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Schilddrüsenknoten schonend entfernen

Von Sabine Abel (26. Mai 2015)

Eine durch Knoten vergrößerte Schilddrüse kann der Arzt bei der Untersuchung ertasten. Foto: Getty Images/Vetta

Eine Operation der kompletten Schilddrüse ist oft nicht nötig. Mit Thermoablation können Schilddrüsenknoten gezielt behandelt werden

Patienten mit Schilddrüsenknoten, die Beschwerden verursachen, wird meist zu einer Operation geraten. Etliche Mediziner kritisieren aber auch, dass in Deutschland zu häufig operiert wird. Bei einer OP werden große Teile der Schilddrüse oder häufig auch das komplette Organ entfernt. Eine sogenannte Thermoablation, also die gezielte Zerstörung von Schilddrüsenknoten durch Hitze kann eine schonende Alternative sein.

Thermobalation: Drei verschiedene Methoden

In der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt am Main wird bereits mit drei verschiedenen Verfahren der Thermoablation gearbeitet. Für eine Behandlung mit Mikrowellenablation, Radiofrequenzablation oder hochintensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU) ist kein Krankenhausaufenthalt nötig. Die Methoden können ohne Narkose angewendet werden, in einigen Fällen gibt es eine örtliche Betäubung. Außerdem entstehen keine oder nur winzige Narben. "Die Verfahren wurden in Asien entwickelt, erste Behandlungen gab es 2001 in Südkorea", sagt Privatdozent Dr. Huedayi Korkusuz, der seit 2012 in Frankfurt Schilddrüsen-Patienten mit thermoablativen Verfahren behandelt.

Das erste Verfahren, das hier eingeführt wurde, ist die Mikrowellenablation. "Dabei wird eine Sonde durch einen kleinen Hautschnitt von maximal zwei Millimeter in die Schilddrüse eingeführt", erläutert Dr. Korkusuz. Kontrolliert durch Ultraschall werden die Mikrowellen auf den Schilddrüsenknoten gerichtet. Durch die entstehende Hitze wird das Gewebe behandelt. Doch diese Methode sei vergleichsweise teuer, so der Nuklearmediziner. Außerdem besteht ein gewisses Risiko für die Haut durch die Hitzeentwicklung. Deshalb werde die Mikrowellenbehandlung nur noch bei sehr großen Knoten eingesetzt.

Ultraschall gegen kleine Schilddrüsenknoten

Bei kleinen Knoten wird im Frankfurter Uniklinikum bevorzugt die Ultraschall-Therapie HIFU angewendet. Mit dem Gerät, das auf die Haut aufgesetzt wird, können fokussierte Ultraschallwellen auf das zu behandelnde Gewebe gerichtet werden, durch den integrierten diagnostischen Ultraschall kann das Vorgehen kontrolliert werden. Die Behandlung, die nur mit leichten Schmerzen einhergeht, wird ohne Narkose durchgeführt.

Am häufigsten wird in Frankfurt inzwischen die Radiofrequenzablation eingesetzt. Unter örtlicher Betäubung wird eine Sonde durch einen winzigen Hautschnitt in den Knoten eingeführt. Hochfrequenter Wechselstrom erhitzt das Gewebe. "Dieses Verfahren ist sehr sicher und für den Patienten angenehmer", sagt Dr. Korkusuz. Die Radiofrequenzablation hat sich in anderen Bereichen bereits bewährt, z. B. bei Leber- und Lungentumoren oder auch bei schmerzhaften gutartigen Knochentumoren. Das behandelte Gewebe wird vom Körper nach und nach abgebaut. "Wir erreichen dadurch innerhalb von drei Monaten eine Volumenreduktion eines Schilddrüsenknotens von etwa 50 Prozent", berichtet der Mediziner.

Kombination mit der Radiojodtherapie möglich

Die Nuklearmediziner in Frankfurt behandeln meist gutartige kalte Knoten. Heiße Knoten werden nur in speziellen Fällen therapiert, z. B., wenn ein Patient die Radiojodtherapie (siehe unten) ablehnt oder sie nicht gewirkt hat. "Wir können die Radiofrequenzablation aber auch einsetzen, wenn ein Patient viele große Knoten in der Schilddrüse hat und die Radiojodtherapie zu hoch dosiert werden müsste", sagt Dr. Korkusuz. So ließe sich eine Operation vermeiden. "Wenn nötig, lässt sich die Thermoablation mit der Radiojodtherapie kombinieren", so Prof. Frank Grünwald, Vorsitzender des Deutschen Zentrums für Thermoablation von Schilddrüsenknoten.

Die Behandlung von Schilddrüsenknoten mittels Thermoablation werden im Allgemeinen nicht von den Krankenkassen bezahlt, aber eine Nachfrage bei der eigenen Kasse kann sich lohnen.

Vor Schilddrüsenoperation Zweitmeinung einholen

Zu den Hauptrisiken bei einer Schilddrüsenoperation gehören Verletzungen der Stimmbänder oder eine Schädigung der Nebenschilddrüsen, die zu einer Störung des Kalziumstoffwechsels führt. Die Folge können massive Krämpfe sein, die eine dauerhafte Behandlung erfordern. Die Risiken bei einer Thermoablation von Schilddrüsenknoten seien gering, betont Dr. Korkusuz. "Wir arbeiten nur noch mit gekühlten Systemen, um das Risiko von Hitzeschäden zu minimieren. Das Infektionsrisiko ist ebenfalls gering." Es bestehe eine gewisse Gefahr, dass Nerven und Gefäße beeinträchtigt werden. "Deshalb ist es wichtig, dass die Behandlung von Experten durchgeführt wird, die Erfahrung mit diesen Methoden haben", betont der Mediziner. Im Deutschen Zentrum für Thermoablation von Schilddrüsenknoten e.V. (DZTA), das der Uniklinik Frankfurt am Main angegliedert ist, werden die Verfahren weiterentwickelt und auch Behandler aus anderen Kliniken ausgebildet. Patienten können über die Internetseite www.dzta.de erfragen, in welcher Klinik in ihrer Nähe sie einen Experten finden.

Bisher haben sich rund 500 Patienten zur Beratung in der Frankfurter Klinik gemeldet. "Mehr als 130 Patienten wurden inzwischen erfolgreich mit der Thermoablation behandelt, weltweit bereits 7000 Patienten", sagt Dr. Korkusuz. Er rät allen Patienten, denen eine Schilddrüsenoperation empfohlen wird, dringend, eine zweite Meinung einzuholen.

Schilddrüsenknoten - welche Unterschiede gibt es?

Mediziner schätzen, dass etwa 20 Prozent der Menschen in Deutschland Knoten in der Schilddrüse haben. Andere sprechen sogar davon, dass jeder Zweite irgendwann in seinem Leben gutartige Schilddrüsenknoten entwickelt. Als Hauptursache wird immer noch Jodmangel angenommen, auch wenn die Jodversorgung durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz besser geworden ist. Die meisten Schilddrüsenknoten werden zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Ultraschall-Untersuchung am Hals. Größere Knoten können zu einer deutlichen Vergrößerung der Schilddrüse führen (Kropf) und Beschwerden wie ein Kloßgefühl im Hals, Schluckstörungen oder Heiserkeit verursachen. Es werden drei Arten von Schilddrüsenknoten unterschieden:

Heiße Knoten Diese Schilddrüsenknoten produzieren vermehrt Hormone, es kann zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommen. Heiße Knoten nehmen vermehrt Jod aus dem Blut auf. Deshalb werden sie üblicherweise mit einer Radiojodtherapie behandelt. Die Patienten schlucken eine Kapsel mit radioaktivem Jod, das sich in dem Knoten ansammelt und ihn quasi von innen bestrahlt. Wegen der strengen Strahlenschutzbestimmungen muss die Behandlung stationär im Krankenhaus stattfinden.

Neutrale Knoten Diese Bereiche unterscheiden sich nur gering vom restlichen Schilddrüsengewebe, die Hormonproduktion ist normal.

Kalte Knoten Das veränderte Gewebe produziert keine Hormone mehr. Es kann sich z. B. um eine Zyste, eine Vernarbung oder eine Verkalkung handeln. In seltenen Fällen entwickelt sich aus einem kalten Knoten ein Tumor. Um dies abzuklären, kann der Knoten punktiert und/oder mit der speziellen MIBI-Szintigrafie untersucht werden. Eine Untersuchung der Universität Köln zeigt, dass sich mit der MIBI-Szintigrafie bösartige Knoten mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent ausschließen lassen. Wenn der Knoten wegen seiner Größe Beschwerden verursacht, aber kein Tumor vorliegt, können kalte Knoten mit der Gabe von Schilddrüsenhormonen und Jod behandelt werden.

Operation Bei Beschwerden oder wenn der Verdacht auf ein Karzinom besteht, wird zur Operation geraten. Auch wenn der Befund unklar ist, empfehlen Ärzte häufig eine Operation "zur diagnostischen Abklärung". Dabei wird ein Teil der Schilddrüse oder häufig auch das komplette Organ entfernt. In diesem Fall muss der Patient anschließend sein Leben lang Schilddrüsenhormone einnehmen. Experten, z. B. in der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, sehen die hohen Operationszahlen (ca. 90.000 pro Jahr) kritisch, viele OPs seien vermeidbar.

Quellen

Gespräch mit PD Dr. Huedayi Korkusuz, Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, Mai 2015
Deutsches Zentrum für Thermoablation von Schilddrüsenknoten, 2015
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie

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