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Kinder

Sind Medikamente beim Stillen tabu?

Von Sylke Heun (22. November 2012)

Säuglinge können über die Muttermilch Stoffe aufnehmen, die ihnen schaden. Foto: pa/R. Chen

Für Schwangere sind etliche Medikamente tabu. Gilt das auch für stillende Mütter? Was Frauen beim Stillen des neugeborenen Kindes beachten sollten, wenn sie Arzneimittel einnehmen wollen!

In der Schwangerschaft ist die Sache klar: Keine Medikamente! Nicht einmal Nasentropfen. Und wenn schon Pillen, Tropfen oder Cremes, dann nur im absoluten Ausnahmefall und nach Rücksprache mit dem Arzt. Das Kind soll schließlich nicht zu Schaden kommen.

Was aber gilt für die Zeit nach der Geburt? Nun lebt und atmet das Baby zwar alleine, ist durchs Stillen aber immer noch eng mit seiner Mutter verbunden. Fließen die medikamentösen Inhaltsstoffe in der Milch mit? Wenn ja, in welcher Menge? Was ist dem Kind zumutbar?

Die Unsicherheit ist bei vielen jungen Müttern groß. Die Folge: Manche sind im Krankheitsfall hart gegen sich selbst und verzichten auf Medikamente, andere stillen verfrüht ab, um sich Linderung ohne schlechtes Gewissen zu verschaffen. "Letzteres ist mit Abstand die schlechteste Lösung", sagt der Hamburger Frauenarzt Dr. Michael Scheele. "Es gibt inzwischen genug gut untersuchte Medikamente, die stillende Frauen ohne Bedenken einnehmen können."

Welche Arnei beim Stillen unproblematisch ist

In den Wochen nach der Geburt befindet sich das Immunsystem einer Mutter immer noch im Ausnahmezustand. Es kann Infektionen nicht so zuverlässig wie vor der Schwangerschaft abwehren – Schnupfen, Fieber und Co. haben leichtes Spiel. Müdigkeit, Brustentzündungen, Stress, Kopf- und Rückenschmerzen kommen häufig noch dazu und erschweren den Müttern die ohnehin anstrengenden ersten Wochen.

In solchen Momenten rät Dr. Michael Scheele, der der Nationalen Stillkommission angehört und ein engagierter Stillförderer ist, zum bewussten Abwägen. Grundsätzlich sollten stillende Mütter mit Arzneimitteln sehr vorsichtig sein und bewährte Hausrezepte vorziehen. Beeinträchtigt die Krankheit oder das Unwohlsein jedoch nachhaltig das Befinden, sei es im Sinne von Mutter und Kind, Linderung zu verschaffen und zwar mit "So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig"-Medizin. Ibuprofen bei Kopfschmerzen? Kein Problem. Penicilline, Antidepressiva, Antibiotika? Ebenfalls möglich.

Selbst eine Operation sei bei einer stillenden Frau machbar. Dr. Michael Scheele: "Die Mütter können noch kurz vor der OP stillen und sofort danach auch wieder, sobald sie dazu in der Lage sind."

Rat: Standardwerk

Christof Schaefer/Horst Spielmann (Hrsg.): "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit – das Nachschlagewerk für die tägliche Praxis", Urban & Fischer, München 8. Auflage 2012, 79,99 €

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