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Kinder

Neue Hilfe für Legastheniker

Von Angelika Sylvia Friedl (27. Juli 2012)

Legastheniker können Abstände zwischen Buchstaben oft nicht erkennen und springen zwischen den Zeilen. Foto: PA/Ohlenschläger

Neuer Ansatz italienischer Wissenschaftler: Größere Abständen zwischen den Buchstaben und Zeilen sollen Legasthenikern das Lesenlernen erleichtern.

Es ist mühsam und kostet viel Zeit, Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung zu trainieren. Jetzt haben der italienische Wissenschaftler Marco Zorzi und seine Kollegen von der Universität Padua eine scheinbar einfache Methode gefunden, die Legasthenikern beim Lesen lernen helfen soll. Der Trick: Zwischen den Buchstaben einen größeren Abstand halten.

Oft erkennen Legastheniker eng zusammenstehende Buchstaben nicht als getrennt. Und können sie daher auch schlecht lesen. Kein Wunder, dass Kinder dann keine Lust haben in ein Buch zu gucken. Sie verhaspeln sich, springen zwischen den Zeilen hin und her oder lesen statt eines d ein b. Unter Fachleuten ist das Problem als "Crowding" bekannt. Legastheniker lesen im Durchschnitt in einem Jahr so viele Wörter, wie ein guter Leser an zwei Tagen schafft. Doch nur Übung macht den Meister – also häufiges und regelmäßiges Lesen.

Legastheniker machten beim Vorlesen weniger Fehler

Die Forscher testeten ihre Idee an 74 französischen und italienischen Kindern, bei denen eine Legasthenie diagnostiziert worden war. Die Schülerinnen und Schüler mussten eine Reihe von kurzen Sätzen laut vorlesen. In einem Test waren die Sätze mit einem normalen Abstand gedruckt. In zwei weiteren Durchgängen erhielten die Kinder Blätter, auf denen zwischen Buchstaben und Zeilen jeweils unterschiedlich große Lücken gelassen worden waren.

"Die legasthenischen Kinder machten signifikant weniger Fehler in der weiter gesetzten Textversion und lasen deutlich schneller", berichten Zorzi und seine Kollegen. Die kleinen Legastheniker lasen um etwa 20 Prozent schneller als sonst und die Anzahl der Fehler sank um die Hälfte. Am meisten profitierten Kinder mit großen Leseschwächen. Teilnehmer aus der Kontrollgruppe, die eine normale Lesefähigkeit aufwiesen, zogen dagegen keinen Gewinn aus dem Training. Sie konnten einen weiter gesetzten Text schlechter lesen als einen mit normalen Abständen.

Unklar ist, ob die Methode nachhaltig wirkt

"Die Ergebnisse zeigen einen praktischen Weg, die Lesefähigkeit von Legasthenikern zu verbessern," schreibt Marco Zorzi. Unklar ist jedoch, ob die neue Methode auch nachhaltig wirkt und es möglich macht, Texte später auch in normalen Schriftgrößen zu lesen. "Außerdem ist ein Legasthenietraining bisher darauf ausgerichtet, sowohl die Lese- und als auch die Rechtschreibfähigkeit zusammen zu fördern. Kinder, die Probleme mit Lesen haben, stehen nämlich meist auch mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß", sagt Annette Höinghaus vom Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie.

Schüler sollen systematisch lernen, Wortstämme wie zum Beispiel Kamm und Kämme zu unterscheiden und zu erkennen. Das sei sehr wichtig, erklärt Pressesprecherin Höinghaus, weil man dann lernt, die Wörter auch richtig zu schreiben. Weitere Untersuchungen sind daher nötig, um zu prüfen, ob der Weg der italienischen Forscher Legasthenikern wirklich weiterhilft.


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Quellen

Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS): Extra-large letter spacing improves reading in dyslexia,
http://www.pnas.org/content/early/2012/05/29/1205566109






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