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Kinder

Ohrloch stechen bei Babys und Kleinkindern riskant

Von Manfred Pantförder (12. Dezember 2012)

Ohrloch stechen bei kleinen Kindern ist nicht harmlos. Foto: picture alliance/dpa

Ohrloch stechen bei Babys ist in vielen Ländern verbreitet. Auch in Deutschland lassen manche Eltern ihre Säuglinge schon "schmücken". Mediziner bewerten diesen frühen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit mit großer Skepsis.

In südeuropäischen Ländern ist es weit verbreitet, dass kleine Prinzessinnen schon mit wenigen Monaten einen Ohrring tragen. Je früher das Ohr durchstechen, desto besser fürs Baby, das mutmaßlich weniger Angst davor habe, als wenn das Kind älter wäre, glauben manche Erwachsene.

"Meine Tochter ist neun Monate und hat schon Ohrringe", sagt eine Mutter. "Es hat ihr gar nicht geschadet. Umso jünger die Babys sind, umso eher kann man es machen lassen. Das merken die kaum."

Ab wann soll ein Kind Ohrringe tragen?

Manche Eltern wollen mit dem Ohrring auch der Umgebung klar signalisieren, dass ihr Spross ein Mädchen ist, frühzeitig, wenn Junge und Mädchen nicht immer klar zu unterscheiden sind. Nach einem Gerichtsverfahren müssen Eltern in Deutschland jedoch vorsichtig sein, wenn sie ihr Baby schmücken wollen. Denn das Amtsgericht in Berlin-Lichtenberg hat anklingen lassen, dass Ohrloch stechen bei Kindern Körperverletzung sein könne. Daran ändere auch die Einwilligung der Eltern nichts.

Es ging um eine Dreijährige, die durch den Eingriff traumatisiert worden sei. Eine äußerliche Verletzung hatte nicht vorgelegen. Der Schuss mit der Pistole war in einem Tattoo-Studio durchgeführt worden, das nach einem Vergleich mit den Eltern dann Schmerzensgeld zahlte und damit ein Urteil des Amtsgerichts vermied.

Infektionen drohen durch frühes Ohrloch stechen

Auch wenn das Berliner Gericht nicht über eine juristische Strafbarkeit der Eltern verhandelt hat, setzt das Urteil Eltern unter Druck, die ihrem Kleinkind Ohrlöcher stechen lassen wollen, aus welchen Gründen auch immer.

Ärzte haben dazu eine klare Haltung. Ohrloch stechen bei Kleinkindern sehen sie mit Sorge. Mediziner warnen, dass Infektionen besonders Säuglinge schwer treffen können. Und dass Folgeschäden auftreten können.

Risiko durch überschießende Narben erhöht

"Aus rein anatomischer Sicht spricht nichts dagegen, auch schon Kindern ein Ohrloch stechen zu lassen", sagt Dr. Sven von Saldern, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch Plastische Chirurgie (DGÄPC). Der Schönheitschirurg gibt aber zu bedenken: "Es besteht natürlich in jedem Alter das Risiko einer lokalen Entzündung. Außerdem besteht beim Stechen von Ohrlöchern die Gefahr, dass sich überschießende Narben bilden, sogenannte Keloide. Auch dieses Risiko gibt es in jedem Alter, in der Jugend ist es aber höher als im Erwachsenenalter. Eltern sollten bei ihrer Entscheidung bedenken, dass ihre Kinder bleibende Schäden davontragen können."

Ohrloch stechen nicht nur bei Mädchen verbreitet

Noch strikter ist die Haltung von Kinderärzten. Es sei keine Familienangelegenheit, wenn die körperliche Unversehrtheit von Kindern angegriffen werde, äußerte Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Das Ohrlochstechen sei schmerzhaft und daher aus kinder- und jugendärztlicher Sicht mit Skepsis zu betrachten.

"Ohrstecker wachsen oft ein, es gibt sehr unangenehme und langwierige Entzündungen, und die Verletzungsgefahr bei Ohrringen ist für Kleinkinder groß, ebenso die Gefahr, dass die kleinen Ohrstecker und Ohrringe in die Atemwege gelangen können", so der Verbandspräsident. "Als Kinder- und Jugendärzte raten wir daher davon ab, Säuglingen und Kleinkindern Ohrlöcher stechen zu lassen".

Dass Eltern Ohrlöcher zunehmend auch bei Jungen im Säuglingsalter stechen lassen, beobachten die Kinderärzte und sind entsprechend besorgt.

Eindeutig Nein zum Ohrloch stechen bei den Kleinen lautet auch die Haltung des Deutschen Kinderschutzbundes.


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Quellen

Gespräch mit Dr. Sven von Saldern, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch Plastische Chirurgie (DGÄPC), Dez. 2012
Stellungnahme des Verbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)
Urteil des Amtsgerichts Berlin-Lichtenberg, Aug. 2012






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