Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Psychologie

Sind Sie reif für eine Beziehung?

Von Manfred Pantförder (8. November 2012)

In der Phase von Annähern und Kennenlernen ist jede Geste sehr bedeutsam. Foto: pa/Denkou Images

Viele Partnerschaften scheitern, wenn die Liebe nicht stark genug ist. Wie man Ängste überwindet und sich für eine neue Beziehung öffnet. Und wie eine Bindung auch hält!

Sie halten sich für liebenswert? Und sind doch wieder allein? Fehlt es vielleicht an Offenheit, weil Sie innere Blockaden aufgebaut haben? Denken Sie etwa: Ich brauche gar keine Beziehung mehr? Wenn Sie kein Single aus Überzeugung sind, sind Zweifel an der Beziehungsfähigkeit naheliegend. "Ich habe Angst, dass ich das selber irgendwann gar nicht mehr erkenne, da sich mein Leben nur noch um mich dreht", sagt etwa eine Single-Frau, die sich fragt, ob sie noch beziehungsfähig sei.

Es gibt typische Beziehungsfehler, die einem immer wieder passieren, wenn eine neue Verbindung in die Brüche geht, so lautet die Bilanz von Martin Rauh-Köpsel, Psychotherapeut in Berlin und Buchautor eines Wegweisers durch das Beziehungschaos, das viele Menschen erleben.

Sehnsucht nach einer sinnlichen Beziehung

"Auf dem Weg der Vertiefung einer Begegnung kommen so viele Engpässe auf uns zu, dass man eine innere Karte braucht, um herauszufinden, an welcher Passage wir erneut scheiterten", sagt Martin Rauh-Köpsel. "Manchmal soll es jedoch auch gar nicht weitergehen, denn ohne das entsprechende Werkzeug haben wir insgeheim viel zu große Angst vor einer festen Beziehung." Es ist auch viel leichter, eine "sehnsüchtige Fantasie einer unerfüllten sinnlichen Beziehung wach zu halten als eine reale Nähe im Beziehungsalltag".

Hoher Anspruch an eine Beziehung

Der Anspruch, sowohl attraktiver Individualist als auch bindungsfähiger, verlässlicher Partner zu sein, ist hoch und ein moderner. "Lange nicht jeder ist überhaupt ein Teamplayer. Dies sein zu müssen und gleichzeitig noch verwegener und immer wieder überraschender Individualist, ist beängstigend", sagt Martin Rauh-Köpsel drastisch. Denn: "Wenn man auf der einen oder auf der anderen Seite schwächelt, wird man manchmal bereits verlassen."

Das gilt für Mann wie Frau, bilanziert der Paartherapeut seine Erfahrungen. Ist eine Frau eine gute Teamplayerin, vernachlässigt hingegen aber ihre Selbstverwirklichung, wird sie "abserviert". Ist ein Mann ein Individualist, der die Familie vernachlässigt, droht ihm, ausgetauscht zu werden. "Es ist ein großer Stressfaktor, den beiden Seiten – Gemeinsinn und Selbstverwirklichung – gerecht zu werden", sagt Martin Rauh-Köpsel, der auch als psychologischer Filmfachberater tätig ist.

Wenn das Bedürfnis nach einer Beziehung unerfüllt bleibt

Damit sich Fehler einer Beziehung nicht stets wiederholen, müssen innere Blockaden überwunden werden, die sich aus negativen Erfahrungen oder unerfüllter Sehnsucht gebildet haben können. Denn werden Wünsche und Bedürfnisse nach Nähe und Geborgenheit dauernd unterdrückt, ist dies nicht nur der Verzicht auf Annehmlichkeiten. Bleiben diese zutiefst menschlichen Bedürfnisse unerfüllt, droht Schaden. "Dieser Zustand macht uns letztlich krank", so Rauh-Köpsel.

Auch das Formulieren und Abgleichen von Lebenszielen ist hilfreich. Anfangs ist es spannend, wenn beide Partner sehr unterschiedliche Lebensentwürfe kommunizieren, wenn sich beide in neuem Licht sehen. Auf Dauer kann dies allerdings anstrengend bis destruktiv werden, wenn etwa Fragen nach Kindern, Wohnort, Hausbau, Beruf und ähnlichem anstehen oder wenn politische, moralische, religiöse Ansichten weit auseinander klaffen.

Bindungsfähigkeit setzt ein positives Selbstbild voraus

Wie aber kann man sich öffnen für eine neue Beziehung, besonders dann, wenn man selbst schon das Gefühl hat, nicht mehr unbefangen und bereitwillig dazu zu sein und entsprechend abweisend zu wirken? Dazu sind Ursachen für Blockaden zu klären. Die Spurensuche führt zwangsläufig weit zurück zu den ersten Erfahrungen von Nähe, zu Eltern, Geschwistern, ersten Freunden. Leben die Eltern eine gute Beziehung vor, ist eine gute Grundlage für Kinder gelegt, scheitert ein Elternpaar und trennt sich, kann dies die Beziehungsfähigkeit der Kinder stark belasten.

Verletztheiten aus dieser frühen Lebenszeit können sich beharrlich halten und Grund für tiefes Misstrauen sein. Die frühen Desillusionierungen müssen verarbeitet werden, wie es unter Psychologen heißt. Wer kennt nicht das Gefühl von offenen Rechnungen, das immer wieder dazu führt, schmerzliche Empfindungen der Kindheit oder Schulzeit Revue passieren zu lassen – ohne dass sich dadurch irgendetwas verändert. Oder schlimmer: dass sich wieder das Gefühl von Ohnmacht und Wut einstellt, das den Handlungsspielraum stark eingrenzt.

Wenn es an Urvertrauen mangelt, sind Ängstlichkeit, Rückzug und ein eher negatives Menschenbild häufig die Folge. Rauh-Köpsel unterscheidet drei parallele Sichtweisen in uns: Die Angstversion geht von dem schlechtesten Ausgang aus und will Unheil quasi vorbeugen. Die Realitätsversion wägt das Risiko nüchtern ab. Letztlich die Hoffnungsversion: Sie geht vom Gelingen aus, ist positiv und sei daher "Motor für Initiative", so der Psychotherapeut.

Letztere Version setzt einen stabilen Selbstwert voraus. Bindungsfähig kann nur sein, wer sich selbst auch für liebenswert hält. Jüngere Menschen, Singles wider Willen oder Verlassene zweifeln an sich und ihrer Attraktivität. "Die Platzierung unserer Minderwertigkeitsgefühle ist dabei oft recht willkürlich und ihre Wichtigkeit in den Augen anderer völlig unangemessen", beschreibt Rauh-Köpsel die Diskrepanz zwischen Selbstbild und Wirkung auf andere Menschen.

Wollen Sie eine vertiefende Beziehung?

Um Veränderung zu bewirken, empfiehlt der Psychologe eine Selbstprüfung. Gestehen Sie sich ein, vertiefende Beziehungen durchaus zu wünschen, eine natürliche Abhängigkeit, wie Martin Rauh-Köpsel es nennt: "Will ich das nicht, bin ich nicht beziehungsfähig." Und erklären Sie Menschen, falls Sie sie vor den Kopf gestoßen haben, dass Sie dies aus Unsicherheit heraus tun. Ziehen Sie eine Grenze zur Vergangenheit, wenn dort Belastungen etwa durch eine Trennung drücken oder alte Konflikte mit der Familie schwelen. "Nur positive neue Erfahrungen lassen uns die alten langsam vergessen", sagt Rauh-Köpsel. "Solange wir hin und her gerissen sind zwischen großer Sehnsucht nach und großer Angst vor einer Beziehung, sollten wir darauf achten, unser Gegenüber nicht mit widersprüchlichen Richtungsvorgaben zu verunsichern."

Ausstrahlung heißt vor allem Lebensbejahung

Zweifel sind oft mit Äußerlichkeiten verbunden. Eine besondere Ausstrahlung sei aber gar nicht wichtig. Ausstrahlung sei auch kein Mysterium, so Rauh-Köpsel: "Bei ihr geht es um Glücklichsein, Offenheit, Leichtigkeit, Interesse, Lebensbejahung, Herzlichkeit, Sexappeal, Profil, Tiefe, Kultiviertheit." Wer sich und sein Leben bejaht, ist auch fähig, sich auf einen anderen Menschen einzulassen, sich an ihn/sie zu binden.

Selbstbefragung: Verhalten prüfen

Bringen Sie Ihre Bedürfnisse offen und charmant ein?

Sind Sie bereit, für einen Partner auf manches zu verzichten?

Können Sie sowohl Nähe als auch Abstand gut aushalten?

Ist Ihr Selbstbild realistisch und stabil, um einzuschätzen, in derselben Liga mit dem anderen zu spielen? Vermitteln Sie gute Gesten der Verbundenheit?

Kann sich der andere/die andere auf Ihre Treue und Beständigkeit verlassen?

Sind Sie initiativ, unterhaltsam und vielfältig?

Haben Sie eine Glück versprechende Haltung zum Leben?

Offenbaren Sie Ihren unverwechselbaren Typus?

Sind Sie ein Teamplayer?

Vermögen Sie, je nach Bedarf, mal impulsiv, mal analytisch, mal zudeckend mit Konflikten umzugehen?

Zeigen Sie sich achtsam, kühl und konsequent gegenüber achtlosen Fouls, ohne jede Unaufmerksamkeit als gemeines Foul zu ahnden?

Idealerweise sind die Antworten "Ja".

Buchtipp: Anregung und Rat

"Die Liebe ist ein Kreisverkehr, Wie Sie im Beziehungschaos die richtige Ausfahrt nehmen, Kennen Sie Ihre typischen Beziehungsfehler", Martin Rauh-Köpsel, Kösel Verlag, München 2012, 367 S., 19,99 €


Lesen Sie auch

Weitere Beiträge zum Thema Partnerschaft

Quellen

Gespräch mit Martin Rauh-Köpsel, Psychotherapeut, Berlin, Nov. 2012
Martin Rauh-Köpsel: "Im Kreisverkehr der Liebe, Wie Sie im Beziehungschaos die richtige Ausfahrt nehmen", Kösel Verlag 2012






Anzeige