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Medizin

Leber: Vorsorglich entgiften?

Von Manfred Pantförder (8. März 2012)

Die Leber ist zentrales Organ des Stoffwechsels. Heilpraktiker schätzen bei einer "Leberkur" die Mariendistel (u). Fotos: pa

Das zentrale Organ des Stoffwechsels wird stark beansprucht: Alkohol, Schwermetalle, Chemikalien. Wie die Leber entlastet wird. Und was Entgiften heißt!

Die Leber ist vielfachen Bedrohungen ausgesetzt. Das Organ kann sich zwar immer wieder regenerieren, aber dem sind Grenzen gesetzt. Leberkiller Nummer Eins ist Alkohol. Wer um die Gefahr weiß, kennt sein Limit und beachtet es. Tückisch sind Belastungen durch verschiedene Stoffe, welche die Leber dauerhaft schädigen können. Kann man das Organ durch Fasten und andere Kuren überhaupt entgiften?

Metalle und Chemikalien: Mit Belastungen leben?

Schwermetalle wie Blei und Kupfer aus Wasserleitungen oder Quecksilber aus Zahnfüllungen können in den Körper gelangen. Über tierische und pflanzliche Nahrung können Chemikalien wie Dioxin sowie Pestizide oder Medikamente wie Antibiotika in den menschlichen Organismus geraten. Stets ist die Leber betroffen, denn deren Funktion besteht ja gerade darin, aufgenommene Stoffe zu zerlegen, damit sie aus dem Körper wieder ausgeschieden werden. Ein natürlicher Prozess. Kann von Entgiften dann nur in extremen Notlagen gesprochen werden? Kann die Leber schädliche Stoffe stets aus dem Organismus hinausbefördern? Oder muss man mit bestimmten Belastungen leben?

"Unsere Leber verstoffwechselt eine Vielzahl an Substanzen und entgiftet diese zum Teil auch. Die meisten der entgifteten Substanzen werden dabei über die Galle abgebaut oder so verstoffwechselt, dass sie über die Niere ausgeschieden werden. Eine Anzahl von Stoffen werden auch in der Leber gespeichert, verschiedene Gifte, Metalle und Schwermetalle, aber auch Vitamine", sagt Prof. Claus Niederau, Chefarzt der Inneren Medizin an den Katholischen Kliniken Oberhausen.

Die Fähigkeit der Leber, zu entgiften, ist beschränkt

Weil sie im Fall von Malträtierung lange leise leidet, wird die Leber meist wenig beachtet. Dabei ist die Funktion des Organs einzigartig und dessen Pflege daher vordringlich. "Die Leber hat ein großes Potenzial an Entgiftungsfunktionen und kann viele von den giftigen Substanzen direkt umwandeln, sodass sie keinen großen Schaden anrichten. Die Entgiftungskapazität der Leber ist aber begrenzt, wenn die toxischen Substanzen in zu großer Menge und über eine zu lange Zeit anfluten", sagt Gastroenterologe Niederau, der auch im Vorstand der Deutschen Leberstiftung arbeitet.

Das trifft neben Alkohol in hoher Dosis auf weitere Drogen zu, besonders auf synthetische wie Ecstasy, aber auch auf Medikamente wie Paracetamol, wenn diese hoch dosiert eingenommen werden. Entgiften heißt in diesen Fällen, ein akutes Leberversagen und damit den Tod zu verhindern.  Auch natürliche Stoffe sind gefährlich für die Leber, etwa der Knollenblätterpilz, der die Entgiftungsfähigkeit der Leber dramatisch überfordert und zum Tod führen kann.

Falsche Ernährung, Übergewicht, Mangel an Bewegung

Das Entgiften von Alkohol, Drogen, Medikamenten erfordert eine streng medizinische Behandlung. Wenn aus Sicht der Naturheilkunde von "Leber entgiften" die Rede ist, geht es eher darum, die Leber zu entlasten. Von "Leberkur" spricht etwa Joachim Bernd Vollmer, Heilpraktiker und Autor des Sachbuchs "Die heilsame Leber- und Gallenreinigung" (Knaur MensSana, 2012). Dabei geht es um spezielle Ernährung, um homöopathische Arzneien und begleitende Therapien, die zur Regeneration und Entspannung beitragen sollen. "Alkohol, Medikamente und Umwelteinflüsse können die Leber belasten. Den Hauptanteil machen aber falsche Ernährung, Übergewicht und mangelnde Bewegung aus", resümiert der Buchautor. Hier geht es also um Fürsorge, damit Entgiften gar nicht erst dringlich wird.

Bild: MarienMariendistel mit Samen. Foto: pa/Arcodistel mit Samen: von Heilpraktikern geschätzt. Foto: pa/Arco Images

Dessen Ernährungsempfehlungen decken Aspekte ab, die für die Gesundheit allgemein von Nutzen sind: kein übermäßiges Essen; Fleisch, Fett, Zucker in Maßen; vermehrt Öle mit ungesättigten Fettsäuren bevorzugen, die aus Leinsamen, Raps oder Oliven hergestellt werden. Im Grunde das, was auch als Mittelmeerküche geläufig ist: frisch, ausgewogen, leicht, aromatisch, abwechslungsreich, was nicht nur Leber, Galle und Darm gut bekommt, sondern auch dem Herzen und den Blutgefäßen nutzt.

"Allgemeine Leberentgiftung gibt es nicht"

Gesunde Ernährung ist wesentlicher Teil eines Schutzes, der nicht nur der Leber gilt und quasi Vorsorge wie Fürsorge ist. "Eine sogenannte allgemeine 'Leberreinigung' und 'Leberentgiftung' gibt es bis heute nicht. Man kann höchstens einzelne Substanzen mit spezifischen Therapieformen oder Medikamenten wieder entgiften bzw. aus dem Körper herausbringen. Dazu muss man allerdings wissen, welche Substanzen überhaupt in vermehrter Form gespeichert werden", sagt Prof. Niederau. "In der Naturheilkunde und in Laienkreisen werden unter 'Entgiftungs'-Maßnahmen der Leber häufig Dinge wie Artischockensaft, Mariendistelpräparate oder Heilfasten verstanden. Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, dass diese Maßnahmen die Leber entgiften oder ihr einen Nutzen bringen."

Die mit Abstand wichtigste Maßnahme, um die Leber zu entgiften, sei eine gesunde Lebensweise, also das Fernhalten oder Beseitigen von Schädigungsfaktoren. "Hierzu zählen eine gesunde Ernährung und der vorsichtige Umgang mit Alkohol und Medikamenten."

Folge ungesunder Lebensweise kann die sogenannte Fettleber sein. In dem Organ werden dann in großem Maß Fettzellen gebildet, als Folge von übermäßigem Essen, wenn der Körper zu viele Kohlenhydrate und tierische Fette aufnimmt und diese Energie nicht genutzt wird. Eine Fettleber kann bis zu fünf Kilogramm schwer werden, während ein gesundes Organ rund 1,5 Kilogramm wiegen sollte. Neben Giftstoffen oder Entgiften gibt es also noch wesentliche andere Belastungen der Leber.   

Lebensweise entscheidend für die Lebergesundheit

"Durch die zunehmende Fettleibigkeit in den Industrieländern bzw. durch den oft auch damit einhergehenden Alkoholmissbrauch wird die Leber von Fetten überschwemmt, die dann einen erheblichen Schaden bis hin zur Fettleberzirrhose verursachen können", sagt Niederau. Eine Fettleber kann noch kuriert werden, so noch rechtzeitig eine gesunde Lebensweise angegangen wird, bevor Lebergewebe zerstört ist. Werden Teile des Organs geschädigt, kommt es zur sogenannten Leberfibrose. Diese kann medikamentös behandelt werden. Ist die Leber indes schon stark verhärtet und vernarbt, spricht man von Leberzirrhose. In diesem Stadium funktioniert das Organ nicht mehr ausreichend. Die Leberzirrhose kann nicht geheilt, nur deren Verlauf verlangsamt werden.

Zum Nutzen der Leber wird eine mehr als ausreichende Flüssigkeitszufuhr von täglich mindestens zwei Litern empfohlen. Geeignet sind vor allem Wasser und Kräutertee. Dabei zählt auch Kaffee, so es das Herz zulässt. "Kaffee entfaltet sogar eine schützende Wirkung für die Leber", heißt es im "Leber-Buch", das die Deutsche Leberstiftung herausgibt. Dort heißt es gar: "Patienten, die gerne Kaffee trinken, können ihn also weiterhin genießen, gerne nach dem Motto 'Viel hilft viel'."

Warnsignale: Druck im rechten Oberbauch

Schmerzen Da sich in der Leber keine Nerven befinden, treten keine Schmerzen auf. Erst bei einer erheblichen Schwellung des Organs kann es zu starkem Druck im Oberbauch und dann auch zu einem Schmerzgefühl kommen. Weitere Anzeichen auf eine Lebererkrankung können sein: latente Mattigkeit; Gelbfärbung der Augen; dunkler Urin; sogenannte Lebersternchen, das sind feine, spinnartige Äderchen, die zu sehen sind; außerdem Juckreiz; häufige Blutergüsse; stark gerötete Zunge; fleckige Rötung der Handinnenflächen; weiß verfärbte Nägel; Wassereinlagerung im Gewebe oder Bauch.

Stärkung Um die Funktionsfähigkeit der Leber zu erhalten, gibt es neben maßvollem Essen von tierischem Fett und Kohlenhydraten/Zucker weitere probate Ernährungsmittel. Besonders Bitterstoffe regen die Bildung von Gallenflüssigkeit und damit den Stoffwechsel an, den Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse, Niere und Darm abwickeln. Bitterstoffe stecken in Gemüse wie den verschiedenen Arten Kohl, Spinat, Mangold, Rote Bete, Gurken, Löwenzahn, Ingwer; in Kräutern wie Salbei, Rosmarin, Wermut, Beifuß, Kümmel, Dill und Majoran; in Beeren wie Wacholder, Berberitze; in Getränken wie grüner Tee oder Kaffee.


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Quellen

Gespräch mit Prof. Claus Niederau, Katholische Kliniken Oberhausen, Vorstandsmitglied der Deutschen Leberstiftung, März 2012
Joachim Bernd Vollmer: "Die heilsame Leber- und Gallenreinigung", Knaur MensSana, 2012
Deutsche Leberstiftung (Hrsg.): "Das Leber-Buch", Hannover, 2010






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