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Erhöhtes Risiko: Late Talker

Von Angela Stoll (13. Februar 2014)

Mit Vorlesen und Erzählen können Eltern die Sprachentwicklung ihres Kindes fördern. Foto: Getty/Zovoilis

Jedes fünfte Kind ist ein "Late Talker". Eltern sollten die Sprachentwicklung beobachten, raten Mediziner.

Leo konnte schon laufen, als seine Altersgenossen noch auf dem Boden herumrutschen. Inzwischen ist er fast zwei und kickt schon gut die Bälle. Nur beim Sprechen ist er hintendran: Leo sagt kaum mehr als "da", "Mama", "Ba" (Ball) und "Bane" (Banane). Seine Eltern fragen sich: Ist das noch normal, oder ist Leo ein "Late Talker"?

Mit zwei Jahren können Kinder in der Regel mindestens 50 Wörter und Zweiwortkombinationen wie "Da Auto" bilden. Tun sie das nicht, sollten sich Eltern an den Kinderarzt wenden. Oft stecken Hör-Probleme dahinter, manchmal auch andere Störungen. Sind solche Beeinträchtigungen ausgeschlossen, gelten die Kinder als "Late Talker". Nach dieser Definition sind bis zu 20 Prozent aller Zweijährigen in Deutschland "späte Sprecher".

Nicht jeder "Late Talker" muss gleich zur Therapie

"Diese Kinder müssen nicht alle sofort zur Therapie", sagt Dr. Christina Kauschke, Professorin für Klinische Linguistik an der Universität Marburg. "Viele holen im dritten Lebensjahr auf." Sie rät Eltern aber dazu, "Late Talker" im Alter zwischen zwei und drei Jahren genau zu beobachten und sich im Zweifelsfall noch mal an den Kinderarzt zu wenden. "Sie sollten sich dort nicht abwimmeln lassen. Es hat sich gezeigt, dass elterliche Sorgen oft berechtigt sind", sagt Kauschke. Bei Late Talkern sei die Wahrscheinlichkeit, als Vorschulkind sprachentwicklungsgestört zu sein, 20 mal so hoch wie bei anderen Kindern dieses Alters.

Bis zum dritten Geburtstag holt nach Kauschkes Angaben zwar ein Drittel der Late Talker komplett auf und ein weiteres Drittel immerhin so sehr, dass sie sich im unteren Normbereich befinden. Das restliche Drittel zeige aber Symptome einer Sprachentwicklungsstörung. "Kinder, die mit drei Jahren sprachlich auffällig sind, brauchen unbedingt eine Therapie", betont sie.

Anregungen:

Bilderbücher Kinder lernen neue Wörter und Satzkonstruktionen, wenn Erwachsene Bilder benennen und kleine Geschichten erzählen. Dass die Kleinsten Lieblingsbücher haben, ist sinnvoll: Durch ständige Wiederholungen prägen sich die Wörter besser ein. Falls ein Kind keine Bücher mag, kann man auch zusammen Fotoalben anschauen.

Spiele Fingerspiele, kleine Verse und Lieder machen Kindern Spaß und vermitteln ihnen ein Gefühl für Rhythmus und Sprache. Es gibt auch Spiele, die das Gehör schulen: Zum Beispiel füllt man verschiedene Materialien, etwa Sand oder Bohnen, in Dosen. Anhand der Geräusche, die beim Schütteln entstehen, errät man, was sich darin befindet.

Spielgruppen Kleine Kinder kommunizieren untereinander anders als mit Erwachsenen. Regelmäßiger Kontakt zu Gleichaltrigen fördert die Ausdrucksfähigkeit.
 

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