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Hyperthermie gegen Krebs-Erkrankung

Von Nicola Menke (31. August 2015)

Blick auf ein Regionales Hyperthermiesystem, das Modell BSD 2000 3D der "Dr. Sennewald Medizintechnik GmbH". Foto: Dr. Sennewald/Brian Twede

Hyperthermie soll Chemo- und Strahlenbehandlung ergänzen. Bei welchen Krebs-Erkrankungen sich die Methode eignet, erläutern Mediziner, die diese Technik einsetzen.

Um Krebs-Erkrankungen entgegenzuwirken, gibt es verschiedenste Therapieansätze. Einer ist die Hyperthermie.

Die Behandlungsform, deren aus dem Griechischen stammender Name Überwärmung bedeutet, umfasst verschiedene Verfahren, in denen Tumorgewebe gezielt überhitzt wird, was Krebszellen zerstören und empfindlicher gegenüber Chemo- und Strahlentherapie machen soll.

Hyperthermie gezielt für bestimmte Körperregionen

Gearbeitet wird mit Temperaturen von 40 bis 44 Grad, die unter anderem mit elektromagnetischen Wellen, Ultraschall oder erwärmter Flüssigkeit erzielt werden. Dabei werden Hilfsmittel wie Antennen oder Silikonapplikatoren genutzt und außer bei der sogenannten Ganzkörper-Hyperthermie nur die betroffenen Körperregionen erhitzt.

"Hyperthermie steht schon seit Jahren im Fokus der klinischen und universitären Forschung. Dass sie die beschriebenen Anti-Tumoreffekte hat, hat mehrere Gründe", sagt Prof. Volker Budach, Direktor der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, der Charité Universitätsmedizin Berlin, an der seit fast 30 Jahren mit Hyperthermie gearbeitet wird – unter anderem auch über 10 Jahre in einem Sonderforschungsbereich.

Krebszellen und Wärme

Grundsätzlich gilt, dass Krebszellen häufig empfindlicher auf Wärme reagieren als gesunde Körperzellen, da sie schlechter durchblutet sind. Bereits ab 40 Grad beginnen ihre Reparaturmechanismen zu versagen. Das bewirkt, dass sie Bestrahlungs-Schäden bei einer Hyperthermie-Behandlung schlecht oder gar nicht mehr kompensieren können und wenn, wie bei mangelnder Durchblutung kein Wärmeabtransport mehr erfolgt, teils sogar direkt durch weitere Aufheizung absterben, weil ihr Eiweiß quasi "verkocht". Diesen Effekt der Hyperthermie nennt man thermotoxisch.

Darüberhinaus kann sie die Anti-Tumor-Aktivität gewisser Krebsmedikamente steigern und die Bildung von Hitzeschockproteinen fördern, die die Killerzellen des Immunsystems dazu anregen, beschädigte Krebszellen abzutöten. "Außerdem bewirkt sie, dass die Gefäße der behandelten Bereiche sich erweitern und dass diese stärker durchblutet und damit besser mit Sauerstoff versorgt werden", sagt Budach. Das führe dazu, dass das Gewebe Chemotherapeutika besser aufnehme und mache es sensibler für die Strahlentherapie. Nützlich ist das, wie er erklärt, etwa, wenn man, wie teils bei Rezidiven in vorbestrahlten Arealen, mit einer niedrigen Strahlendosis arbeiten muss. Vor allem aber, wenn wie bei lokal fortgeschrittenen Tumoren oft der Fall, eine Hypoxie vorliegt, also das Gewebe blut- und sauerstoffunterversorgt ist, wodurch Chemo- und Strahlentherapie nur bedingt oder gar nicht wirken.

Hyperthermie kombiniert mit weiteren Methoden

Da man bis dato noch keine Möglichkeit kennt, Tumorgewebe vollkommen gleichmäßig bis zum Absterben zu erwärmen, ist es nicht möglich, Hyperthermie alleine zur Krebstherapie zu nutzen. Stattdessen wird sie in Kooperation mit anderen tumorzelltötenden Therapien wie Chemo- und Strahlentherapie eingesetzt. In den Augen Budachs und vieler anderer radioonkologischer Experten ist sie eine "exzellente Behandlungsmethode", die das Potenzial hat, neben Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie zur vierten Säule der Krebs-Behandlung zu werden.

Fakt ist jedoch, dass sie trotz langjähriger wissenschaftlicher Arbeit und dem Vorliegen positiver Forschungsergebnisse noch keine Standardtherapie ist. Hauptgrund dafür ist laut Deutschem Krebsinformationsdienst, dass es "noch zu viele offene Fragen gibt". So herrsche etwa teils noch Unklarheit bezüglich technischer Einzelheiten, wie jener, welche Temperatur die beste Anti-Tumor-Wirkung hat oder wie sich die Wärmeentwicklung im Körper am zielgenauesten steuern lässt.

Selektive Tumor-Erwärmung vielversprechend

Bereits jetzt recht vielversprechend sieht die Forschungslage für die regionale Hyperthermie (RHT) in Kombination mit Strahlen- oder Chemotherapie aus. Die Methode nutzt elektromagnetische Wellen, um Tumoren zu erwärmen. Das Gewebe wird über einen ringförmigen Applikator mit Antennen erwärmt, in dem der Patient liegt und mit dem auch tieferliegende Tumoren erreicht werden können. "Die Tumorerwärmung erfolgt selektiv, wobei Überhitzungen im Normalgewebe durch Wasserkissen vorgebeugt wird und die Steuerung der Wellen bei der RHT mit Hilfe einer speziell dafür vorgesehenen Hyperthermieplanung erfolgt", schildert Privatdozent Dr. Pirus Ghadjar, Koordinator des Hyperthermie-Zentrums in der Charité-Strahlen-Klinik.

"Für die RHT existieren bis dato bereits zahlreiche überzeugende randomisiert-kontrollierte Studien, die ihren wirkungsverstärkenden Nutzen für eine Reihe von Krebserkrankungen belegen", erklärt Ghadjar. Dazu gehört das Gebärmutterhalskarzinom, für das niederländische Forscher bei Kombination der Strahlentherapie mit RHT beispielweise höhere Überlebensraten feststellten. Oder Weichteilsarkome, bei denen sich in einer 2010 publizierten multizentrischen Studie, an der das Hyperthermiezentrum der Charité beteiligt war, unter anderem ein um 14 Prozent niedrigeres Risiko von erneutem lokalen Tumorwachstum zeigte, wenn man vor der OP neben Chemotherapie auch mit RHT behandelte.

Kostenerstattung vor der Behandlung klären

Die für eine Hyperthermie anfallenden Behandlungskosten werden von den Krankenkassen nur unter gewissen Voraussetzungen übernommen. Im Normalfall erfolgt eine Kostenübernahme, wenn eine Krebserkrankung vorliegt, für die Hyperthermie als gesicherte Therapiemethode eingestuft wird oder wenn der Patient an einer autorisierten Studie teilnimmt.

Da die Kostenerstattung nicht einheitlich geregelt ist, sollten Betroffene die Finanzierung vor Behandlungsbeginn mit den behandelnden Ärzten und der Krankenversicherung klären.

Hyperthermie wird in Deutschland an ausgesuchten Kompetenzzentren angeboten, die auf der Homepage der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zu finden sind.

Informationen zu der Therapieform Hyperthermie gibt es bei diesen Zentren und beim Deutschen Krebsinformationsdienst.

Seite 2 Interview mit Prof. Rainer Fietkau: Wann Hyperthermie eingesetzt werden sollte

Meinung: Angst und Mut

Von Manfred Pantförder

Menschen haben große Angst vor Krebserkrankungen – obwohl der medizinische Fortschritt groß ist und die Heilungsaussichten besser geworden sind. Die Furcht dürfte darin begründet sein, dass die Ursachen, warum und wie sich bösartige Geschwülste bilden, trotz der medizinischen Fortschritte nicht hinreichend bekannt sind.

Es gibt Hinweise auf genetische Ursachen von Krebs, auf Umwelt- oder Ernährungsfaktoren, Rauchen und Alkoholmissbrauch werden oft angeführt, doch eine Zwangsläufigkeit lässt sich daraus nicht ableiten, wann Zellen bösartig mutieren. Das ist leider eine ernüchternde Feststellung im 21. Jahrhundert, das scheinbar keine Grenzen der Information und Wissensverbreitung zu kennen scheint. Daher sind auch Behandlungen von Krebserkrankungen, die Erfolg garantieren, nicht in Sicht. Das Risiko ist ein individuelles, und das macht Angst.

Alle Ansätze als Chance nutzen

Solange die Ursachenforschung Fragen offen lässt, bleibt neben den standardisierten Therapien der Schulmedizin auch Raum für Komplementärmedizin und traditionelle Heilkunde. Mut machen Erfahrungsberichte von manchen Patienten, die neben Operation, Medikamenten, Chemo- und Strahlentherapie auf unterschiedlichen Wegen eine Krebserkrankung bekämpften. Bei ihnen scheint auch der Glaube an die eigenen Kräfte eine große Rolle zu spielen. Auf die Bedeutung der psychischen Stabilisierung weisen Psychiater, Psychotherapeuten und manche Mediziner ja immer wieder hin.

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