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Brustverkleinerung: Befreit von einer Last

Von Katrin Wilcken (5. Juni 2014)

Die Brustverkleinerung wird von Frauen mit sehr großen Brüsten häufig als Befreiung empfunden. Viele haben zuvor lange Zeit körperliche und seelische Leiden ertragen. Foto: Getty/B2M

Schmerzen und Hautprobleme sind Gründe für eine Brustverkleinerung. Der Leidensdruck sei oft enorm, sagen Experten.

Volle Brüste sind ein klassisches Symbol für Weiblichkeit. Sie stehen für Fruchtbarkeit, strahlen sexuelle Attraktivität aus, gelten als Schönheitsideal. Doch große und schwere Brüste können für ihre Trägerinnen auch zur körperlichen und seelischen Last werden – so sehr, dass eine chirurgische Brustverkleinerung, eine "Mammareduktion" oder "Reduktions-Mammaplastik", notwendig wird.

Brustverkleinerung nach Rückenschmerzen

Kopf- und Rückenschmerzen, Verspannungen im Bereich von Schultern, Hals und Nacken, Schmerzen durch einschneidende BH-Träger sowie Hautprobleme unter der Brust wie zum Beispiel Entzündungen oder Ekzeme gehören zu den häufigsten körperlichen Beschwerden. Manche der Frauen, die sich zur Brustverkleinerung entschließen, nehmen unbewusst eine gekrümmte Haltung ein, um die Oberweite zu verbergen, was auf Dauer zu Schmerzen führt. Die Einschränkungen in der Wahl passender Kleidung und möglicher sportlicher Aktivitäten setzt etlichen Frauen psychisch ebenso zu, wie unpassende Reaktionen ihrer Umwelt und die Unzufriedenheit mit dem eigenen Äußeren.

"Niemand entscheidet sich leichtfertig zur Brustverkleinerung"

"Eine Brustverkleinerung wird von den betroffenen Frauen in der Regel als große Befreiung empfunden", sagt Prof. Dr. med. Jutta Liebau. Sie ist Chefärztin der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf. Mammareduktionen stehen hier beinahe täglich auf dem OP-Plan. Liebau weiß: "Keine Frau entschließt sich leichtfertig zu diesem körperformenden Eingriff. Aber der Leidensdruck ist oft enorm." Insgesamt nehme der Anteil an Brustverkleinerungen zu. Liebau beobachtet: "Die gesellschaftliche Toleranz und Akzeptanz für die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit brustverkleinernder Eingriffe wächst."

Einer der häufigsten ästhetisch-plastischen Eingriffe

Verkleinerungen und Straffungen der Brüste, aus medizinischen und ästhetischen Gründen, liegen in ihrer Gesamtzahl auf Rang drei der häufigsten ästhetisch-plastischen Eingriffe in Deutschland. Häufiger werden nur ästhetisch motivierte Brustvergrößerungen durchgeführt sowie Lidstraffungen. Dies besagen die aktuellen Zahlen der "Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen" (DGPRÄC), deren Präsidentin Prof. Jutta Liebau ist.

Bei einer Mammareduktion entfernt der Chirurg Haut-, Fett- und Drüsengewebe aus der unteren Brust, formt den Drüsenkörper neu und versetzt die Brustwarze samt Nerven und Blutgefäßen. Die Brustverkleinerung unter Vollnarkose dauert mehrere Stunden und wird in der Regel stationär durchgeführt, mit mehreren Tagen Klinikaufenthalt im Anschluss. Es gibt unterschiedliche Operationstechniken, die sich vor allem durch die Schnittführung unterscheiden. Welche Methode angewandt wird, hängt wesentlich von den individuellen körperlichen Voraussetzungen ab.

Brustverkleinerung hinterlässt meist sichtbare Narben

Zu den Risiken einer Brustverkleinerung gehören neben generellen Narkose-Risiken und Wundheilungsstörungen die mögliche spätere Unempfindlichkeit der Brustwarze und eventuelle Probleme beim Stillen. Sichtbare Narben bleiben in jedem Fall rund um die Brustwarzen, außerdem meist in der Falte unter der Brust. In manchen Fällen wird – je nach OP-Technik – ein Schnitt von der Brustwarze nach unten nötig, der ebenfalls eine Narbe hinterlässt. "Doch die Narben sind für die Frauen fast nie ein Thema", ist die Erfahrung von Prof. Jutta Liebau. "Das körperliche Wohlbefinden steigt im allgemeinen so stark, dass Länge oder Sichtbarkeit von Narben völlig zweitrangig sind."

Studie bestätigt verbessertes Körpergefühl

Eine neue Studie an der Universität von Ohio bestätigt die beobachtete Verbesserung des Körpergefühls: Forscher um die Plastische Chirurgin Michelle Coriddi belegten, dass Frauen nach der Operation viel zufriedener waren mit dem Aussehen der Brust, aber auch mit ihrem körperlichen, seelischen und sexuellen Wohlbefinden. Ihr Bewegungsradius hatte sich vergrößert, Rückenschmerzen und Nackenverspannungen waren weg, die Frauen schliefen besser. Diese Verbesserungen traten auch bei Frauen ein, denen verhältnismäßig wenig Gewebe entfernt worden war, also weniger als 250 Gramm.

Brustverkleinerung um mindestens 400 Gramm

Hierzulande gilt als eine Faustregel zur Beurteilung der medizinischen Notwendigkeit einer Verkleinerung, dass die Brüste jeweils um mindestens 400 Gramm, manchmal auch 500 Gramm verkleinert werden müssten. Diese Notwendigkeit muss erkennbar sein, damit die Krankenkassen die etwa 5000 bis 7000 Euro für eine Mammareduktion übernehmen.

Die wichtigsten Beurteilungsgrundlagen sind die Folgen für den Halteapparat, die Haut und die Psyche der Betroffenen. "Die gesetzlichen Kassen richten sich nach dem Sozialgesetzbuch, § 12. Demnach müssen ihre Leistungen ,ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich' sein", erklärt Ann Marini vom GKV-Spitzenverband. "Das schließt reine Schönheitsoperationen aus und bedeutet natürlich, dass jeder Fall einer Brustverkleinerung individuell angeschaut und beurteilt werden muss.

Die Brust verändert sich durch Schwangerschaft und Wechseljahre

Eine Brustverkleinerung kann prinzipiell in jedem Alter durchgeführt werden. Da idealerweise Körperwachstum und Entwicklung der Brüste abgeschlossen sein sollten, kommen Verkleinerungen aber nur in Ausnahmefällen vor dem 18. Lebensjahr infrage. Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren wirken sich auch auf die Größe der Brust aus. Viele Frauen warten lieber mit einem Eingriff, bis sie ihre Familienplanung abgeschlossen haben, weil sie fürchten, nach der Operation nicht mehr stillen zu können.

Einer Brustoperation geht häufig eine lange Krankengeschichte mit Schmerzen und Haltungsschäden, Komplexen und psychischen Problemen voraus. Prof. Liebau stellt fest: "Auch ältere Frauen ziehen zunehmend häufig eine Brustverkleinerung in Betracht." Im Durchschnitt sind ihre Patientinnen etwa 40 Jahre alt. Doch egal, in welcher Lebensphase – die Mammareduktion bedeutet fast immer die Befreiung von einer erheblichen Belastung.

Info: Arzt-Suche

Qualifikation Jeder Arzt kann sich "Schönheitschirurg" oder auch "Kosmetischer Chirurg" nennen. Die Bezeichnung "Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie" dagegen besagt, dass ein Arzt  die sechsjährige Facharztausbildung absolviert hat und mehr als 1000 selbstständig durchgeführte Operationen vorweisen kann. Eine Brustverkleinerung ist ein chirurgischer Eingriff, der neben Qualifikation und Erfahrung auch ein Gefühl für Ästhetik verlangt. Daher empfehlen Experten, sie möglichst von einem Facharzt durchführen zu lassen, der sich auf das Gebiet der Brustchirurgie spezialisiert hat. Da bei einer Brustverkleinerung mehrere Beratungs- und Vorgespräche nötig sind, ist ein Spezialist in Wohnortnähe eine sinnvolle Wahl.


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Quellen

Gespräch mit Prof. Jutta Liebau, Chefärztin Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Florence-Nightingale-Krankenhaus, Düsseldorf, Mai 2014
Gespräch mit Ann Marini, GKV-Spitzenverband, Berlin, Mai 2014
Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen: www.dgpraec.de
Coriddi, M. et al.: Analysis of satisfaction and well-being following breast reduction using a validated survey instrument: the BREAST-Q. Plast Reconstr Surg. 2013 Aug;132(2):285-90.
Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC): www.vdaepc.de


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