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Tee - Wohltat in Schwangerschaft und Stillzeit

Von Sylke Heun (10. Januar 2013)

Nicht jeder Kräuter-Tee ist als Getränk in der Schwangerschaft geeignet. Foto: Getty Images/Blend Images

Kräuter-Tees können Beschwerden in der Schwangerschaft und Stillzeit lindern. Doch sie sind nicht immer unbedenklich und können überdosiert unangenehme Folgen haben.

Eines muss einer Frau, die Mutter werden will, unbedingt vorher gesagt werden: Die Schwangerschafts- und Stillmonate sind nicht gerade die Zeit ausschweifender Partys voller Genussmittel. Alkohol, Nikotin, Rauschmittel aller Art – verboten! Außerdem vor der Geburt kein roher Fisch, kein rohes Fleisch, kein Rohmilchkäse. Kaffee sollte bis zum Abstillen nur stark eingeschränkt getrunken werden. Ein kleiner Trost: Wenigstens Tee ist erlaubt. Und damit lässt sich ja wohl nichts falsch machen. Oder?

"Kräuter-Tees gelten immer als harmlos und unbedenklich. So ist das aber nicht", sagt Regine Gresens, die Beauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Hebammenverband. "Ein Kräuter-Tee ist ein Arzneimittel", sagt die Stillberaterin. Er sollte dementsprechend nur in Absprache mit dem Frauenarzt und der Hebamme und in Maßen (maximal ein Liter am Tag) konsumiert werden, denn überdosiert entwickeln auch Kräuter-Tees eine giftige Wirkung, die beispielsweise Übelkeit oder Kopfschmerzen zur Folge haben kann.

Tee wirkt auch aufs Baby im Mutterleib

Das gilt für die Mutter, aber was ist mit dem Kind? Schwangere Frauen geben einen Teil der Wirkstoffe im Tee über die Nabelschnur an ihre Kinder weiter, und da reicht manchmal schon eine kleine Dosis. "Himbeerblätter, Eisenkraut, Ingwer, Rosmarin, Zimt und Nelke gelten als wehenfördernde Mittel und wurden früher für Abtreibungen genutzt", sagt Regine Gresens. In den ersten Monaten der Schwangerschaft sollten diese Kräuter und Gewürze deshalb tunlichst gemieden werden. Wehenfördernde Tees sind nur in den Tagen vor und nach der Geburt nützlich, um die Wehen und danach den Wochenfluss und die Rückbildung anzuregen.

Von Tees mit Brennessel, Birkenblättern, Sennesblättern und Faulbaumrinde rät Regine Gresens generell ab. "Sie entwässern oder haben eine abführende Wirkung, können dadurch den Darm reizen und den Elektrolythaushalt empfindlich stören", sagt sie. Außerdem sei es wichtig, die Wasseranlagerung im Körper der Mutter beobachten zu können, weil zu viel Wasser auch ein Indiz für eine Erkrankung sein könne und damit in ärztliche Behandlung gehöre.

Vorbereitung für die Schwangerschaft

"Kräuter-Tees erzielen eine Wirkung. Jeder Mensch reagiert anders auf die Inhaltsstoffe. Wer einen Kräuter-Tee trinkt, sollte sich deshalb gut beobachten", sagt Heilpraktikerin Jessica Techen vom Kräuterhaus Hamburg. Vor mehr als 100 Jahren gründete der Philosoph und Gesundheitsforscher Hermann Alois Mayer das Geschäft, in dem mehr als 600 Kräuter, Tees und Gewürze angeboten werden – mitsamt den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte.

Für die Zeit rund um die Geburt gibt es hier drei traditionelle Kräuter-Tees. Als Vorbereitung dient der "Nestreinigungstee", eine Mischung mit Brennnessel, Goldrute, Gundermann, Frauenmantel, Stiefmütterchen, Storchenschnabel- und Taubnesselkraut. "Dieser Tee wirkt reinigend und entgiftend. Taubnessel hilft, einen neuen Schritt im Leben zu gehen", sagt Jessica Techen. Auch sie warnt vor zu viel des Guten: Nur ein bis drei Tassen pro Tag davon und dazu viel Wasser trinken.

Spezial-Tee erst im 2. Drittel der Schwangerschaft trinken

Der Schwangerschafts-Tee des Kräuterhauses sollte erst nach Ablauf des dritten Monats der Schwangerschaft aufgebrüht werden, denn er enthält neben Frauenmantel, Johanniskraut, Schafsgarbe, Melisse und Zinnkraut auch Brennnessel und Himbeerblätter. Die Heilpraktikerin erklärt die Wirkungsweise: "Traditionell sagt man, Zinnkraut wirkt stabilisierend, Johanniskraut bringt Licht, Frauenmantel gibt dem Becken Halt, und Himbeerblätter können mit ihrem leicht süßlichen Geschmack gegen Heißhunger helfen." Dieser Tee hat eine entspannende Wirkung und sollte zwei- bis dreimal am Tag in geringer Menge genossen werden.

Während der Stillzeit gelangen deutlich weniger Wirkstoffe über die Muttermilch bis in die Blutbahn des Babys als durch die Nabelschnur. Das mindert das Risiko der Wirkung beim Baby, aber auch hier ist Vorsicht geboten. Salbei- und Pfefferminz-Tee beispielsweise wirkt abstillend, was in manchen Fällen vielleicht noch gar nicht gewollt ist.

Im Still-Tee des Kräuterhauses Hamburg finden sich Anis, Dillsaat, süße Fenchelsamen, Kümmel und Majoran, die den Milchfluss unterstützen. Die beste Wirkung erzielt man, wenn die Samen vor dem Aufgießen im Mörser frisch angestoßen werden. "Dieser Tee verschafft ein wohliges Bauchgefühl nach dem Stress der Geburt, er unterstützt die Milchbildung und fördert die Verdauung", sagt Jessica Techen.

Schwarzer und grüner Tee in Maßen

"Es wird solchen Still-Tees nachgesagt, dass sie sogar die Blähungen beim Baby vermindern", sagt Stillberaterin Regine Gresens, sie ist in diesem Punkt allerdings skeptisch. "Ich glaube da eher an einen psychologischen Effekt. Weil sich die Mutter entspannt, geht es auch dem Kind besser." Eine andere Beobachtung irritiert sie immer wieder: "Manche Frauen trinken Still-Tee ohne Ende, es bringt ihnen aber gar nichts, und dann mögen sie ihn noch nicht einmal."

Für Jessica Techen und ihren Kollegen Stephan Lange vom Kräuterhaus ist das ein entscheidender Punkt. "Beim Tee muss man auch auf sein Gefühl hören. Wenn der Tee nicht schmeckt, sollte man ihn beim nächsten Mal kürzer ziehen lassen", sagt Jessica Techen. Überhaupt sei das Geschmacksempfinden ein wichtiges Indiz. Die Heilpraktikerin: "Wer beim Tee-Genuss unsicher ist, sollte sich im Gespräch mit der Hebamme oder dem Frauenarzt absichern."

Wer das Herbe mag, bevorzugt vielleicht schwarzen oder grünen Tee. Für diese Sorten gilt: In Maßen mit zwei bis drei Tassen am Tag getrunken, sind sie unbedenklich. Der sehr eisenhaltige Rooibos-Tee und Früchte-Tees aller Art bergen auch in großer Menge keine Risiken. Bei allen Tees ist es jedoch sinnvoll darauf zu achten, wo die Inhaltsstoffe herkommen und ob die Zutaten rückstandsfrei sind und im besten Fall biologisch angebaut wurden.

Tipp:

Als beste Alternative zu dem gewohnten Kaffee oder Tee empfiehlt Regine Gresens vom Deutschen Hebammenverband das Trinken von heißem Wasser: "Heißes Wasser belastet den Stoffwechsel und Kreislauf weniger als kaltes, weil der Körper keine Energie verbrauchen muss, um es auf seine Temperatur zu bringen." Zudem sei Wasser zuckerfrei, habe keine Säuren, wie sie in vielen Säften zu finden sind und darf ohne Limit getrunken werden.

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