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Heilfasten ohne Risiko?

Von Nicola Menke (1. Februar 2015)

Ausreichend Tee,Wasser und Saft zu trinken, ist beim Heilfasten sehr wichtig. Foto: picture alliance/Monique Wüstenhagen

Heilfasten kann bei einigen chronischen Erkrankungen positiv wirken, sagt Ernährungsmediziner Prof. Dr. med. Andreas Michalsen. Interview zum Stand der Forschung.

Heilfasten gilt manchen Menschen als heilsame Auszeit für Körper, Geist und Seele. Fasten soll reinigend wirken. In schulmedizinischen Kreisen ist Heilfasten nicht unumstritten. Ob es bei der Prävention und Behandlung verschiedener Erkrankungen nützlich sein kann, erläutert Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin. 

GESUND: Heilfasten wird teils als Allheilmittel gepriesen. Zu Recht?

Prof. Andreas Michalsen: Ein Allheilmittel ist Heilfasten sicherlich nicht. Dass es eine gesundheitsfördernde Wirkung hat und in der Therapie verschiedener Erkrankungen von Nutzen sein kann, ist aber unbestreitbar und wurde mittlerweile auch durch zahlreiche wissenschaftliche Studien bewiesen.

Bild: Prof. Andreas Michalsen ist Inhaber der Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Michalsen ist im Vorstand der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE). Foto: privat

 
GESUND: Heilfasten bedeutet über eine gewisse Zeit hinweg eine niederkalorische Diät mit einem Brennwert von maximal 500 Kalorien einzuhalten und sich vorwiegend flüssig zu ernähren. Das würden einige als Hungern bezeichnen. Wieso soll das gesund sein?

Michalsen: Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass Fasten zur Durchbrechung eventuell bestehender ungesunder Ernährungs- und Lebensstilgewohnheiten führt. Außerdem gibt es dem Verdauungssystem eine Auszeit, sodass es sich regenerieren kann, und Fasten kann den Stoffwechsel und den Hormonhaushalt positiv beeinflussen. 

Heilfasten wie Urlaub für den Darm

GESUND: Wie wirkt Fasten auf das Verdauungssystem?

Michalsen: Grob gesagt ist es so, dass die Lebensmittel, die wir zu uns nehmen, für unseren Organismus Fremdkörper darstellen. Somit ist jede Nahrungsaufnahme eine kleine immunologische Attacke, die zu einer leichten Entzündung führt und Folgeerscheinungen, wie eine veränderte Zusammensetzung der im Darm ansässigen Bakterien, haben kann. Da es dieses Reiz-Reaktions-Schema durchbricht, ist Fasten wie Urlaub für das Verdauungssystem und kann unter anderem dazu beitragen, dass sich Verdauungsabläufe normalisieren, der Darm von Rückständen und abgestorbenem Zellmaterial befreit wird und eine ausgeglichene Darmflora entsteht.
    
GESUND: Und wie ist das mit Stoffwechsel und Hormonhaushalt?

Michalsen: Wenn man fastet, kann das zu Umstellungsreaktionen im neuroendokrinen System führen und damit auch zu Umstellungen in jenen Zellen, Organen und Organbestandteilen, von denen der Stoffwechsel und Neurohormone wie Insulin, Cortisol, Leptin, Serotonin oder Dopamin gesteuert werden. Zu diesen Reaktionen gehören Veränderungen in der Hormonsekretion, wie die verminderte Produktion des Blutzuckerregulators Insulin oder die vermehrte Ausschüttung des Wohlfühlhormons Serotonin, die Sensitivierung verschiedener neuroendokriner Hormonandockstellen sowie Verbesserungen im Stoffwechsel.

Seite 2: Wirkt Heilfasten präventiv?

Meinung: Macht Fasten Spaß?

Manfred Pantförder

Von Manfred Pantförder

Kann Fasten Spaß machen? Wenn es sich nicht um erzwungenes Hungern aus Selbstkasteiung handelt, sondern um den freiwilligen, zeitlich begrenzten Verzicht, dürfte sich ein neues Körper- und vielleicht auch Glücksgefühl einstellen.

Von Katharsis, seelischer Reinigung im Sinne von innerer Einkehr ohne Ablenkung, sprachen einst griechische Philosophen. Heute verschwimmen die Grenzen zwischen Fasten, Heilfasten und Abnehmdiäten.

Fasten, Lifestyle und Esoterik

Verbunden ist Fasten mit vielen Heilsversprechen und -erwartungen, die mehr mit Lifestyle und Esoterik denn mit Medizin zu tun haben. Daher ist medizinische Beratung vor einer Fastenkur angeraten, wenn bestimmte Vorerkrankungen oder Risikofaktoren bestehen. Denn Fasten verändert den Stoffwechsel massiv.

In Zeiten von Übergewicht, Überfluss und Überdruss ist Fasten leicht ein Extrem mit anderem Vorzeichen. Als Ausgleich für Übermaß ist Fasten untauglich, denn zur Korrektur von Körperbild und Ernährungsgewohnheiten ist es nicht nachhaltig genug.

Radikale Selbstüberwindung krankhaft

Keinesfalls sollte Fasten als Null- oder Crash-Diät verstanden werden, sonst ist sowohl körperlicher als auch seelischer Schaden nicht auszuschließen. Der Körper muss ausreichend mit Flüssigkeit sowie einem Minimum an Energie versorgt werden, um lebenswichtige Funktionen aufrecht zu erhalten und Organschäden zu vermeiden. Radikale Selbstüberwindung ist eher krankhaft.

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