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Kinder

Wie Kinder Fahrradfahren lernen

Von Ela Dobrinkat (28. März 2012)

Cooler Sprint: Auf seinem Laufrad trainiert dieser Junge bereits das spätere Radfahren. Foto: pa/Arco Images

Kinder lernen immer früher Fahrradfahren. Physiotherapeuten warnen jedoch davor, es ihnen vor dem fünften Lebensjahr zu erlauben. Die körperliche und geistige Reife fehle noch.

Moritz ist zweieinhalb Jahre alt. Sein älterer Bruder ist vier und hat schon ein Kinder-Zweirad. Der quicklebendige Moritz möchte nun auch aufs Rad. "Die Freude an Bewegung ist bei ihm so groß, dass wir überlegt haben, ob wir ihm im Garten nicht das Fahrradfahren beibringen", sagen die Eltern Stefanie und Matthias Wurler. Doch die Hamburger Kinder-Physiotherapeutin Hanna M. Schilling rät davon ab.

"Ich sehe einen schlechten Trend, die Kleinen zu früh aufs Fahrrad zu setzen", sagt die Therapeutin, die sich seit 30 Jahren mit der physischen Entwicklung von Kindern, ihrer Reife und den entsprechenden Bewegungsabläufen auseinandersetzt. Sie hält das Fahrradfahren vor dem fünften Lebensjahr sogar für "fahrlässig und gefährlich". Das Wahrnehmungs- und Gleichgewichtssystem sei noch nicht so weit entwickelt, dass das Kind Entfernungen und Geschehnisse im Verkehr einschätzen könne.

Fahrradfahren: "Grobmotorik erst mit fünf voll entwickelt"

"Das ideale Alter für ein Zweirad ist fünf Jahre, weil zu diesem Zeitpunkt die Grobmotorik bereits voll entwickelt ist", sagt Frau Schilling. Ein Jahr später beginne mit dem Schreibenlernen dann auch das Training für die Feinmotorik. "Leider kann man in Parks und auf Gehwegen immer wieder beobachten, dass Kinder noch bis zum Alter von vier Jahren auf ihren Zweirädern ,herumeiern'. Sie können das Rad noch nicht geradeaus ausbalancieren." Fahrradfahren käme daher nur für ältere Kinder in Frage.

Zudem sei auch ein Kinderfahrrad oft zu schwer und könne von den Kleinen kaum geschoben, geschweige denn getragen werden, sagt die Physiotherapeutin. Kaum könne das Kind laufen, wolle es sich bereits schneller bewegen. Deshalb empfiehlt sie als erstes Gefährt ein vierrädriges Bobbycar für Zweijährige. Danach könnten die Kleinen aufs Laufrad oder Dreirad umsteigen. Beide Fahrzeuge böten eine gute Vorbereitung aufs Fahrradfahren. "Auf dem Laufrad entwickelt das Kind ein Gefühl, sich im Gleichgewicht zu halten, auf dem Dreirad lernt es Lenker und Pedalen zu benutzen." Leider seien Dreiräder aus der Mode gekommen, dabei seien sie langsamer als Laufräder und weniger sturzanfällig. Auch Roller lägen leider nicht mehr im Trend.

"Einen Roller benutzen Kinder zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr mit großem Vergnügen. Er trainiert den Gleichgewichtssinn und die Fähigkeit Standbein und Spielbein zu wechseln", sagt Frau Schilling. Ab dem 5. Lebensjahr stünde dann dem Fahrradfahren nichts mehr im Wege. Von Stützrädern sei aber in jedem Fall abzuraten, diese seien nach ihrer Ansicht eher "Stürzräder". Auch Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) raten von Stützrädern am ersten Rad ab. "Stützräder vermitteln eine Scheinsicherheit", sagt Wilhelm Hörmann vom ADFC. Kinder könnten damit nicht den Gleichgewichtssinn trainieren. Sie gewöhnten sich dafür an eine falsche Kurvenlage, weil sie ihr Gewicht nach außen anstatt nach innen verlagerten. Stützräder könnten sogar gefährlich werden. Nämlich dann, wenn eins über den Bordsteinrand gerate und das Kind plus Rad zum Kippen bringe.

Fahrradfahren: Experten raten von Stützrädern ab

"Wer mit Stützrädern anfängt, hat mehr Schwierigkeiten beim Radfahren lernen." Hörmann will sich auf ein bestimmtes Einstiegsalter zum Radfahren aber nicht festlegen. Es komme ganz auf die individuelle motorische Entwicklung des Kindes an. Doch auch er sieht bei den Eltern zuweilen einen "falschen Ehrgeiz". Dieser führe dazu, Druck auf die Kinder auszuüben und zu früh mit dem Fahrradfahren zu beginnen. Es gehe vielmehr darum, das Kind behutsam und spielerisch zum Fahrradfahren zu bringen, "ohne es zu über- oder zu unterfordern". Bevor man sich mit den Kindern in den Straßenverkehr wage, sei es wichtig, an einem sicheren Übungsplatz bestimmte Fähigkeiten zu trainieren, empfiehlt der ADFC (siehe Info-Kasten). Ein Helm sei von Anfang an zu empfehlen. Die Deutsche Verkehrswacht berät Eltern von Rad-Anfängern per Download im Internet. Dafür einfach nur "Rad-Ratgeber"in die Internet-Suchmaschine eingeben. Es empfiehlt sich zudem, die vom Bundesverkehrsministerium und ADFC herausgegebene Broschüre "Mobil mit Kind und Rad", ebenfalls per Suchmaschine zu finden. Für Eltern gibt es darin viele Tipps zu Rädern und Ausrüstung.

Infos: Fahrradfahren üben

Auf und Absteigen Ohne Schlenker auf- und absteigen.

Slalom-Parcours Hindernisse, die immer enger gestellt werden, umfahren.

Umschauen Auf einer Linie fahren, auf Zuruf kurz umgucken.

Einhändig Geradeaus fahren und abwechselnd eine Hand hochheben.

Abbiegen Umschauen, für die Richtungsanzeige Hand ausstrecken, dann mit beiden Händen am Lenker abbiegen.


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Quellen

Gespräch mit Kinder-Physiotherapeutin Hanna M. Schilling, Hamburg, März 2011
Gespräch mit Wilhelm Hörmann vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), März 2011






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