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Medizin

Früherkennung: Für und wider Darmspiegelung

Von Angelika Sylvia Friedl (20. Februar 2013)

Bei der Darmspiegelung lassen sich die meisten der Untersuchten eine Beruhigungsspritze geben. Foto: pa/Chromorange

Frühe Diagnose, gute Aussichten auf Heilung: Das ist die Devise von Medizinern im Kampf gegen Darmkrebs. Was Koloskopie und andere Untersuchungsmethoden zur Früherkennung leisten können.

Darmkrebs gehört nicht zu den seltenen Tumorerkrankungen. Jedes Jahr erhalten in Deutschland etwa 70.000 Menschen die Diagnose Dickdarmkrebs, so das Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen. Mehr als die Hälfte der Erkrankten hat das 70. Lebensjahr schon überschritten. Etwa 10 Prozent der Betroffenen sind jünger als 55 Jahre.

"Ab 50 ist die Früherkennung unbedingt zu empfehlen", sagt Hermann Brenner, Leiter der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). "Bei besonderen Risikogruppen, z.B. bei Verwandten ersten Grades von Darmkrebspatienten, sollte sie auch schon in jüngerem Alter erfolgen, weil diese häufiger und früher Vorstufen eines Darmkrebs entwickeln und häufiger erkranken".
Doch welche der Methoden ist am sichersten und am besten geeignet, Krebs auch aufzuspüren? "Am zuverlässigsten ist die Darmspiegelung. Damit lässt sich zu fast 100 Prozent ein Krebs bzw. eine Vorstufe erkennen", sagt Brenner.

Nachteile der Blutuntersuchung

Weniger gut sind die Daten für Stuhluntersuchungen. Sie sollen Darmkrebs aufspüren, da Tumore und Polypen manchmal bluten. Sehr verbreitet sind hierbei noch immer chemische Tests wie etwa Hämoccult, die von den Krankenkassen angeboten werden. Wer seine erbsengroße Stuhlprobe im Briefchen oder in der Röhre zum Arzt trägt, sollte aber den Ergebnissen nicht allzu sehr vertrauen. Auch wenn der Test negativ ausfällt, kann man trotzdem Darmkrebs haben. Das passiert statistisch gesehen einem von tausend untersuchten Menschen zwischen 50 und 59 Jahren, wie eine Studienauswertung der Universität Hamburg ergeben hat. Noch höher fällt die falsch negative Rate in der Altersgruppe zwischen 60 und 79 Jahren aus. Hier haben zehn von tausend Untersuchten Krebs, obwohl sich der Teststreifen nicht verfärbt hatte.

Der Grund der hohen Fehlerquote dieser Untersuchungsmethode: Bestimmte Lebensmittel, die Blut enthalten, wie etwa Fleisch, eisenhaltige Präparate, aber auch Gemüse wie Blumenkohl und Radieschen können die Untersuchung verfälschen. Ebenso wie Medikamente, die mitunter auch falsche Ergebnisse liefern.

Als unzuverlässig erweist sich die Stuhlprobe aber auch im Hinblick auf positiv-falsche Ergebnisse. Hier waren 900 von tausend Menschen im Alter von 50 bis 59 Jahren gesund, obwohl der Stuhltest Blut anzeigte. Bei den Untersuchten im Alter zwischen 60 und 79 Jahren waren es 700 von Tausend.

Meinung: Mehr Chance als Risiko

Von Manfred Pantförder

Statistik hin, Statistik her: Die Sorge um die eigene Gesundheit wird eher nicht von Zahlen aus Kosten-Nutzen-Rechnungen bestimmt, sondern vom Bauchgefühl.

Das gilt im Besonderen für Krebsuntersuchungen, dem angstbesetzten Teil der medizinischen Kontrolle. Viele Menschen, die zum Kreis derer zählen, die sich checken lassen sollten, reklamieren für sich ein Recht auf Nichtwissen.

Das ist legitim, denn Fragen der Gesundheit unterliegen der individuellen Risikoabschätzung sowie genetischer Prägung. Gesundheit oder Krankheit sind für den Einzelnen nicht berechenbare Größen. Der Körper ist kein Motor, der zur Inspektion und Reparatur gegeben werden kann. Daher verhallen auch Appelle wie die zur Darmkrebsfrüherkennung vielfach, so wohlmeinend sie auch formuliert sind.

Auch nach mehr als zehn Jahren ist die Teilnahme an der Darmspiegelung vergleichsweise gering, vor allem bei Männern. Es ist offenbar noch immer nicht gelungen, die Chancen sichtbar zu machen, die in einer erprobten und weitgehend risikolosen Untersuchung wie der Koloskopie liegen können.

Vielleicht muss die Ermunterung zu einer rechtzeitigen Darmspiegelung eingebettet werden in eine umfassende Aufklärung darüber, dass Gesundheitsfürsorge nicht erst beginnt, wenn der Schmerz einsetzt. Das gilt nicht erst für jenes Alter, in dem Krankenkassen die Koloskopie bezahlen.

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