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Leber zeigt auch Diabetes-Risiko an

Von Sabine Abel (27. Mai 2011)

Fruchtsäfte enthalten viel Zucker und können so zu Fettablagerungen in der Leber beitragen. Foto: PA/CTK

Eiweißstoff aus der Leber beeinflusst den Blutzuckerspiegel und die Gefäße. Eine erhöhte Konzentration kann zu einem gesteigerten Risiko für Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall führen

Viele Menschen, die an Diabetes Typ 2 leiden, haben auch eine Fettleber. Deshalb wurde bislang angenommen, dass diese Erkrankung der Leber eine Folge des Diabetes ist. Neue Untersuchungen zeigen jedoch, dass es höchstwahrscheinlich genau umgekehrt ist: Wer eine Fettleber hat, hat ein erhöhtes Diabetes-Risiko. Prof. Norbert Stefan und seine Kollegen von der Universität Tübingen fanden heraus, dass bei Patienten mit einer Fettleber der Blutzuckerstoffwechsel gestört ist.

Für die Entstehung dieser Erkrankung der Leber machen die Wissenschaftler neben einer genetischen Veranlagung und erhöhtem Alkoholkonsum vor allem eine ungesunde Ernährung verantwortlich. Doch hier ist nicht, wie man bisher dachte, die übermäßige Aufnahme von Fett das Problem, sondern ein hoher Anteil von schnell verwertbaren Kohlenhydraten in der Nahrung. Das sind zum Beispiel Weißmehlprodukte, fruchtzuckerhaltige Getränke, süßes Obst oder Süßigkeiten. "Nicht so problematisch sind die Kohlenhydrate, die langkettig sind und langsam resorbiert werden, wie sie zum Beispiel in Vollkornprodukten enthalten sind", sagt Prof. Stefan. "Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie langsamer aufgespaltet werden und in der Leber nicht diese hohe Konzentration des Zuckers ankommt." Überflüssiger Zucker wird in der Leber zu Fett umgewandelt und in den Leberzellen gespeichert. Wird die Fettleber nicht behandelt, kann es zu einer Leberentzündung, einer Fibrose (Veränderung des Lebergewebes) und im Extremfall zur Zirrhose (Schrumpfen der Leber) und Leberkrebs kommen.

Fett in der Leber fördert Insulinresistenz

Die Tübinger Mediziner untersuchten mehr als 400 Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2 haben – z. B. weil es in der Familie Diabetes-Erkrankungen gab, die Patienten bereits leicht erhöhte Blutzuckerwerte hatten oder übergewichtig waren. "Wir haben festgestellt, dass bei vielen, obwohl der Blutzucker noch nicht erhöht ist, bereits eine Insulinresistenz (die Vorstufe des Diabetes) und eine Verfettung der Leber vorliegen", berichtet Prof. Stefan. Beim Vergleich mit den Patienten, die keine Insulinresistenz haben, stellte sich heraus, dass nicht das Gewicht oder der Bauchumfang entscheidend war, sondern die Fettablagerungen in der Leber. Die Wissenschaftler stellten fest, dass das Eiweiß Fetuin-A, das in der Leber gebildet wird, eine wichtige Rolle spielt.

Eine erhöhte Konzentration von Fetuin-A bewirkt, dass das Hormon Insulin in den Zellen nicht mehr wirken kann und der Blutzucker ansteigt. In der Folge versagen auch die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Zusätzlich hat Fetuin-A einen negativen Einfluss auf die Gefäße. Es ruft Entzündungsreaktionen hervor und fördert so das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. "Wir konnten zeigen, dass das Fetuin-A ansteigt, wenn die Leber langsam verfettet", so Prof. Stefan.

Bluttest für Eiweiß aus der Leber

Die Tübinger Forscher arbeiten zurzeit daran, einen Bluttest für das Fetuin-A zu entwickeln. In Zukunft soll man damit das Risiko für Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall voraussagen und die Therapie kontrollieren können. Bislang kann man nur das Vorhandensein einer Fettleber feststellen – das geschieht im Allgemeinen bei einer Ultraschalluntersuchung.

Menschen, die eine Fettstoffwechselstörung haben sowie Übergewichtige, in deren Familie frühe Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Diabetes-Typ-2-Erkrankungen aufgetreten sind, haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, eine Fettleber zu entwickeln. Leberexperte Stefan rät in diesen Fällen, eine Ultraschalluntersuchung machen zu lassen, um eine mögliche Erkrankung der Leber feststellen zu können.

Bewegung lässt Fett in der Leber schwinden

Eine Fettleber und die möglichen schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen dieser Erkrankung der Leber sind kein unabwendbares Schicksal. Im Rahmen des "Tübinger Lebensstil Interventions-Programms" (TULIP), einer groß angelegten Diabetes-Präventionsstudie, stellte sich heraus, dass eine Umstellung der Ernährung (weniger Weißmehl, weniger Fruchtzucker und weniger Haushaltszucker, dafür mehr Vollkornprodukte) und drei bis vier Stunden vermehrte körperliche Aktivität pro Woche das Fett in der Leber schwinden lassen.

Auch wenn man insgesamt kaum Gewicht abnimmt, lassen sich in der Leber so starke Veränderungen erreichen. Eine günstigere Ausgangsposition haben hier allerdings Menschen, die schon vor der Umstellung fit sind. Untrainierte müssen wahrscheinlich das Programm mit Ausdauersport und Kraftsport ausweiten, um ähnliche Ergebnisse zu erzielen. Ein Medikament gegen die Fettleber gibt es bislang nicht. Studien dazu seien noch in experimentellen Stadien, so Prof. Stefan. Es gebe aber erste Erkenntnisse, dass z. B. Pioglitazon, ein blutzuckersenkendes Mittel, das Fett in der Leber verringern könne.

Informationen:

Leber-Check Mit einem einfachen Fragebogen auf der Internetseite der Bayerischen Landesärztekammer können Sie selbst testen, ob bei Ihnen ein Risiko für eine Erkrankung der Leber vorliegt.


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Quellen

Gespräch mit Prof. Norbert Stefan, Universität Tübingen, Mai 2011
Informationen zum 117. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) von PD Dr. Jörg Bojunga, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main, April 2011
Innovations-Report, 18.07.2008


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