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Medizin

Erfrierungen auch bei Plusgraden möglich

Von Angelika Sylvia Friedl (7. Februar 2013)

Wenn die Nase weiß und taub wird, kann das auf Erfrierungen hindeuten. Nässe steigert die Gefahr. Foto: Getty

Nässe und Wind erzeugen niedrige Temperaturen auf der Haut. Ohren, Nase, Finger und Füße sind besonders gefährdet. Wie man vorbeugen kann und wie man erste Hilfe leistet.

Kälte kann nicht nur bei tiefen Minusgraden gefährlich werden, sondern auch schon bei wärmeren Temperaturen um die null Grad kann es zu Erfrierungen kommen. Gefährdet sind zum Beispiel Arbeiter im Freien, Wanderer und Skifahrer, Diabeteskranke und Menschen, die zu viel Alkohol getrunken haben. Oder Kinder, die beim Spielen den Frost einfach vergessen.

"Auch bei Plusgraden können Erfrierungen auftreten", warnt der Bergmediziner und Orthopäde Walter Treibel. Weht ein frischer Wind etwa mit der Stärke fünf, empfindet man eine Außentemperatur von Null Grad auf der Haut wie minus 14 Grad Celsius. Auch Nässe steigert die Kälte. Wer zum Beispiel längere Zeit mit nassen Socken und Schuhen unterwegs ist, riskiert abgestorbene Füße auch bei plus fünf Grad. Aufpassen müssen Menschen mit einem geschädigten Nervensystem wie Diabetiker. Sie bemerken die Warnsignale – Blässe, Taubheit und Kälte – oftmals nicht. Aber auch Gesunde ignorieren manchmal taube Finger und kalte Füße.

Gefäße an den Extremitäten ziehen sich zusammen

"Bei großer Kälte versucht der Körper, alle Wärme für die lebenswichtigen Organe zu bewahren. Daher ziehen sich die Gefäße an den Extremitäten zusammen, um das Blut zu den inneren Organen fließen zu lassen", erläutert der Münchener Arzt, der regelmäßig Erfrierungen in seiner Praxis behandelt. Ohren, Nase, Finger und Füße werden dadurch schlechter durchblutet.

Anfangs tun sie weh, es fühlt sich wie Nadelstiche an. Hält die Kälte an, bilden sich in den Zellen Eiskristalle. Dabei klumpen die roten Blutkörperchen zusammen. So werden die betroffenen Extremitäten noch schlechter durchblutet. Irgendwann spürt der Betroffene auch keinen Schmerz mehr, da die Nerven betäubt sind. Das kann gefährlich sein, denn alle Erfrierungen erscheinen zu Beginn nur wie eine leichtere Erfrierung ersten Grades.

Manche Erfrierungen spürt man noch jahrelang

Eine Congelatio, wie der medizinische Fachausdruck für Erfrierungen lautet, wird in drei Schweregrade unterteilt. Beim ersten Grad bleibt die Erfrierung oberflächlich, es gibt noch keine bleibenden Schäden. Die Haut verfärbt sich bläulich-weiß. Wärmt man sich wieder auf, rötet sie sich und fängt an zu jucken. Die Haut kann sich auch bräunlich verfärben und nach ein paar Tagen abblättern.

Beim zweiten Grad einer Erfrierung bilden sich schon Blasen, die oberste Schicht der Haut löst sich ab. Die betroffenen Stellen spürt man unter Umständen noch jahrelang. Sie schmerzen oder fühlen sich taub an, vor allem wenn die Temperatur schnell steigt oder fällt. Fließt überhaupt kein Blut mehr in die erkalteten Köperteile, ist der dritte Grad erreicht. Dann ist das Gewebe in der Tiefe zerstört, die abgestorbenen Stellen verfärben sich nach dem Erwärmen schwarz. Je nach Ausmaß der Schädigung durch Erfrierungen müssen Finger oder Zehen sogar amputiert werden.

Erfrierungen vermeiden:

Bergmediziner Dr. Walter Treibel erläutert, was Erfrierungen begünstigt:

Kleidung Enge Kleidungsstücke oder Schuhe vermindern die Blutzirkulation, vor allem in den besonders gefährdeten Fingern und Zehen. Gefährlich bei großer Kälte ist der Verlust von Handschuhen oder Mützen. Über den Kopf geht besonders viel Körperwärme verloren. Nach dem Zwiebelschalenprinzip anziehen. Die Haut muss trocken und vor Wind geschützt sein.

Trinken Bei Wassermangel verdickt sich das Blut. Die Zirkulation wird gestört und der Sauerstoff kann nur noch schlecht transportiert werden.

Höhenluft Bei geringem Luftdruck in großer Höhe kommt es zu Sauerstoffmangel, der Erfrierungen im Gewebe verursachen kann.

Risiken Weitere Risikofaktoren sind bereits bestehende Durchblutungsstörungen, vorausgegangene Erfrierungen und Rauchen bei Kälte. Nikotin verengt die Blutgefäße im Gewebe stark.
 

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