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Medizin

Weniger Alkohol trinken: Alles unter Kontrolle?

Von Angelika Friedl (9. Januar 2013)

Der Vorsatz, weniger zu trinken, wird oft nach kurzer Zeit fallen gelassen. Foto: getty/

Jeder fünfte Deutsche trinkt Bier, Wein oder Schnaps in Mengen, die nach Ansicht der Ärzte der Gesundheit erheblich schaden. Statt auf Alkohol-Abstinenz setzten neue Therapien auf kontrollierten Konsum.

Bislang galt das eherne Gesetz: Wer alkoholabhängig ist, muss lebenslang abstinent bleiben. Diese Überzeugung ändert sich langsam. Ein möglicher Weg, besser mit der Droge Alkohol umzugehen, könnte ein reduzierter Konsum sein.

Eine Ursache des Meinungswandels ist das ineffiziente Behandlungssystem: "Wir erreichen nur etwa zehn Prozent der Abhängigen, in der Regel sind das Schwerstabhängige", kritisiert Peter Degkwitz vom Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung an der Universität Hamburg. Doch der Alkoholkonsum einer großen Anzahl von Menschen hat bedenkliche Ausmaße erreicht. Etwa ein Fünftel der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland trinken zuviel, sagt das Neue Jahrbuch Sucht 2012 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Bei den Männern sind es sogar 32 Prozent. Viele können sich nicht vorstellen, gänzlich auf Bier und Wein zu verzichten. Einige sehen sich nicht als "Alki" und machen einen großen Bogen um Suchtberatungsstellen.

Gute Vorsätze werden oft nach einigen Wochen vergessen

Es klappt aber nicht, sich nur einfach vorzunehmen, weniger zu trinken. Die guten Vorsätze – gerade am Beginn des neuen Jahres - sind meist nach einigen Wochen vergessen. "Sie allein reichen für die Änderung des Trinkverhaltens oft nicht aus, vor allem dann, wenn die Trinkgewohnheiten sich über viele Jahre verfestigt haben", sagt Christoph Straub von der GK Quest Akademie, einem Fortbildungs- und Beratungsinstitut, das unter anderem Fachkräfte für das Therapieprogramm Kontrolliertes Trinken ausbildet. Hier plant man vorher genau, wie viel, wann und bei welchen Gelegenheiten man alkoholische Getränke einnehmen will.

Tages- und Wochengrenzen vorher planen

"Ich plane alkoholfreie Tage und Höchstgrenzen für den maximalen Tages- und Wochenkonsum", erläutert Therapeut Straub die Regeln. "Wenn ich mich so selbst festgelegt habe, überlege ich mir auch, wie ich diese Ziele erreichen kann. Ich hüte mich z.B. vor Situationen, in denen ich häufig zu viel getrunken habe, plane meine Freizeit und suche mir Unterstützung von Freunden..."

Ein wesentliches Element der Therapie ist das sogenannte Trinktagebuch. Damit kann man unter anderem überblicken, wie viel insgesamt in einer Woche getrunken wurde, an welchem Tag der meiste Alkohol floss, ob es Trinkauslöser gab und ob man aus reiner Gewohnheit trinkt. Zum Programm gehören Grundinformationen über Alkohol – zum Beispiel darüber, wie viel Alkohol in einzelnen Getränken enthalten ist, wie schnell der Alkohol im Körper abgebaut wird und wie man es schafft, realistische Ziele festzulegen. Die Teilnehmer sollen ebenfalls lernen, mit den gefährlichen Situationen umzugehen, in denen vielleicht ein "Ausrutscher" droht.

Warum Rückfälle nicht unbedingt ein Drama sind

Auch Rückfälle sind nicht unbedingt ein Drama, weil jeder für sich selber definieren muss, was ein Rückfall ist. Für den einen ist er bereits eingetreten, wenn er sein Tagebuch nicht führt, für den andern dann, wenn er oder sie ein Glas mehr trinkt als geplant. "Rückfälle stellen auch Möglichkeiten zum Lernen dar. Es geht darum, aufmerksam mit sich umzugehen und seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren", sagt Christoph Straub.

Die Therapie orientiert sich sehr am Patienten. Dieser überprüft selbst, ob er seiner Ansicht nach zu viel oder noch im "normalen Rahmen" trinkt und ob es für ihn überhaupt möglich ist, kontrolliertes Trinken zu erlernen. Die Methoden der Behandlung stammen aus der Verhaltenstherapie. Es gibt sie als 10-Schritte-Programm zum Selbstlernen und als Einzel- und Gruppenprogramm mit therapeutischer Begleitung.

Meinung: Fröhlich am Abgrund

GESUND-Redakteur Christian Seel

Von Christian Seel

"Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren." – "Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils." Die deutsche Trinkkultur kennt viele solcher Aphorismen, die das Unbehagen über den eigenen Alkoholkonsum mit fröhlichen Reimen zu vertreiben versuchen. Denn im Grunde steht jedem Gewohnheitstrinker der Abgrund wohl vor Augen, in den zu stürzen droht, wer die Grenze zwischen Genuss und Missbrauch überschreitet.

Diese Grenze zu finden und einzuhalten, ist dennoch nicht einfach. Man kann, man muss es lernen. Nicht nur beim Umgang mit Wein, Bier und Schnaps, sondern mit vielen Verlockungen, die eine freizügige Gesellschaft bereithält. Nicht alle Süchte haben so schwerwiegende gesundheitliche Folgen wie Alkohol, Tabak und Tablettenmissbrauch, doch auch bei Spiel- oder Internetsucht kann der soziale Absturz vergleichbar sein.

Wer Menschen dagegen wappnen will, kann nicht auf Verbote setzten, die ohnehin kaum durchsetzbar wären. Vorbeugen lässt sich mit Aufklärung, mit der Anleitung zum verantwortungsvollen Umgang. Nur wer sich selbst in seinem problematischen Verhalten erkennt, kann die Gefahr vermeiden. "Am Rausch", sagt ein fernöstliches Sprichwort, "ist nicht der Wein schuld, sondern der Trinker."

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