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Medizin

Leberschaden: zu viel des Guten

Von Sabine Abel (29. Oktober 2010)

Die Leber liegt im rechten Oberbauch direkt unterhalb des Zwechfells Illustration: PA/dpa

Wer sich mit Nahrungsergänzungsmitteln gegen Krankheiten schützen möchte, riskiert möglicherweise einen Leberschaden. Auch Arzneimittel können dem Organ gefährlich werden

Viele Menschen haben die Befürchtung, nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt oder gegen Krankheiten gewappnet zu sein. Sie greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln, um sich etwas Gutes zu tun. Doch diese gute Absicht kann teilweise schwerwiegende Folgen haben. Manche Nahrungsergänzungsmittel können sogar einen Leberschaden verursachen, warnt Prof. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor am Klinikum München.

Wenig Gefahr sieht der Stoffwechsel-Spezialist bei korrekt dosierten Vitaminen und Spurenelementen, anders sei es bei pflanzlichen Mischpräparaten. Sie könnten Substanzen enthalten, so Prof. Göke, die bei dafür empfindlichen Menschen schon in geringer Menge eine immunologische Leberreaktion auslösen und damit das Risiko für einen Leberschaden erhöhen können. Drei Präparate-Gruppen sind für ihn besonders kritisch, speziell, wenn sie über das Internet bezogen werden:

  • Mittel, die eine Gewichtsreduktion versprechen. Diese enthielten zum Teil Sibutramin, das in Deutschland wegen massiver Nebenwirkungen vom Markt genommen wurde.
  • Mittel gegen Schlafstörungen, speziell solche, die Johanniskraut-Extrakt enthalten. "Es gibt eine relativ hohe Zahl von Patienten, die nach der Einnahme von Johanniskraut ein Leberversagen erlitten haben", betont Prof. Göke.
  • Präparate, die allgemein kräftigend wirken sollen. Hier nennt er z. B. den Noni Saft, nach dessen Einnahme auch schon akutes Leberversagen aufgetreten sei.

Zugelassene Arzneimittel können ebenfalls eine schädliche Wirkung auf die Leber haben. "Es gibt mehr als 1000 Präparate, bei denen dieses bekannt ist", so Prof. Göke. "Doch Medikamente werden nach dem Arzneimittelgesetz streng geprüft und kontrolliert, Wirkungen und Nebenwirkungen werden gegeneinander abgewogen", betont er. Patienten, die Medikamente einnehmen, bei denen ein Risiko für einen Leberschaden bekannt ist, werden im Allgemeinen durch regelmäßige Blutkontrollen überwacht, so dass das Mittel abgesetzt bzw. ausgetauscht werden kann, wenn sich erhöhte Leberwerte zeigen.

Mittel aus dem Internet: Risiko Leberschaden

Bei Nahrungsergänzungsmitteln und zum Teil auch pflanzlichen Präparaten gibt es diese Kontrollen nicht. In Drogerien und Reformhäusern erhältliche Produkte unterliegen dem deutschen Lebensmittelrecht. "Damit ist eine gewisse Qualitätssicherung gewährleistet", sagt Prof. Göke. "Aber für das, was über das Internet vertrieben wird, gilt das ganz häufig nicht." Präparate, die aus dem Ausland nach Deutschland verkauft würden, seien im Produktionsprozess manchmal mit fremden Stoffen verunreinigt worden und böten damit ein gewisses Risiko für einen Leberschaden. Außerdem fehle bei Mitteln, die übers Internet oder im Direktverkauf angeboten werden, zum Teil eine komplette Angabe aller Inhaltsstoffe. Dies sei auch bei manchen in Deutschland verkauften Produkten bemängelt worden, die schon zu Leberproblemen geführt hätten.

Der Stoffwechselspezialist rät allen, die Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Präparate einnehmen, auf ihr eigenes Befinden zu achten. Wer verstärkt unter Müdigkeit und Abgeschlagenheit leidet, zudem Völlegefühl und einen Druck im rechten Oberbauch verspürt oder sogar schon eine Gelbfärbung der Augen bemerkt, sollte rasch beim Arzt seine Leberwerte kontrollieren lassen. Erhöhte Werte können ein Warnzeichen für einen Leberschaden sein, man sollte das betreffende Mittel absetzen, sonst kann es zu einer Leberentzündung und im schlimmsten Fall zum Leberversagen kommen.

"In Deutschland gibt es normalerweise keine Ernährungsmangelzustände", betont Prof. Göke. Deshalb seien Nahrungsergänzungsmittel nur für bestimmte Risikogruppen wie z. B. Ältere, die sich einseitig ernähren, Schwerstkranke oder manche Schwangere sinnvoll.

Leberschaden durch Überdosierung

Wer seine Leber schützen will, sollte grundsätzlich bei allen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln die empfohlene Dosis nicht überschreiten, betont Prof. Göke. In vielen Hausapotheken fänden sich Schmerzmittel wie Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen, die in hohen Dosierungen Gift für die Leber sein können, hier sollte man besonders vorsichtig sein.

Dass regelmäßiger Alkoholkonsum in hohen Mengen, das Risiko für einen Leberschaden erhöht, gehört inzwischen zum Allgemeinwissen. Doch auch fett- und kohlehydratreiche Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel sowie Störungen des Zuckerstoffwechsels können die Leber belasten. Experten schätzen, dass bis zu 30 Prozent der Bevölkerung eine Fettleber entwickeln. Bei manchen führt dies zu einer Fibrose, bei der Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt wird, dann zu einer Zirrhose und sogar Leberkrebs.

Doch man kann diese Entwicklung mit einfachen Mitteln stoppen. Regelmäßige Bewegung rege die Leberdurchblutung an und fördere die Entgiftung, erläutert die Deutsche Leberhilfe. Wichtig sei außerdem eine ausgewogene Ernährung mit viel pflanzlichen Lebensmitteln und wenig tierischem Fett. Asketisch leben muss man nicht: Alkohol in Maßen ist erlaubt, Kaffee und schwarzem Tee wird sogar eine leberschützende Wirkung nachgesagt.
 

Zum Weiterlesen:

Leber-Buch In Deutschland gibt es rund fünf Millionen Leberkranke. Doch oft bemerken die Betroffenen gar nichts von ihrem Leiden, denn die Leber selbst ist nicht schmerzempfindlich. So wird eine chronische Hepatitis C manchmal erst nach 20 Jahren diagnostiziert. Experten der Deutschen Leberstiftung informieren im "Leber-Buch" über die Funktion der Leber sowie die Diagnose und Behandlung verschiedener Lebererkrankungen.
Deutsche Leberhilfe (Hrsg.): "Das Leber-Buch", Schlütersche, 158 S., 14,95 €.

Ernährung Wer an Hepatitis leidet, muss bei der Ernährung andere Dinge beachten als Patienten mit Gallensteinen. Sven-David Müller und Christiane Weissenberger erläutern ausführlich, welche Ernährung bei verschiedenen Lebererkrankungen sinnvoll ist. 60 Rezepte mit praktischen Tipps erleichtern die Umsetzung.
Sven-David Müller, Christiane Weissenberger: "Ernährungsratgeber Leber und Galle", Schlütersche Verlagsgesellschaft, 176 S., 14,95 Euro


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Quellen

Gespräch mit Prof. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor am Klinikum München, Oktober 2010
Vorab-Pressekonferenz zum Kongress für Viszeralmedizin 2010
Informationen der Deutschen Leberhilfe, www.leberhilfe.org
Deutsche Leberhilfe (Hrsg.): "Das Leber-Buch", Schlütersche






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