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Medizin

Perücken für krebskranke Frauen

Von Barbara Dötsch (20. Februar 2009)

Viele Kundinnen von Elisa Leimbach haben nach einer Chemotherapie die Haare verloren. Foto: Dötsch

Für Frauen ist der Verlust der Haare gleichbedeutend mit dem Verlust von Weiblichkeit, Attraktivität und Selbstbewusstsein. Doch zum Glück gibt es Perücken aus Echt- und Kunsthaar.

Die Kundin im Friseurgeschäft von Elisa Leimbach an diesem Nachmittag ist Mitte 40 und hat rote Haare. Die Farbe könnte eine Auffrischung gebrauchen, der Schnitt vielleicht auch, aber deshalb ist die Frau nicht gekommen. In etwa zwölf Tagen wird Dagmar Bauch ihre Haare durch eine Chemotherapie verlieren. Dass das niemand sieht, dafür sorgt Elisa Leimbach mit ihren Perücken und ihrer Erfahrung als Maskenbildnerin.

Die Diagnose für Dagmar Bauch ist Krebs, dennoch strahlt und lacht die Ärztin. Ihre Perücke hat sie längst probegetragen und dabei Komplimente von gleich mehreren Männern bekommen "wie seit vielen Jahren nicht mehr". Dabei war sie anfangs genauso verzweifelt wie alle anderen betroffenen Frauen, für die der Verlust der Haare gleichbedeutend ist mit dem Verlust von Weiblichkeit, Attraktivität und Selbstbewusstsein. Doch dieses Gefühl hat ihr Elisa Leimbach, die alle nur beim Vornamen nennen, ganz rasch ausgetrieben.

"Jede Frau hat schöne Haare"

Die Friseurmeisterin ist schnell beim Du, wenn Frauen in ihren Laden kommen. Noch schneller streicht sie bewundernd über deren Haare. "Jede Frau hat schöne Haare", und Elisa sagt ihnen das auch. Bei denen vor einer Chemotherapie betont sie außerdem, was für ein Glück es doch sei, dass die Haare schon drei bis vier Wochen nach der letzten Behandlung wieder wachsen werden. Einige ihrer Kundinnen mit anderen Krankheiten haben nicht so ein Glück. "Es gibt Zigtausende, die nie wieder Haare haben werden", sagt Elisa und erzählt von ihrer einst jüngsten Perücken-Kundin. "Eine Autoimmunerkrankung. Letizia war acht, als sie das erste Mal zu mir kam." Inzwischen ist sie 16 und Elisas Patenkind.

Kein Wunder, denn Elisas Auffassung von ihrem Beruf endet nicht an der Kasse. Sie übernimmt auch die Pflege ihrer Perücken, wenn sich Schmutz anhaftet oder die Passform korrigiert werden muss. Das gewährt Elisa Einblicke in das Leben ihrer Kundinnen. "Ich verkaufe nicht Perücken in der Tüte. Ich bin eine Begleitung, solange eine Frau meine Perücke trägt."

Nebenwirkung Haarausfall:

Chemotherapie Die Behandlung macht sich die schnelle Teilungsfähigkeit von Krebszellen zunutze. Eine Kombination aus Zytostatika (Zellstoppern) soll sie zerstören und im Wachstum hemmen. Die Medikamente wirken aber auch auf gesundes Gewebe mit ähnlicher Teilungsrate, wie Haarwurzeln und Magen-Darm-Schleimhäute. Deshalb sind Nebenwirkungen vor allem Haarausfall, Übelkeit und Durchfall. Bei Brustkrebs wird laut Deutscher Krebsgesellschaft mit einer Kombination u. a. aus Cyclophosphamid (schädigt die DNA-Stränge im Zellkern) behandelt.

Kosten Je nach Dosis und Verträglichkeit fallen Haare ganz oder teilweise aus. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen bei Chemotherapie mit verschiedenen Sätzen die Kosten für einfache Kunsthaar-Perücken. Beispiel: So zahlen die Ersatzkassen 163 Euro für Standardmodelle (52 - 58 cm Kopfumfang), 310 Euro für eine Maßkonfektion (ungewöhnlicher Kopfumfang, Allergien).

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