählt, hat man noch mehr zu lachen.

Erinnern: Man kommt in heitere Stimmung, indem man sich entspannt und in eine Situation aus der Vergangenheit hineinversetzt, in der man herzhaft gelacht hat.

Witze sammeln: Bücher, Zeitungen und vor allem das Internet sind gute Quellen für Komisches. Eine Sammlung von Cartoons, Witzen und lustigen Sprüchen kann in trüben Zeiten helfen.

Übertreiben: Von Sorgen kann man sich distanzieren, wenn man sie so übertrieben darstellt, dass sie lächerlich wirken. So kann man zum Beispiel so tun, als ob ein Berg unerledigter Arbeit ein riesiger, stinkender Misthaufen wäre.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit dem Psychologen Roberto Brioschi "Humor kann man lernen"

Meinung: Das Wundermittel

Sabine Abel

Sabine Abel

Wie sieht das ideale Medikament aus? Es hilft, es ist jederzeit verfügbar, es hat keine schädlichen Nebenwirkungen und es kostet nichts. Lachen und Humor erfüllen alle diese Anforderungen. Sie sind zwar keine Allheilmittel, aber während man über einen Witz, eine lustige Geschichte oder einen Film lacht, ist man zumindest von seinen Beschwerden abgelenkt. Mediziner sehen auch Beweise dafür, dass Lachen Schmerzen lindert und dass man mit Hilfe von Humor Stress reduzieren kann.

Die weitere gute Nachricht ist: Humor kann man lernen. Um seine Humorfähigkeit zu trainieren, muss man vielleicht nur öfter einmal ein anderes Fernsehprogramm einschalten oder eine DVD ausleihen: Loriot zum Beispiel hat es meisterhaft verstanden, uns auf die komischen Momente im Alltag hinzuweisen. Wer sich daran erinnert, welche Auswirkungen die gute Absicht haben kann, ein Bild gerade zu rücken, oder wie eine Liebeserklärung beim Essen schiefgeht, kann eigene Missgeschicke im Alltagsleben vielleicht auch lustig finden.

Pannenshows sind billige Unterhaltung auf Kosten anderer, denkt sicher mancher. Man lacht nach Herzenslust über die Missgeschicke anderer, während man sicher auf dem Sofa sitzt. Doch der Zuschauer kann weiteren Nutzen aus solchen Sendungen ziehen: Wenn man am nächsten Tag mit Kollegen darüber spricht und noch einmal gemeinsam lachen kann. Oder auch, wenn man sich bei der nächsten missglückten Familienfeier vorstellt, wie es wäre, wenn man die se Situation im Film sehen würde. Doch eigentlich ziemlich komisch, oder?

 


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Quellen

Prof. Barbara Wild, Chefärztin der Fliedner-Klinik in Stuttgart, März 2015
Dr. Michael Titze, Psychologe, Tuttlingen, März 2015
Zweyer, Karen (2004) Do cheerfulness, exhilaration, and humor production moderate pain tolerance? A FACS study. Humor - International Journal of Humor Research 17(1-2)


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