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Neue Indikation für Botox bei Migräne

Von Sabine Abel (6. August 2013)

Chronische Migräne ist für die Betroffenen sehr belastend. Eine Botox-Behandlung kann helfen. Foto: Getty Images/Dazeley

Studie zeigt: Auch Patienten, die an Kopfschmerzen durch Schmerzmittel-Übergebrauch leiden, kann geholfen werden. Behandlung mit Botox verringert Schmerztage und Schmerzintensität.

Der Giftstoff Botulinumtoxin (kurz: Botox, im Allgemeinen hauptsächlich bekannt als Anti-Falten-Mittel) ist seit einiger Zeit zugelassen für die Behandlung chronischer Migräne. Ausgeschlossen von der Behandlung waren bislang ausdrücklich Patienten, die unter chronischen Kopfschmerzen aufgrund von Medikamenten-Übergebrauch leiden. Eine neue Untersuchung ergab jetzt, dass auch diese Migräne-Patienten durch Botox eine Besserung ihrer Beschwerden erwarten können.

Eine chronische Migräne wird diagnostiziert, wenn mindestens seit drei Monaten an mindestens 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen auftreten, davon an mehr als sieben Tagen migräneartige Kopfschmerzen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie leiden in Deutschland fast eine Million Menschen unter chronischer Migräne. Bei vielen Betroffenen stellen die Ärzte einen Medikamentenübergebrauch fest, das heißt, sie nehmen an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel ein.

Jetzt wurde eine weitere Analyse von Daten der PREEMPT-Studien veröffentlicht. In diesen Studien wurde Botox im Vergleich zu Placebo bei der Behandlung von chronischer Migräne vor der Zulassung getestet. Jetzt betrachteten US-amerikanische und deutsche Forscher die Ergebnisse bei Studienteilnehmern mit Medikamentenübergebrauch. Die Patienten erhielten entweder Botox-Injektionen an 31 Stellen an Kopf und Nacken oder Injektionen mit einem Scheinmedikament.

Mit Botox 8,2 Migräne-Tage weniger im Monat

Nach 24 Wochen stellten die Wissenschaftler einen deutlichen Unterschied fest: Die mit Botox behandelten Patienten hatten im Schnitt 8,2 Kopfschmerztage weniger im Monat als vorher, bei den mit Placebo Behandelten waren es 6,2 Tage weniger. Außerdem gaben die Botox-Patienten weitere Verbesserungen an: Die Migräne-Episoden waren seltener, die Kopfschmerzen waren weniger stark, an Migräne-Tagen litten sie weniger Stunden unter den Beschwerden, die Einschränkungen durch die Kopfschmerzen im täglichen Leben hatten abgenommen.

"Dieses Resultat wird die gängige Praxis bei dieser schwierig zu behandelnden Kopfschmerzform verändern", betont Prof. Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), einer der Studien-Autoren. Bisher waren Mediziner davon ausgegangen, dass eine  Migräne-Prophylaxe-Behandlung bei Patienten mit Medikamentenübergebrauch erst nach einem Medikamentenentzug sinnvoll ist, weil die Prophylaxe sonst nicht wirkt. Nun zeigten die Studienergebnisse, dass Patienten auch auf eine Botox-Behandlung ansprechen, wenn sie einen Übergebrauch an Triptanen oder anderen Schmerzmitteln haben, so Prof. Diener. "Jetzt wissen wir: Vorbeugung wirkt auch ohne Entzug und führt automatisch zu einer Reduktion des Schmerzmittelgebrauchs", sagt Prof. Andreas Straube von der Neurologischen Klinik der Universität München, Präsident der deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Die Experten empfehlen aufgrund der neuen Ergebnisse für Patienten mit chronischer Migräne und Medikamentenübergebrauch zunächst eine Beratung zur Bedeutung einer übermäßigen Schmerzmitteleinnahme, um das Problembewusstsein zu schärfen und den Arzneimittelgebrauch zu verringern. Unabhängig von dieser Beratung sollte eine Behandlung mit Botulinumtoxin oder dem Wirkstoff Topiramat erfolgen. In den Kliniken beider Neurologen in Essen und München habe man den Therapieplan bereits entsprechend angepasst, heißt es in einer Mitteilung.

Patienten, die medikamentenabhängig sind oder häufig Opioide oder Barbiturate einnehmen, waren von der Studie ausgeschlossen. Für sie wird weiterhin als erste Maßnahme ein Medikamenten-Entzug in einer Klinik empfohlen.


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Quellen

Stephen D. Silberstein et al.: "OnabotulinumtoxinA for treatment of chronic migraine: PREEMPT 24-week pooled subgroup analysis of patients who had acute headache medication overuse at baseline",Journal of the Neurological Sciences, Volume 331, Issue 1, doi:10.1016/j.jns.2013.05.003
Hans-Christoph Diener: "Important Treatment Data in Chronic Migraine", Medscape Neurology, 26. Juli 2013
Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Mitteilung zu Botulinumtoxin, 31. Juli 2013


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