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Prostatakrebs: Wie gut ist die Behandlung?

Von Nicola Menke (8. Dezember 2015)

Foto: Getty/Hero Images

Ob und wie man Prostatakrebs therapieren sollte, bleibt unter Medizinern umstritten.

Sie ist so groß wie eine Kastanie, sitzt unterhalb der männlichen Blase und spielt eine Rolle im Hormonstoffwechsel, bei der Spermabildung und beim Verschluss von Harnblase und Samenwegen: die Prostata. Das auch als Vorsteherdrüse bezeichnete Organ ist wichtig für Sexualität und Fortpflanzung. Es kann jedoch auch viel Kummer bereiten. Fakt ist, dass es das Organ des Mannes ist, das am häufigsten von Krebs befallen wird. "Allein in Deutschland werden rund 68.000 Prostatakrebs-Neuerkrankungen pro Jahr diagnostiziert", sagt Wolfgang Bühmann vom Berufsverband Deutscher Urologen. Damit rangiert die Erkrankung bei Männern mit einem Anteil von rund zehn Prozent hinter Lungen- und Darmkrebs auf Platz drei der tödlichen Krebserkrankungen.

Prostatakrebs meist erst im späteren Lebensalter

Fakt ist jedoch, dass Prostatakrebs in den meisten Fällen erst recht spät, ab einem Alter von zirka 70 Jahren, auftritt. Zudem ist das Risiko, an ihm zu versterben, mit um die drei Prozent relativ niedrig. "Die oft zitierte Aussage, dass der Großteil der Erkrankten nicht an, sondern mit Prostatakrebs stirbt, ist korrekt", bestätigt Bühmann. Ausschlaggebend für die günstige Schadensbilanz ist, dass Prostatakrebs in vielen Fällen sehr langsam wächst und wenig aggressiv ist und dann spät oder vielleicht nie Probleme bereitet. Zu verdanken ist sie laut Experten aber auch der betriebenen Prostatakrebs-Früherkennung. "Neben den genannten gering bösartigen Tumoren, bei denen man auch von Niedrigrisikokarzinomen spricht, gibt es auch solche, die unbehandelt schnell voranschreiten und Metastasen bilden würden", erklärt Bühmann. Um das zu verhindern, gelte es, sie frühzeitig zu entdecken, was in der Regel nur durch ein gezieltes Screening gelinge, da Prostatakrebs sich erst sehr spät durch Beschwerden bemerkbar mache.

Prostatakrebs meist heilbar

Aktuellen Schätzungen zufolge kann Prostatakrebs in 70 bis 80 Prozent der Fälle geheilt werden, wenn er im Frühstadium therapiert wird. Es ist jedoch so, dass seine Behandlung lebensverändernde Nebenwirkungen wie Blasenschwäche und Impotenz haben kann, die teils von Dauer sind. Und dass ein Teil der betroffenen Männer diese unnötig erträgt, weil sie eigentlich keine Therapie gebraucht hätten oder man sie hätte schonender behandeln können. "Es kommt bei Prostatakrebs leider relativ häufig zu Überdiagnosen und Übertherapien, was bedeutet, dass Tumoren diagnostiziert und behandelt werden, die für die weitere Gesundheit unbedeutend gewesen wären", sagt Peter Albers, Urologe und Vizepräsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

Vor diesem Hintergrund wird die Frage nach dem richtigen medizinischen Umgang mit Prostatakrebs kontrovers diskutiert. Am stärksten steht die Früherkennung im Kreuzfeuer, von der einige Experten befürchten, dass sie "mehr schadet als zu nutzen". Grund ist, dass sie als systematische Reihenuntersuchung erfolgt, die ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich angeboten wird. Solche Massenscreenings bergen erwiesenermaßen immer die Gefahr vermehrter Fehl- und Überdiagnosen. Im konkreten Fall wird sie vor allem durch den PSA-Test befeuert. Dieser Test, der die Menge prostataspezifischer Antigene (PSA) im Blut misst, wird als Selbstzahlerleistung meist zusätzlich zur Standardvorsorge empfohlen, zu der das Abtasten von Genitalien und Prostata gehört. "Da der PSA-Wert sich bei einer Krebserkrankung erhöht, ermöglicht er es, Karzinome schon im mikroskopisch kleinen Stadium zu entdecken", sagt Bühmann. Das mache ihn zu einem wertvollen Tumorindikator. Andererseits kommt es durch das Verfahren zu vielen falschen Prostatakrebs-Befunden.

Meinung: Erstaunliche Lücken

GESUND-Redakteur Christian Seel.

Von Christian Seel

Deutschlands bekanntester Arzt der 70er-Jahre war zweifellos Julius Hackethal, eine Art Chefankläger der eigenen Profession. "Meinen männlichen Geschlechtsgenossen kann ich nur raten: Laufen Sie, so schnell Sie können, wenn Sie einen Urologen sehen!", empfahl der Chirurg damals den Fernsehzuschauern angesichts der üblichen Prostata-Vorsorgen und Operationen. 40 Jahre später kann man sagen, dass sich die Fortschritte in diesem Bereich der Medizin noch immer in Grenzen halten.

Das Wissen um die richtige Diagnose und Therapie zeigt beim Prostata-Karzinom nach wie vor erstaunliche Lücken. Wann ein Krebs der Behandlung bedarf und welcher: Die Antworten auf diese Fragen werden von den Urologen seit Jahren hinausgezögert. Über das Warum kann man spekulieren. Es gibt Kliniken und Praxen, die sich auf die eine oder andere chirurgische Methode spezialisiert haben. Was würde mit ihnen geschehen, wenn Studien belegen könnten, dass beispielsweise abzuwarten und zu überwachen zunächst nicht nur kostengünstiger, sondern auch besser ist als alles andere?

In diesem Jahr hat nach zweijähriger Vorbereitung die sogenannte Prefere-Untersuchung begonnen, die erstmals verschiedene Behandlungsoptionen vergleichen soll. Der Start verlaufe schleppend, heißt es, statt 7000 Patienten sind es bisher erst wenige Hundert. Viele Prostatazentren haben noch gar keine Teilnehmer gemeldet. Dabei wird es höchste Zeit, dass Urologen die kühnen Thesen des Julius Hackethal endlich widerlegen

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