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Geburtstrauma – Was geschieht in uns?

Von Silke Böttcher (27. Mai 2011)

Wer als Baby einen schwierigen Weg ins Leben hatte, kann später unter einem Geburtstrauma leiden. Foto: Getty/Errico

Während Psychologen vom Geburtstrauma sprechen, das körperliche und psychische Beschwerden auslösen kann, ist das Thema unter Medizinern umstritten.

Bei manchen Menschen war es schon immer da, dieses Gefühl, nicht zurechtzukommen. Sie haben den Eindruck, schief im Leben zu stehen, ohne zu wissen, warum. Psychologen haben eine Erklärung dafür: Sie machen die Geburt bzw. die Geburtssituation für diese Probleme mitverantwortlich.

"Die Geburt", sagt die Berliner Psychologin und Hypnotherapeutin Manuela Szczes, "prägt unser Urvertrauen. Wir haben eine Situation durchgestanden, die anstrengend und beängstigend war, aber wir haben es geschafft." Die Therapeutin arbeitet in einer sozialpsychiatrischen Praxis mit Kindern und Jugendlichen, aber auch mit werdenden Müttern.

Bindungsprobleme und Depressionen

Beim Weg durch den Geburtskanal sei das Strecken der Wirbelsäule des Babys die Voraussetzung für eine optimale Entwicklung, sagt sie. Wenn dieses Erfolgserlebnis ausbleibt, weil das Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden musste statt sich allein durchzukämpfen, könne dies Folgen haben. Dazu zählten Bindungsprobleme oder Depression.

Während diese Ansicht bei Medizinern umstritten ist, nannte schon Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, die Geburt das erste Angsterlebnis des Menschen. Sein Schüler Otto Rank sah darin sogar das größte Trauma des Lebens. Heutige Psychologen sprechen vom Geburtstrauma, das bei den Betroffenen Beziehungsprobleme, Depressionen, Migräne und viele andere psychische oder körperliche Beschwerden auslösen könne.

Hypnose holt innere Spannungen nach außen

Es gibt unterschiedliche Therapien für Menschen, die glauben oder wissen, dass sie an einem Geburtstrauma leiden. Manuela Szczes arbeitet mit Hypnose. "Der veränderte Bewusstseinszustand kann helfen, sich für Erinnerungen und Gefühle zu öffnen und einen anderen Blick auf das Geschehen zu bekommen", sagt die 39-Jährige. Hypnose eigne sich auch dazu, innere Spannungen nach außen zu holen und im Hier und Jetzt zu verarbeiten.

Geburtserfahrungen verändern

Bei vielen Beschwerden, so Susanne Stinshoff, Körperpsychotherapeutin aus Berlin, stelle sich nach einer Weile heraus, dass sie mit der Geburt zu tun haben. Sie lässt ihre Patienten die Geburt sozusagen noch einmal erleben – unter günstigeren Umständen, um das Geburtstrauma aufzulösen.

So sollen Erfahrungen, die bei der Geburt gemacht wurden, verändert werden: "Menschen, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, haben damit die Erfahrung gemacht, dass sie es nicht allein schaffen. Als Erwachsene warten sie dann bei Problemen auf Hilfe von anderen."

Bild: Im warmen Wasser kauern: Manche Therapien versuchen die Embryo-Situation nachzustellen. Foto: Imago/Waldhäusl

Die Leiterin des Instituts für Energetischen Funktionalismus in Berlin arbeitet in der Therapie viel mit fötalen Stellungen, auch in einem eigens für diesen Zweck genutzten Schwimmbecken. Zusammengerollt und gehalten von der Therapeutin liegen ihre Patienten im körperwarmen Wasser. "Die Erinnerung an die Geburt ist im Körper gespeichert", erklärt Susanne Stinshoff, "und bei der Therapie im Wasser kommen Erinnerungen zurück."

Meinung: Kaiserschnitte ohne Grund

Von Sylke Böttcher

Im Idealfall schafft ein Kind den Weg durch den Geburtskanal fast allein. Bei Komplikationen kann ein Kaiserschnitt notwendig sein. Doch heute entscheiden sich viele Frauen ohne medizinische Gründe für diese Art der Geburt. Vielleicht aus Angst vor den Schmerzen oder Spätfolgen wie Harninkontinenz. In vielen Fällen geht es aber wohl schlicht um Planbarkeit in den Geburtskliniken.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Kaiserschnitte verdoppelt, jedes dritte Kind kommt mittlerweile auf diese Weise zur Welt. Das stimmt nachdenklich. Denn der Eingriff macht aus dem natürlichen Vorgang der Geburt eine Operation und aus der Frau eine Patientin, die an der Geburt nur noch passiv teilnehmen kann. Mütter, die eine natürliche Geburt erlebt haben, erzählen oft von den überwältigenden Eindrücken, von der Anstrengung, die sie und ihr Baby gemeistert haben. Wenn das Baby auf der Brust der Mutter lag, ließ die Ausschüttung des Liebeshormons Oxytocin Schmerzen vergessen.

Studien haben ergeben, dass ein Kaiserschnitt das Sterberisiko des Säuglings verdoppelt und die Entwicklung einer tiefen Bindung zwischen Mutter und Kind beeinträchtigen kann. 55 Prozent der befragten Frauen meinten, dass die Bindung zum Kind nach einer normalen Geburt viel stärker ist. Ganz gleich, wie man zum Thema Geburtstrauma steht: Werdende Mütter, bei denen keine Komplikationen bei der Geburt zu erwarten sind, sollten sich die Entscheidung für einen Kaiserschnitt sehr genau überlegen.

 

Therapien:

Hypnose Die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie informiert über den aktuellen Forschungsstand und bietet eine Therapeutenliste, die nach Regionen und Fachbereichen (Ärzte, Zahnärzte, Diplom-Psychologen) unterteilt ist. Sie informiert über die Kosten und darüber, was in einer Hypnosebehandlung geschieht. Die Therapie arbeitet mit einem veränderten Bewusstseinszustand, in dem Suggestionen des Therapeuten leichter aufgenommen werden.

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