Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Kinder

Wann Jugendliche Gehörschutz brauchen

Von Sylke Heun (24. Januar 2013)

Lärm ist cool: Viele Jugendliche können nicht glauben, dass lauter Musikkonsum das Gehör schädigt. Fotos: pa/dpa

Viele Jugendliche fühlen sich unverletzlich riskieren durch Freizeitlärm in Clubs oder aus dem Kopfhörer bleibende Gehörschäden. Experten raten zum individuellen Schutz.

Der erste Ton kam nach einer Disconacht. Annett war 18 und erkältet, wollte aber trotzdem mit Freunden Party machen. Wie immer fuhr sie am frühen Morgen mit einem Pfeifen und Taubheitsgefühl im Ohr nach Hause. Aber diesmal ging das Pfeifen nicht wieder weg. Der Ohrenarzt erklärte nüchtern: "Das ist ein Tinnitus, der bleibt für immer." Das war zunächst ein Schock, dann machte Annett weiter wie bisher – war jetzt ja egal. Und so kam nach ein paar Jahren ein weiteres Geräusch dazu. Rund um die Uhr hat die 36-Jährige nun einen hohen Ton und ein ständiges Pfeifen im rechten Ohr. "Ich komme damit klar", sagt sie, "aber manchmal wünsche ich mir doch, richtige Stille noch einmal wahrnehmen zu können."

14 Millionen Deutsche sind schwerhörig

Jugendliche fühlen sich stark und unverletzlich. Alles lässt sich reparieren, auch die Ohren. Wirklich? "Einmal am Gehör eingetretene Lärmschäden sind nicht mehr heilbar", sagt Dr. Stefan Dazert, Direktor der HNO-Klinik der Ruhr-Universität in Bochum. Nach seiner Schätzung sind etwa 14 Millionen Menschen in Deutschland schwerhörig, darunter viele Kinder und Jugendliche mit Hörschäden durch Freizeitlärm. Ihnen selbst fällt ihre Schwerhörigkeit oft nicht auf. "Aber wenn ein Kind auffällig lauter als andere spricht, vorrangig ein bestimmtes Ohr einer Geräuschquelle zuwendet oder im Gespräch häufig nachfragt, sollte es beim HNO-Arzt einen Hörtest machen", so Dazert.

Lärmbelastungsgrenze oft nach zweieinhalb Minuten erreicht

Vor allem das zu laute Hören von Musik in Discos, bei Konzerten und über Kopfhörer sorgt für Hörschäden bei Jugendlichen. Chilenische HNO-Ärzte experimentierten 2012 mit verschiedenen Abspielgeräten, Kopfhörern und Musikstilen. Den höchsten Schalldruckpegel erreichten sie mit einer täglich und in jeder U-Bahn zu findenden Kombination von iPod, einem Im-Ohr-Kopfhörer und einem HipHop-Stück: 126,5 Dezibel. Das ist lauter als ein Presslufthammer in Griffweite. Und es überschreitet die maximal tolerierbare tägliche Lärmdosis – definiert als 85 dB über acht Stunden – bereits nach 2,5 Minuten.

Tipp: Belastung messen

App Der Berufsverband der HNO-Ärzte bietet die"LärmApp" als kostenlose Smartphone-Anwendung an, mit der man selbst die Intensität der Belastung messen kann Erhältlich in Googles PlayStore und Apples  iTunes.

Teuflische Höhen: Laute Riffs der E-Gitarre können Gift fürs Gehör sein. Foto: Getty/ArbogastTeuflische Höhen: Laute Riffs der E-Gitarre können Gift fürs Gehör sein. Foto: Getty/Arbogast

Lesen Sie auch

Weitere Beiträge zum Thema Pubertät






Anzeige