Nasentropfen bei Säuglingen gefährlich

Von Barbara Bückmann (1. September 2013)

Kinderärzte warnen vor dem Einsatz abschwellender Nasentropfen bei Baybs. Foto: Gettystella

Abschwellende Nasentropfen können bei Säuglingen gefährliche Nebenwirkungen haben. Kinderärzte warnen vor dem Einsatz und beschreiben einen Fall aus ihrer Klinik.

Ein Ärzteteam aus der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen berichtet in der Monatszeitschrift Kinderheilkunde von den schweren Nebenwirkungen abschwellender Nasentropfen bei einem Neugeborenen.

Die Tropfen mit dem Wirkstoff Xylometazolin sind in Deutschland frei verkäuflich und in der Anwendung auch bei Säuglingen und Kleinkindern weit verbreitet.

Dreimal täglich 0,1 ml

In diesem Fall hatten die Eltern ihren 30 Tage alten Säugling, ein Mädchen, ins Krankenhaus gebracht. Sie hatten es am Tag zuvor wegen eines Schnupfens mit Nasentropfen behandelt.

Auf Anraten der Hebamme gaben sie 3-mal täglich jeweils 0,1 ml 0,05?%iger Xylometazolinlösung mittels einer Feindosierungsspritze in jedes Nasenloch. Dieses Arzneimittel ist für Kinder unter 2 Jahren aber laut Fachinformation kontraindiziert, heißt es in dem Beitrag.

Erbrechen, Atemstillstand, Bewusstlosigkeit

Wegen Erbrechen, Atemstillstand und Bewusstlosigkeit wurde der Säugling auf die pädiatrische Intensivstation aufgenommen.

Nachdem mögliche Krankheitsursachen - eine Infektion mit Bakterien oder Viren, andere schädliche Substanzen in Blut, Urin und Gehirnflüssigkeit - negativ getestet wurden, stellten die Ärzte im Urin eine hohe Konzentration von Xylometazolin fest.

Xylometazol-Vergiftung

Das Kind erholte sich 26 Stunden nach der Aufnahme spontan, wurde wach, die Atmung war unauffällig, und es fanden sich keine weiteren Symptome, sodass die Symptomatik durch eine Xylometazol-Vergiftung erklärt werden konnte, schreiben die Autoren.

Die Gefährlichkeit von Sympathomimetika enthaltenden Nasentropfen bei Neugeborenen und Kleinkindern ist bekannt. Sie bewirken eine Verengung der Gefäße, was die Schleimhautschwellung vermindert. Sie können aber zugleich die Herzfrequenz senken und betäubend wirken, was zu einer verlangsamten Atmung und einem komaähnlichen Zustand führen kann.

Drei Neugeborene im Koma

Schon 2006 berichteten Ärzte aus der Heidelberger Kinderklinik über drei Neugeborene, die nach Dosierungen in der zugelassenen Indikation ins Koma gefallen waren. In England darf freiverkäufliches Xylometazolin nur bei Kindern ab 6 Jahren eingesetzt werden.

Quellen

"Schwerwiegende Nebenwirkungen durch nasales Xylometazolin", von H.-G. Topf et al., Kinderheilkunde, 2013/6, DOI: 10.1007/s00112-013-2926-3


Wie lange wurde Ihr Kind gestillt?