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Wie soll ich Entscheidungen treffen?

Von Ute F. Wegner (18. Mai 2013)

Seite 2: Aus dem Bauch heraus Entscheidungen treffen


Während wir uns häufig lange mit eher belanglosen Entscheidungen herumquälen, werden manchmal mit Leichtigkeit Lebensentscheidungen getroffen, beispielsweise einen Lebenspartner oder einen Berufsweg zu wählen. "Hier kann uns unsere Intuition offensichtlich bei aller Komplexität eine große Klarheit ermöglichen, wenn wir denn auf sie hören", meint Psychologe Gaissmaier. Obwohl es auch dabei Menschen gibt, die ihren Mann oder ihre Frau wählen, nachdem sie diverse Nutzkriterien abgewogen haben.

"Ich glaube, dass man bei der Berufswahl und der des Menschen, mit dem man sein Leben teilen möchte, seiner Leidenschaft folgen sollte", sagt Gaissmaier. Für den Fall, dass man zwischen zwei Gefühlen hin- und hergerissen zu sein scheint, nennt der Experte einen Kunstgriff: Eine Münze in die Luft werfen. "Noch während die Münze in der Luft ist, offenbart sich häufig unser innerer Wunsch und wir wissen, wie die Münze fallen soll." Das Bauchgefühl, die Intuition, sollte als Signal ernst genommen werden. "Sich ein schlechtes Bauchgefühl über den Verstand schön zu reden, das funktioniert meistens nicht."

Wie Patienten zu einer Entscheidung finden

Schwierig wird es bei Fragen von Gesundheit und Krankheit. Patienten müssen etwa entscheiden, ob sie zur Krebsfrüherkennung gehen, ob sie eine Therapie beginnen. "Wo sie bei einfachen Konsumentscheidungen vielleicht manchmal zu viel abwägen, tun sie es hier oftmals zu wenig. Viele richten sich nach dem Hörensagen oder Anekdoten, die sie irgendwo aufgeschnappt haben, und nicht nach gut aufbereiteter Patienteninformation", sagt Bildungsforscher Gaissmaier. Und: "Viele Patienten gehen davon aus, dass Ärzte stets dasselbe Interesse haben wie sie. Was sie sagen, wird schon gut für mich sein. Auch wenn es viele exzellente und verantwortlich handelnde Ärztinnen und Ärzte gibt, ist das nicht immer der Fall."

Daher ist es wichtig, dass Patienten sich informieren. Doch wie entscheiden sie sich am besten? Der Fachmann rät: Glauben Sie keiner Statistik, die Sie nicht verstehen. Fragen Sie Ihr Gegenüber so lange darüber aus, bis Sie wissen, was die Zahlen bedeuten, was der Nutzen einer Maßnahme ist, was der Schaden und was Alternativen sind. Dazu gehört auch die Frage nach dem Risiko, wenn man die Maßnahme unterlässt. "Entscheidungen über unsere Gesundheit sind sehr persönliche Abwägungen, da für jeden von uns ganz unterschiedliche Aspekte wichtig sein können", sagt Gaissmaier. "Wichtig ist, dass man informiert abwägen kann."

Tipps: Kurzentschlossen

Tun Sie, was Ihnen als erstes in den Sinn kommt, wenn Sie Erfahrung in dem Bereich haben.

Setzen Sie nur auf den wichtigsten Grund und ignorieren Sie den Rest, insbesondere, wenn dieser eine Grund sehr viel wichtiger ist als alle anderen.

Setzen Sie auf das, was Sie kennen, insbesondere wenn das Wiedererkennen von Objekten systematisch mit deren Güte, Größe oder sonstigen Kriterien zusammenhängt.

Tun Sie, was die Mehrheit tut, insbesondere in Bereichen, die stabil sind und die sich, wenn überhaupt, nur langsam verändern.

Tun Sie, was Erfolgreiche tun, insbesondere in Bereichen, die neu sind oder sich verändert haben, da Erfolgreiche vielleicht schon gute Antworten auf diese Veränderungen gefunden haben.
 

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Quellen

Gespräch mit Dr. Wolfgang Gaissmaier, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, Apr. 2013


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