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Medizin

Schutz vor zu vielen Arzneimitteln

Von Sabine Abel (12. April 2012)

Wer viele verschiedene Medikamente einnehmen muss, riskiert vermehrte Nebenwirkungen. Foto: PA

Wer mehrere Arzneimittel einnimmt, leidet oft verstärkt an Neben- und Wechselwirkungen. Dr. Guido Schmiemann empfiehlt zur besseren Übersicht einen Medikamentenplan

Dr. Guido Schmiemann  ist Hausarzt, wiss. Mitarbeiter in der Abt. Versorgungsforschung am Institut für Public Health der Universität Bremen und Sektions-Sprecher Qualitätsförderung bei der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Dr. Guido SchmiemannGESUND: Gerade ältere Patienten nehmen häufig viele verschiedene Medikamente ein. Ab wann wird es gefährlich?
Dr. Guido Schmiemann:  Eine absolute Grenze gibt es nicht, die möglichen Nebenwirkungen werden ja durch die einzelnen Wirkstoffe bestimmt. Man geht davon aus, dass man bei bis zu fünf Wirkstoffen pro Tag die Nebenwirkungen und Wechselwirkungen noch kontrollieren kann. Mit jedem Medikament nimmt das Risiko aber exponentiell zu. Bei Patienten mit mehreren chronischen Erkrankungen ist die Summe der Verordnungen durch verschiedene Fachärzte schnell viel höher. Bei 12 Substanzen zum Beispiel kann niemand mehr sicher sagen, welche Wechselwirkungen entstehen und was noch wirkt.

GESUND: Wie kann man gegensteuern?
Dr. Schmiemann: Man braucht jemanden, der das Ganze koordiniert und überprüft, ob die Medikamente sich miteinander vertragen. Das ist meist der Hausarzt. Es ist sogar eine häufige hausärztliche Aufgabe geworden, für einen Schutz vor zu vielen Medikamenten zu sorgen.

GESUND: Kann die Priscus-Liste hier eine Hilfestellung sein?
Dr. Schmiemann: In der jetzigen Form noch nicht. Eine gekürzte Version, die dem Arzt im Alltag Hilfestellung geben kann, wird zurzeit erst entwickelt. Ich empfehle eine andere Herangehensweise: Der Hausarzt sollte mit dem Patienten einen Medikamentenplan aufstellen, in dem alle Mittel, die dieser einnimmt, verzeichnet sind – auch frei verkäufliche Arzneien und Nahrungsergänzungsmittel. Jedes Mal, wenn etwas dazu kommt, sollte der Patient den Arzt darauf hinweisen und es sollte geprüft werden: Wie verträgt sich das mit den bisherigen Medikamenten?


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Quellen

Gespräch mit Dr. Guido Schmiemann, Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, April 2012






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