Wie gefährlich ist Hautkrebs?

Von Sabine Abel (26. April 2012)

Wer öfter mal einen Sonnenbrand riskiert, hat ein stark erhöhtes Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Foto: PA/dpa

Wenn Hautkrebs im Frühstadium behandelt wird, ist dieser meist problemlos heilbar, betont Prof. Eggert Stockfleth von der Berliner Charité.

Die warmen Sonnenstrahlen im Frühjahr sind verführerisch, die Tische vor den Cafés sind voll besetzt, mancher legt sich schon in Badehose auf die Wiese, um die wohltuende Wärme richtig zu genießen. Mediziner warnen davor, die Wirkung der Frühjahrssonne zu unterschätzen. Sabine Abel sprach mit Prof. Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumorcentrums an der Berliner Charité und Präsident der Europäischen Hautkrebsstiftung, über die möglichen Gefahren.

GESUND: Jetzt im Frühling wird wieder vor übermäßiger Sonnenbestrahlung und der damit verbundenen Hautkrebsgefahr gewarnt. Man denkt erst einmal an den schwarzen Hautkrebs, aber der tritt meist an Körperregionen auf, die im Allgemeinen nicht so stark der Sonne ausgesetzt sind. Wie hängt das zusammen?
Prof. Eggert Stockfleth: Wir wissen heute, dass vor allem Sonnenbrände in früher Kindheit das Risiko für schwarzen Hautkrebs deutlich erhöhen. Weitere Risikofaktoren sind Fälle von schwarzem Hautkrebs in der Familie und mehr als 50 Muttermale. Die Sonnenstrahlung ist außerdem ein wichtiger Risikofaktor für den sogenannten hellen Hautkrebs, der sehr viel häufiger auftritt, aber kaum bekannt ist.

GESUND: Wie schnell entwickelt sich der schwarze Hautkrebs?
Prof. Eggert Stockfleth: Die gute Nachricht ist, dass es dauert. Bevor er richtig gefährlich wird, vergehen etwa zwei Jahre. 80 Prozent aller Melanome kann man durch eine einfache Operation restlos entfernen. Wenn man aber abwartet und der Krebs in die Tiefe wächst und streut, kann man daran sterben. Das Melanom ist der bösartigste Krebs überhaupt beim Menschen. Deshalb sollte man Veränderungen von Muttermalen gleich vom Hautarzt abklären lassen und ansonsten alle zwei Jahre das Hautkrebs-Screening nutzen.

GESUND: Woran sieht man, ob ein Muttermal gefährlich ist?
Prof. Eggert Stockfleth: Anhaltspunkte liefert die ABCD-Regel: A wie Asymmetrie bedeutet: Wenn ich einen Strich durch die Mitte des Mals ziehe, kann ich die beiden Hälften nicht aufeinander spiegeln, sie sind ungleich. B bedeutet Begrenzung, das Pigmentmal ist nicht mehr gleichmäßig rund oder eckig begrenzt, C steht für Colour/Farbe, es ist nicht einheitlich pigmentiert, hat dunkle Anteile und schwarze Anteile, und D steht für Durchmesser, das heißt, es ist größer als 0,5 Zentimeter.

GESUND: Woran erkennt man den hellen Hautkrebs?
Prof. Eggert Stockfleth: Veränderungen an der Haut, die nicht wieder weggehen, wie Knötchen, rötliche, raue Stellen, die eventuell auch bluten, sollte man immer untersuchen lassen.

GESUND: Wie schnell entwickelt sich der helle Hautkrebs?
Prof. Eggert Stockfleth: Der entwickelt sich ganz langsam. Die Frühform ist die sogenannte Aktinische Keratose, die man sehr gut behandeln kann. Der helle Hautkrebs ist etwa zehnmal häufiger als der schwarze Hautkrebs. In etwa drei Prozent der Fälle kann er auch streuen, aber bis es so weit ist, hat sich schon ein sichtbarer großer Tumor entwickelt. Zu 80 Prozent tritt der helle Hautkrebs an den Stellen auf, die häufig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind – Gesicht, Kopf, Hände. Am Rücken oder Bauch entsteht heller Hautkrebs meist, wenn man viele Sonnenbäder genommen hat.

GESUND: Wie wird der helle Hautkrebs behandelt?
Prof. Eggert Stockfleth: Das Frühstadium, die Aktinische Keratose, kann man heute gut mit Creme, Gel oder der Photodynamischen Therapie behandeln. Wenn sich daraus ein Spinaliom, ein Plattenepithelkarzinom bildet, muss operiert werden, um den Krebs zu beseitigen. Die andere Form des hellen Hautkrebs, das Basalzellkarzinom, kann ebenfalls mit Creme, photodynamisch oder operativ behandelt werden. Auch hier gilt: Man sollte mit der Behandlung nicht warten, denn das Basalzellkarzinom kann tief ins Gewebe, sogar bis in den Knochen wachsen. Am besten ist immer, frühzeitig zum Arzt zu gehen. Wenn der Tumor erst einmal operiert werden muss, riskiert man eventuell eine große, sichtbare Narbe.

GESUND: Sollte man gar nicht mehr in die Sonne gehen, um Hautkrebs zu vermeiden?
Prof. Eggert Stockfleth: Ich bin überhaupt nicht gegen die Sonne, sie spielt ja auch eine Rolle bei der Vitamin-D-Bildung. Ich rate nur zu einem richtigen Umgang mit der Sonne: Man sollte einen Sonnenschutz mit hohem Schutzfaktor verwenden, am besten einen medizinischen (liposomalen) Sonnenschutz aus der Apotheke. Außerdem leichte Kleidung tragen, einen Sonnenhut und die Sonnenbrille nicht vergessen. Wenn man zwischen 11 und 15 Uhr die direkte Sonne meidet, vermeidet man schon 75 Prozent der schädigenden Strahlen.

GESUND: Warum ist die Sonnenbank noch schädlicher als die natürliche Sonne?
Prof. Eggert Stockfleth: Sie bekommen dort in zehn Minuten etwa die Strahlung ab, der Sie mittags am Äquator in 20 Minuten ausgesetzt sind. Und niemand würde auf die Idee kommen, sich am Äquator mittags in die Sonne zu legen.

Bild: Wer viele Leberflecken hat, sollte sich regelmäßig untersuchen lassen. Foto: PA/Chromorange

GESUND: Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening, einige Kassen zahlen schon ab 20 Jahren oder noch früher. Ist das sinnvoll?
Prof. Eggert Stockfleth: Das ist absolut sinnvoll, früher trat der helle Hautkrebs vor allem bei alten Menschen auf oder bei Bauern und anderen, die beruflich viel draußen waren. Heute gibt es auch schon Hautkrebsfälle in jungen Jahren. Ab 35 steigt das Risiko allerdings deutlich an. Hochrisiko-Patienten würde ich raten, einmal im Jahr zur Untersuchung zu gehen. Hohes Risiko bedeutet: Es gab bereits Hautkrebsfälle in der Familie, man hat einen hellen Hauttyp, viele Leberflecken und hatte schon viele Sonnenbrände.

GESUND: Sind Hautkrebs-Erkrankungen häufiger geworden oder werden sie durch das Screening nur häufiger festgestellt?
Prof. Eggert Stockfleth: Natürlich stellt man durch das Screening mehr Erkrankungen fest. Aber insgesamt sehen wir eine Zunahme von Hautkrebs-Erkrankungen von fünf bis sieben Prozent pro Jahr in Europa. Und das wird auch noch anhalten. Die Europäische Hautkrebsstiftung hat Projekte für Kindergärten ins Leben gerufen. Wir bringen Kindern bei, richtig mit der Sonne umzugehen, und schulen natürlich auch Erzieher und die Eltern. Wenn das Projekt greift, dann wird in 20, 25 Jahren die Hautkrebsrate zurückgehen.

Informationen:

Hautkrebs-Screening Gesetzlich Krankenversicherte haben ab 35 alle zwei Jahre Anspruch auf eine Vorsorgeuntersuchung auf Hautkrebs. Diese Ganzkörperuntersuchung beim Hautarzt oder Hausarzt soll dazu beitragen, gefährliche Hautveränderungen so früh wie möglich zu erkennen. Da auch immer mehr jüngere Menschen an Hautkrebs erkranken, bezahlen einige Kassen die Untersuchung schon früher, z. B. ab 20 Jahren oder sogar ohne Altersbeschränkung (z. B. Barmer, TK Schleswig-Holstein).

Links Unter www.hautkrebs-screening.de gibt es ausführliche Informationen zum Screening, zum Thema Hautkrebs sowie Tipps zum richtigen Umgang mit der Sonne. Außerdem kann man über die Seite nach einem Arzt in seiner Nähe suchen, der das Hautkrebs-Screening durchführt.
Auf der Internetseite des Hauttumorcentrums der Berliner Charité werden die verschiedenen Formen von Hautkrebs beschrieben, Methoden zur Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten erläutert.
Informationen rund um das Thema Hautkrebs gibt es auch unter www.unserehaut.de

Quellen

Gespräch mit Prof. Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumorcentrums der Charité Berlin, April 2012



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