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Diabetes Typ 1 früh erkennen

Von Barbara Bückmann (19. November 2015)

Ein Bluttest soll bei Kindern zwischen zwei und fünf Jahren das Risiko für eine Diabetes-Typ-1-Erkrankung zeigen. Foto: Getty Images/Peopleimages

Ein Bluttest kann schon im Kleinkindalter auf eine Frühform des Diabetes Typ 1 hinweisen. Dadurch kann die Erkrankung früher und damit auch besser behandelt werden.

Die Diabetes Typ 1-Rate nimmt weltweit zu. Heilen lässt sich die Autoimmunerkrankung bisher nicht – aber weitaus früher erkennen als gedacht. Damit lässt sie sich früher behandeln und so besser therapieren. Das besagt das Drei-Stadien-Modell, das Wissenschaftler unter Beteiligung des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München entwickelten.

Bislang wird bei 30 Prozent der Patienten die Krankheit Diabetes Typ 1 erst entdeckt, wenn sie mit einer lebensgefährlichen Ketoazidose als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert werden – und das oft bereits im Kindes- und Teenageralter. "Das wollen wir verhindern", sagt der stellvertretende Instituts-Leiter Dr. Peter Achenbach.

Diabetes Typ1: Auto-Antikörper richten sich gegen das Insulin

Denn nun weiß man: Bereits im Kleinkindalter lässt sich feststellen, ob ein Mensch an der Frühform des Diabetes Typ 1 leidet. In Stadium 1 befinden sich bereits spezielle Auto-Antikörper im Blut. Sie richten sich unter anderen gegen Insulin. Bei einer bestimmten Intensität der Auto-Antikörper-Immunreaktion wird das Kind unweigerlich irgendwann erkranken.

Bis Stadium 2 des Diabetes Typ 1 eintritt, kann es bis zu mehreren Jahren dauern. Anzeichen: Der Blutzucker wird dann nicht mehr richtig reguliert. Die Auto-Antikörper stimulieren unter anderem die Bildung von T-Lymphozyten, die allmählich die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören. Die stellen das für das Senken des Blutzuckers nötige Insulin her. In Stadium 3 wird so gut wie kein Insulin mehr produziert, die Krankheit ist ausgebrochen.

Bei frühzeitiger Behandlung ist weniger Insulin nötig 

Früh mit der Behandlung zu beginnen, hat Vorteile: "Wenn man in Stadium 2 – noch ohne Krankheitssymptome – beginnt, ein wenig Insulin zu geben, werden die verbliebenen Beta-Zellen geschont. Sie können dann mitunter noch lange Zeit nach Ausbruch der Krankheit kleine Mengen eigenen Insulins produzieren", so Achenbach. Dadurch lässt sich der Blutzucker besser einstellen und es ist weniger fremdes Insulin nötig. Wer weniger Insulin spritzen muss, erleidet seltener gefährliche Unterzuckerungen. Und ein gut eingestellter Zucker verringert die sonst drohenden Gefäßschäden. Forscher der Uniklinik Mainz fanden frühe Formen der dadurch verursachten Netzhautdefekte bereits bei Menschen, die von ihrer Diabetes-Typ-1-Erkrankung bis dahin noch gar nichts wussten.

Die Gruppe der Kleinkinder, bei denen eine Diabetes-Typ-1-Früherkennung sinnvoll wäre, lässt sich allerdings nicht eingrenzen. "Es müssten alle getestet werden", räumt Achenbach ein. Ein erhöhtes Risiko haben diejenigen, bei denen bereits Familienmitglieder ersten oder zweiten Grades an Diabetes Typ 1 leiden. Doch diese Gruppe macht nur einen kleinen Anteil der Patienten aus. Etwa 90 Prozent ereilt die Krankheit "wie aus heiterem Himmel".

Diabetes-Typ-1-Früherkennung wird an 100.000 Kindern erprobt

In der FR1da-Studie erproben die Forscher nun den Nutzen des Stufen-Modells: 100.000 bayerischen Kindern von zwei bis fünf Jahren wird bei einer Kinderarzt-Untersuchung mit einem Pieks in die Fingerspitze Blut abgenommen. Zeigt sich Stadium 1 oder 2, werden die Eltern geschult, auf Krankheitssymptome zu achten. Die Kinder werden dann alle sechs oder zwölf Monate nachuntersucht, um Stadium 3 des Diabetes Typ 1 frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. So werden Ketoazidosen verhindert. Und: "Die Aufklärung soll Ängste nehmen, die Familie kann sich auf die Erkrankung und ihre Handhabung vorbereiten", so Achenbach.

Lässt sich der Ausbruch des Diabetes Typ 1 verhindern?

Gleichzeitig hoffen Mediziner, auf Basis der frühen Diagnose den Ausbruch der Krankheit irgendwann verhindern zu können. Getestet wird derzeit eine Schluckimpfung. Durch die tägliche Einnahme von Insulin soll das Immunsystem in Stadium 1 eine Toleranz gegenüber dem körpereigenen Hormon entwickeln. Bei jüngeren Kindern verzögerte das bereits das Fortschreiten der Krankheit.

Bestimmte genetische Konstellationen begünstigen die Diabetes-Typ-1-Erkrankung, doch auch die äußeren Lebensbedingungen müssen als Auslöser eine Rolle spielen. "Die Finnen haben die höchste Inzidenzrate; im benachbarten russischen Karelien, eine genetisch eng verwandte Bevölkerung, ist die Rate dagegen viel niedriger", so Achenbach. Käme man den Umweltfaktoren auf die Spur, ließen sich mögliche Krankheitsursachen vermeiden. Einfluss hat eventuell die Darmflora, die in den ersten Lebenswochen das Immunsystem trainiert. Mehr versuchen deutsche Forscher derzeit in der Teddy-Studie herauszufinden, in der sie seit mehr als zehn Jahren Kinder mit einem erblichen Diabetes-Typ-1-Risiko untersuchen.

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Quellen

Gespräch mit Dr. Peter Achenbach, stellvertretender Leiter des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, November 2015


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