Hilft die Bernsteinkette Baby beim Zahnen?

Von Barbara Bückmann (10. Dezember 2012)

Wenn die ersten Zähnchen durchbrechen, beißen Babys gern auf etwas herum. Foto: pa/beyond/godnik

Die Kraft der gelben Steine soll Zahnungsbeschwerden lindern. Mediziner halten das für Unsinn. Kinderärzte warnen wegen der Strangulationsgefahr sogar vor dem Tragen der Bernsteinkette.

Auf die heilende Kraft des Bernsteins wird schon lange vertraut. Im 19. Jahrhundert wurde er zerrieben oder aufgelöst, eingenommen, aufgetragen oder als Räuchermittel verbrannt. Die Ostpreußen lutschten die von der See angeschwemmten Fundstücke, um Halsschmerzen zu bekämpfen und einer rauen Stimme vorzubeugen, sagt Klaus Lenz vom Verein Kraft der Edelsteine Berlin. "Sie wirken positiv auf die Lunge und helfen Babys beim Zahnen". Es gibt daher Bernsteinketten für Kleinkinder. Eltern berichten immer wieder über ihre wohltuende Wirkung.

Wenn die ersten Zähnchen durchbrechen – frühestens circa mit sechs Monaten – sind manche Babys quengelig. Sie weinen mehr, schlafen schlechter. Das Zahnfleisch an der Durchbruchsstelle schwillt an, der Speichelfluss ist erhöht, sie bekommen leichtes Fieber oder Durchfall. Die Bernsteinkette soll helfen. Die Energie, die in den klaren, sonnengelben Bernsteinen gespeichert sei, sorge für Linderung. "Der Stein stärkt durch seine Ausstrahlung", meint Lenz.

Bild: Bernstein wird von alters her auch als Heilmittel verwandt. pa/wildlife/harms

Bernstein ist das versteinerte Harz urzeitlicher Nadelbäume, die vor Millionen Jahren auf dem Gebiet der heutigen Ostsee wuchsen. Es gibt ihn in verschiedenen Farben, dunkelbraun, rötlich bis gelblich-weiß, von trüb bis durchsichtig, in manchen sind Pflanzenreste oder Insekten eingeschlossen. Er ist entflammbar, daher stammt sein alter Name "Brennstein". Im Bernstein gebunden sind ätherische Öle und eine Säure, die sich aber nur durch chemische oder physikalische Prozesse herauslösen lassen und nicht durch das reine Tragen der Bernsteinkette.

Zahn- und Kinderärzte halten die heilsame Wirkung des Bernsteins für Unsinn. Ihr sei "kein wissenschaftlicher Hintergrund zum Thema bekannt", meint die Bundeszahnärztekammer. Dr. Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hält Bernsteinketten für "Hokuspokus" und warnt sogar davor: "Es besteht Strangulationsgefahr. Nach US-Untersuchungen nimmt die Unfall-Zahl zu."

Um der Strangulationsgefahr vorzubeugen, bieten einige Hersteller Bernsteinketten mit Magnetverschluss an, der sich von selbst öffnet, wenn sich das Kind mit der Kette verhakt. Es gibt auch Bernstein-Armbänder. Wichtig ist, dass jede Perle einzeln verknotet ist, damit sich die Steine nicht lösen, falls die Schnur reißt. Das Kind könnte einen Stein verschlucken - was ungefährlich ist, wenn er nicht zu groß ist - oder ihn sich in die Nase stecken. "Man kann auch Bernsteine in ein Leinensäckchen füllen, dies zunähen und dicht an den Körper des Kindes legen. So wie ein Kirschkernsäckchen", schlägt Klaus Lenz vom Verein Kraft der Edelsteine Berlin vor.

Wer nicht an die Kraft der Bernsteinkette glaubt, kann bei Zahnungsbeschwerden andere bewährte Mittel einsetzen. Viele Babys haben in der Zeit einen erhöhten Beißdrang. "Der ist sinnvoll und wichtig, das Kauen massiert das Zahnfleisch und stimuliert das Durchwachsen des neuen Zahnes", so Kinderärztesprecher Fegeler. Man kann die Kinder auf einer Karotte, einem Stück Sellerie oder einem Brotkanten herumbeißen lassen. Manche Mütter nehmen dafür eine Veilchen- oder Eibischwurzel (aus der Apotheke). Auch Kühlung tut gut: Es gibt im Drogeriemarkt Kunststoff-Beißringe, die man in den Kühlschrank legen kann, nicht ins Gefrierfach. Das ist zu kalt.

Um die Schmerzen zu lindern gibt es homöopatische Kügelchen und Zäpfchen sowie Tinkturen und Zahnfleischgels auf der Basis von Pflanzenextrakten (z.B. Kamille). Mit Zahnfleischgels, die betäubende Wirkstoffe enthalten, sollte man vorsichtig umgehen, Lokalanästhetika können Allergien hervorrufen und andere Nebenwirkungen haben. Auch Schmerzmittel in Form von Zäpfchen oder Säften sind zurückhaltend einzusetzen.

Quellen

Gespräch mit der Bundeszahnärztekammer (BZAEK), Berlin, Dez. 2012
Gespräch mit Dr. Ulrich Fegeler, Bundespressesprecher Berufsverband Kinder- und Jugendärzte, Berlin, Dez. 2012
Gespräch mit Klaus Lenz, Verein Kraft der Edelsteine Berlin e. V., Dez. 2012


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