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Osteopathie: Baby in Schieflage

Von Barbara Dötsch (20. Juli 2009)

Osteopathin Manuela Krisa behandelt die kleine Natalija. Foto: Dötsch

Bei der Geburt können sich Muskeln und Gelenke verschieben. Wie man mit Osteopathie Baby und Neugeborenes gegen Funktionsstörungen behandelt

Wenn ein Baby den Kopf vorwiegend zu einer Seite dreht, schlecht schläft, häufig spuckt oder die Gesichtshälften asymmetrisch wirken, könnte das an einer Funktionsstörung von Muskeln oder Gelenken liegen. Fehlbelastungen führen nicht nur bei Erwachsenen zu einem verspannten Nacken oder Kopfschmerzen. Schon die Geburt kann die Muskeln und den noch weichen Knochenbau des Babys aus der Balance bringen. Osteopathie, eine verfeinerte Form der Manuellen Therapie, soll dieses Gleichgewicht auch in den Gesichtszügen wieder herstellen und selbst Schreikindern helfen. Nach Ansicht von  Mediziner hilft  Osteopathie Baby und Kleinkind bis zu einem Jahr, bevor sich die noch einzelnen Schädelplatten fest verknöchert haben.

Natalija ist fünf Monate alt. Mutter Agata Przybyl hatte beim Stillen Schluckprobleme ihrer Tochter bemerkt. Außerdem trank und schlief ihr Baby nur auf die rechte Seite gedreht, was inzwischen an einer Asymmetrie der Schädelform zu sehen war. Der Kinderarzt stellte Verspannungen im Becken und Kreuzbeinbereich fest. Er verordnete daraufhin Osteopahtie fürs Baby. Die drei Behandlungen im Berliner Martin-Luther-Krankenhaus muss Agata Przybyl mit je 50 Euro zwar selbst bezahlen, aber der Erfolg ist es ihr wert. So schießt nun Dank Osteopathie Baby Natalijas Kopf richtungsunabhängig immer dahin, wo die Mutter mit dem Spielzeugkasper winkt.

Kinder-Osteopathie gegen Blähungen und Schluckprobleme

Je eher Eltern auffällt, dass sich ihr Kind asymmetrisch entwickelt oder verhält, ob beim Kopf drehen, beim Blickkontakt oder Hände benutzen, desto erfolgreicher sei die Osteopathie fürs Baby, sagt Dr. Fred Villbrandt, der die Abteilung für Physikalische und Rehabilitative Medizin im Martin-Luther-Krankenhaus leitet. Osteopathie sei kein Allheilmittel, stellt der Arzt klar, aber es ist eine effiziente Behandlungsmöglichkeit, wenn relevante anatomische Ursachen ausgeschlossen sind.

Vor allem das Hinterhauptbein, wo der Schädel auf der Wirbelsäule liegt, werde bei Geburten per Kaiserschnitt, Saugglocke oder Zange beansprucht. Dort bündeln sich Nervenbahnen, Sehnen und Muskeln, die wiederum Einfluss auf die Lage von Organen und Gelenken haben. Geraten diese Gewebestrukturen in Schieflage, können vegetative Störungen wie Blähungen, Schreien und Unruhe auftreten. Kinder-Osteopathen versuchen, mit sanften Griffen, rhythmischen Bewegungen und minimalem Druck diese Fehlstellungen zu korrigieren. Um das zu beherrschen, musste Manuela Krisa nach dem Abschluss als Physiotherapeutin noch fünf Jahre nebenbei in die Ausbildung als Osteopathin investieren.

Yara Schachtebeck wurde im vergangenen November mit der Saugglocke auf die Welt geholt und konnte ihren Kopf nur wenig nach links drehen. An der rechten Seite war der Kopf deshalb vom vielen Liegen schon etwas flacher und das Haar nur flaumhaft gewachsen. Inzwischen konnte Manuela Krisa durch drei Behandlungen mit Osteopathie Baby Yara helfen. Von der Schädelasymmetrie ist kaum noch etwas zu sehen. Auch Yaras Haare stehen rechts fast schon ebenso zerzaust ab wie links.

Hilfe für ein Schreikind

Obwohl seine Patienten zumeist Erwachsene sind, hat Osteopath Frank Weidemann in seiner Berliner Praxis Physio Emotions auch schon Schreikinder therapiert. Wenn die Geburt Kompressionen auf den Schädel ausübt, kann sich ein erhöhter Zug auf die harte Schutzhaut über Gehirn, Rückenmark und Steißbein fortsetzen. Oder es können Probleme im Beckenbereich bis in den Kopf reichen, so Weidemann über die Ursachen für das Dauer-Schreien. Meist sei nach der Behandlung mit Osteopathie ein Baby so ruhig wie andere. Dennoch ist die Therapie für ihn nicht eine Behandlungsmethode, die allein von außen wirkt: Linderung oder Heilung vollzieht sich vor allem durch die Unterstützung der Selbstheilungskräfte.

Infos: Kosten und Kontakte

Preise Eine 50-minütige Behandlung kostet laut Osteopathen-Verband zwischen 60 und 100 Euro

Literatur "Kinder-Osteopathie. Sanfte Berührung in den ersten Lebensjahren" von Torsten Liem und Christof Plothe, Verlag Knaur, 8,95 Euro

Adressen Mehr über Therapie und Therapeuten beim Verband der Osteopathen in Deutschland, Wiesbaden, Tel. 0611/ 910 36 61 (Mo-Do 9-17 Uhr und Fr 9-14 Uhr) und im Internet unter www.osteopathie.de

Ursprung Die Behandlungsmethode wurde vor über 130 Jahren vom amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still (1828-1917) entwickelt.

Quellen

Gespräch mit Dr. Fred Villbrandt, Leiter der Abteilung für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Martin-Luther-Krankenhaus, Berlin, Juni 2009
Gespräch mit Manuela Krisa. Physiotherapeutin und Osteopathin, Berlin, Juni 2009
Gespräch mit Frank Weidemann, Osteopath, Berlin, Juni 2009

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