Anzeige

Anzeige

Blutegel mit besserer Saugkraft

dpa/mv (11. Oktober 2013)

Die medizinischen Blutegel werden in Labors gezüchtet. Foto: pa/dpa-Report

Blutegel werden der Naturheilkunde zur Therapie eingesetzt. Wissenschaftler der Universität Greifswald haben herausgefunden, dass sie beim Saugen mehr Substanzen freisetzen als bisher angenommen.

Blutegel haben mehr Speicheldrüsenzellen als bislang angenommen und damit ein größeres Reservoir an potenziellen Heilsubstanzen für den Menschen, behauptet die Zoologin Sarah Lemke von der Universität Greifswald. Sie hat nachgewiesen, dass Blutegel rund 40.000 Speicheldrüsenzellen besitzen, deren Inhalt während des Saugaktes vollständig entleert wird. Bislang war die Forschung von rund 2000 dieser Vorratsbehälter im Blutegel (Hirudo medicinalis) ausgegangen.

Die Greifswalder Wissenschaftler vermuten, dass mit dem Saugakt rund 20 verschiedene Speichelproteine in einer solch hohen Konzentration in den Körper des Wirtes gegeben werden, dass sie eine therapeutische Wirkung entfalten könnten. Ihre Studie haben sie bereits publiziert.

1,2 Milligramm Blutegel-Proteine gelangen in den Körper

Jede einzelne Speicheldrüse habe ein Volumen von 67.000 Kubikmikrometer, was etwa dem 50/1000 eines Stecknadelkopfes entspreche, sagte der Professor für Tierphysiologie, Jan-Peter Hildebrandt. Insgesamt würde bei jedem Saugakt des Egels durchschnittlich eine Menge von 1,2 Milligramm Proteine in die Wunde des Wirtes injiziert. "Wenn große Anteile der injizierten Speichelproteine sich im Kreislaufsystem des Patienten verteilen, gelangen mehr als zwanzig verschiedene Speichelproteine mit Konzentrationen zwischen 3 und 236 pmol/l in den Körper."

Weitere Forschung soll Wirksamkeit des Blutegel-Speichels nachweisen

Bislang seien nur von einem einzigen Protein, dem Thrombin-Inhibitor Hirudin, das in der Medizin als Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung eingesetzt wird, exakte Daten zu wirksamen Konzentrationen bekannt. Danach genügten 1 pmol/l (Pikomol pro Liter) Hirudin, um eine hemmende Wirkung auf den Blutgerinnungsfaktor Thrombin auszuüben. Aus den Daten könne geschlossen werden, dass auch die anderen 20 bislang noch nicht näher bestimmten Inhaltsstoffe in wirksamen Konzentrationen in den Körper des Patienten gelangten.

Weitere Forschungsarbeiten sollen sich nun mit einer Identifizierung dieser unterschiedlichen Speichel-Substanzen befassen. "Damit wollen wir feststellen, welche Zielmoleküle im menschlichen Körper durch die Egel-Speichelproteine erkannt und möglicherweise in ihrer Funktion verändert werden können", teilte die Universität mit. Die Forscher vermuten neben anderen blutgerinnungshemmenden Inhaltsstoffen auch solche mit antimikrobieller und anästhetischer Wirkung. (siehe auch GESUND-Reportage über den Blutegel-Züchter Detlef Menzel)


Lesen Sie auch

Weitere Beiträge zum Thema Naturheilkunde

Quellen

"May Salivary Gland Secretory Proteins from Hematophagous Leeches (Hiruda verbana) Reach Pharmacologically Relevant Concentrations in the Vertebrate Host?" von Sarah Lemke und anderen, in Plosone, 18.September 2013
"Hilft eine Blutegeltherapie tatsächlich? Greifswalder Forscher testen Speichel von Egeln", iwd - Informationsdienst der Wissenschaft, 9.10.2013


Apotheken-Notdienst

Anzeige