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Risiko Vitamin-B12-Mangel

Von Vera Fischer (30. April 2013)

Seite 2: Vitamin B12: Ratschläge für Risikogruppen


Prof. Obeid rät Risikogruppen für einen B12-Mangel, zu denen neben Senioren und Vegetariern/Veganern auch Diabetiker, Menschen mit chronischen Magen-Darm- oder autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen gehören, vorsorglich alle zwei bis drei Jahre ihren Vitamin B12-Spiegel kontrollieren zu lassen.

Das Problem beim Testen: Viele Ärzte bestimmen den kostengünstigeren Gesamt-Vitamin-B12-Spiegel im Blut. "Mit diesem Wert lässt sich ein B12-Mangel aber nicht zuverlässig ausschließen", sagt Prof. Obeid. Wichtig sei, den Holo-TC, das sogenannte aktive Vitamin B12 zu ermitteln. "Nur der Holo-TC lässt erkennen, wie viel verwertbares Vitamin-B12 für die Körperzellen verfügbar ist", sagt die Wissenschaftlerin. "Dieses aktive B12 macht maximal 20 Prozent des Gesamt-B12 aus."

Auch Prof. Fölsch von der DGIM hält nur den Holo-TC für wirklich aussagekräftig. Er geht davon aus, dass bei der aktuellen ärztlichen Praxis so mancher B12-Mangel gar nicht diagnostiziert wird.

B12-Mangel und die Folgen

Wenn der Mangel zu spät erkannt und behandelt wird, können Nervenschädigungen irreversibel sein. Prof. Obeid beobachtet, dass immer mehr Menschen ins Uniklinikum Saarbrücken kommen, bei denen der B12-Mangel bereits neurologische Symptome verursacht hat. "Die hätten sich bei rechtzeitiger Gabe von Vitamin B12 leicht vermeiden lassen", so die Expertin.

Deshalb möchte sie Hausärzte für die Vitamin B12-Problematik sensibilisieren: "Im Vergleich zu den entstehenden Folgekosten fallen die knapp 50 Euro für die Bestimmung des Holo-TC nicht ins Gewicht."

Kann zu viel Vitamin B12 schaden?

Die Einnahme von B12 birgt kein Risiko: Da das Vitamin wasserlöslich ist, kann der Körper mögliche Überschüsse ausscheiden. Daher rät Prof. Obeid vor allem älteren Menschen zur Vorbeugung. Denn schaden – da sind sich alle befragten Experten einig – kann B12 nicht.

Ist die Aufnahme von B12 im Magen-Darm-Trakt gestört, werden vereinzelt Lutschtabletten oder Tropfen empfohlen, da auch die Mundschleimhaut den Wirkstoff resorbieren kann.

Wenn die Körperspeicher leer sind

Haben entsprechende Bluttests ergeben, dass die Körperspeicher leer sind, kann der Arzt diese zunächst durch eine Spritzenkur auffüllen, sagt Prof. Obeid. Bei manchen Krankheiten sind lebenslang Spritzen nötig.

Liegt ein schwerer B12-Mangel vor, sollte zunächst keine Folsäure zugeführt werden, warnt Prof. Fölsch.

Dass Präparate mit dem Tausendfachen des Tagesbedarfs von B12 auf dem Markt sind, liegt daran, dass selbst ein gesunder Körper davon nur einen Bruchteil nutzen kann, bei Spritzen mehr als bei oraler Einnahme.

Lesen Sie dazu im GESUND-Magazin: Vitamin B12 und die vegetarische Ernährung

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Quellen

Gespräch mit Prof. Ulrich Fölsch, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Apr. 2013
Gespräch mit Prof. Regina Brigelius-Flohé, Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam, Apr. 2013
Gespräch mit Prof. Rima Obeid, Universitätsklinik Saarbrücken, Apr. 2013
Gespräch mit Prof. Ralf-Joachim Schulz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, Apr. 2013
Gespräch mit Prof. Claus Leitzmann, emer. Ernährungswissenschafter, Universität Gießen, Apr. 2013l


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