Vier Minuten gegen Kopfschmerzen

Von Christian Seel (17. September 2014)

Schulstress gilt als häufiger Auslöser für Kopfschmerzen bei Jugendlichen. Foto: Getty/Vetta

Kopfschmerzen quälen nicht nur Erwachsene, sondern auch viele Jugendliche. Dabei lässt sich der Schmerz mit einfachen Übungen und Tipps zur Stress-Kontrolle bekämpfen, zeigt eine neue Studie.

Kopfschmerzen treten oft bereits bei Kinder und Jugendlichen auf, in der Schule sind sie die häufigste Gesundheitsstörung. Wenn die Jugendlichen aber lernen, mit welchen Übungen und Verhaltensweisen Kopfschmerzen vorgebeugt werden kann, bessern sich die Beschwerden erheblich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung in München mit 900 Gymnasiasten der Jahrgangsstufen 8 bis 10.

Vier Übungen gegen Kopfschmerzen (1x täglich)

"Im Rahmen einer Schulstunde nahm eine Hälfte der Schüler an einer strukturierten Aufklärung über Kopfschmerzen teil, die andere Hälfte erhielt diese erst zum zweiten Erhebungszeitpunkt sieben Monate später", berichtet Prof. Dr. Andreas Straube, Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Schon diese einstündige Schulung habe eine deutliche Verbesserung vor allem bei Spannungskopfschmerzen gebracht. In jeder Klasse war mindestens ein Schüler von dem Leiden befreit. Zuvor hatten rund 80 Prozent der 12- bis 15-Jährigen angegeben, mindestens einmal in der Woche unter Kopfschmerzen zu leiden.

Was das Kopfschmerz-Risiko beeinflusst

Die Unterrichtsstunde hatte den Kindern vier Übungen zur Muskelentspannung gezeigt (siehe oben), die Kopfschmerzen entgegenwirken. Nur vier Minuten täglich dauern diese Übungen und können leicht in den regelmäßigen Tagesablauf integriert werden. Außerdem wurde über entscheidende Einflussfaktoren für Kopfschmerzen aufgeklärt:

  • Körperliche Aktivitäten Wer sich wenig bewegt, hat ein doppelt bis vier Mal so großes Risiko für Kopfschmerzen. Insbesondere Spannungskopfschmerzen werden durch Bewegung verhindert. Anregung: Mehr zu Fuß gehen, Treppen steigen, Spazieren gehen, tanzen, Sport.
  • Rauchen Nikotin begünstigt Kopfschmerzen
  • Alkohol Hoher Konsum steigert das Kopfschmerz-Risiko. Insbesondere Cocktails sind Gift für den Kopf.
  • Kaffee Koffein auch in Cola und Energy-Drinks begünstigt Kopfschmerzen

Als dritte Schulungskomponente wurde den Kindern Strategien zur Stressbewältigung nach dem Stress-ABC erläutert (steht für die englischen Begriffe Adversity, Beliefs, Consequences). Hier geht es zunächst darum, die Stress auslösenden Faktoren einzuteilen in A: Ereignisse, B: Gedanken, C: Gefühle.

Welche Ereignisse Kopfschmerzen auslösen

Konflikte mit Freunden oder Familie, Krankheit, Prüfungen sind Ereignisse (A), die Stress und damit Kopfschmerzen auslösen können. Um sie in den Griff zu bekommen, empfehlen die Wissenschaftler:

  • Langsam Weil Schüler mit Kopfschmerzen sich oft zeitlich unter Druck setzen, hilft es, gut zu planen und rechtzeitig mit dem Lernen anzufangen
  • Pause Nach 90 Minuten braucht das Gehirn in der Regel eine Ruhephase. Pausen (Luft schnappen, etwas essen) sollten deshalb vorher eingeplant werden
  • Prioritäten Zu viele Termine nach der Schule erhöhen den Freizeitstress. Lieber auf das beschränken, was einem wirklich wichtig ist
  • Nein sagen Wenn man etwas nicht möchte, das auch deutlich sagen
  • Hilfe  Probleme lassen sich im Gespräch mit Freunden besser bearbeiten. Hilfe suchen bedeutet nicht, dass man "zu schwach" ist.

Welche Gedanken Kopfschmerzen auslösen

"Mathe konnte ich noch nie!", "Alle sollen mich mögen!", "Das halte ich nicht mehr aus!" – Gedanken (B) wie diese können Stress und damit Kopfschmerzen begünstigen. Zur Überprüfung der eigenen Ansicht wird empfohlen, sich unter anderem diese Fragen zu stellen:

  • Beruht der Gedanke wirklich auf Tatsachen?
  • Woher kommt das Wissen?
  • Gibt es Beweise für die Richtigkeit?
  • Wenn es zum Schlimmsten kommt: Wo ist der Beweis, dass man mit der Situation nicht trotzdem umgehen kann?

Welche Gefühle Kopfschmerzen auslösen

Stress auslösende Gefühlen (C) kann man nach Ansicht der Experten mit folgenden Maßnahmen abbauen:

  • Gefühle rauslassen Emotionen in sich hineinzufressen, fördert Stress und Kopfschmerzen. Auch Wut kann man herauslassen, sich an einem Kissen oder beim Sport abarbeiten. Bei Trauer sollte man sich nicht scheuen,  sich zurückziehen.
  • Entspannen Das gelingt u.a. durch Ablenkung wie Lesen, Fernsehen, oder bei manchem durch Phantasie, indem man sich an einen schönen Ort träumt. Daneben werden Entspannungsübungen wie etwa die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson empfohlen.

MUKIS nennt sich das Schul-Projekt (Münchner Untersuchung zu Kopfschmerzen bei Gymnasiasten - Interventionsstudie). Es läuft, gefördert von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, bereits seit 2008. Das Unterrichtsmaterial ist auf der MUKIS-Webseite  verfügbar. Zum ersten Mal konnte mit der Untersuchung gezeigt werden, dass eine relativ wenig Zeit in Anspruch nehmende Aufklärung zur Verbesserung der Kopfschmerzen bei Jugendlichen führt, betont DMKG-Sprecherin Dr. Stefanie Förderreuther.

Auch Kieler Uni klärt über Kopfschmerzen auf

München ist im Übrigen nicht die einzige Region, die gegen Kopfschmerzen bei Schülern Aufklärung anbietet. Ein ganz ähnliches Projekt läuft unter dem Titel "Aktion Mütze" an der Schmerzklinik Kiel. Dort haben der Neurologe Prof. Hartmut Göbel und die Lehrerin Karin Frisch aus Wiesbaden ebenfalls Unterrichtsmaterialien erarbeitet. Als Auslöser für Kopfschmerzen bei den Schülern sieht Göbel Leistungsdruck, Freizeitstress und Reizüberflutungen. Die Aufklärung darüber sei auch eine Maßnahme zur Suchtprävention. Kopfschmerzen könnten durch den Leidensdruck Kinder dazu verleiten, Drogen auszuprobieren, um den Schmerz zu lindern, sagt er. Außerdem können Kopfschmerze zu Langzeitfolgen im Erwachsenenalter wie etwa Depressionen führen

Quellen

Lucia Albers et al: "Headache cessation by an educational intervention in grammar schools: a cluster randomized tria". European Journal of Neurology 2014
"Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen", Schmerzklinik Kiel, Prof. Hartmut Göbel, 20. Aug. 2014


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