Ab wann Fieber gefährlich wird

Von Klaus Fleck (31. Januar 2014)

Fieber lässt sich oft auch durch einfache Maßnahmen senken. Fotos: Getty/Hope, privat

Kinderarzt Dr. Voitl erklärt, worauf Eltern bei ihrem kranken Kind achten sollten und ab wann Fieber zu behandeln ist.

Wenn Kinder krank sind, spielt oft auch Fieber eine Rolle. Ab wann Fieber gefährlich werden kann und welche fiebersenkenden Maßnahmen Eltern selbst treffen können, darüber sprach Klaus Fleck mit dem Wiener Kinderarzt Dr. Peter Voitl.

GESUND: Ab wann liegt Fieber bei Kindern vor?
DR. PETER VOITL: Gesunde Kinder haben eine Körpertemperatur zwischen 36,5 und 37,5 °C, zwischen 36,1 und 37,8 °C ist meist noch als normal anzusehen. Säuglinge haben etwas höhere Normalwerte. Ein Kind beginnt zu fiebern, wenn die Temperatur rektal – also im Enddarm – gemessen 38 °C oder in der Achsel gemessen 37,5 °C übersteigt. Geringe Temperatursteigerungen können auch durch Umherrennen, zu warme Bekleidung, ein heißes Bad oder heißes Wetter bedingt sein. Dann sollte man die Temperatur nach einigen Minuten nochmals kontrollieren.

Kinderarzt Dr. Peter Voitl. Foto: privatDr. Peter Voitl ist Kinderarzt, Buchautor und Impfreferent der Ärztekammer für Wien, war langjähriger Leiter der Kinderintensivstation im Donauspital und unterrichtet an der Medizinischen Universität. Foto: privat

GESUND: Worauf reagiert der Körper mit erhöhter Temperatur?
DR. VOITL: Die Neigung zu Fieber ist bei Kindern sehr verschieden. Manche bekommen schon bei einer leichten Erkältung höhere Temperatur, andere fiebern selbst bei schwerer Grippe nur leicht. Als Krankheitssymptom allein ist Fieber wenig aussagekräftig. Fieber ist ein Signal dafür, dass sich der Körper mit einer Erkrankung auseinandersetzt. Es entsteht durch Vorgänge im Immunsystem und als Abwehrmechanismus gegenüber Infektionen durch Viren und Bakterien. Andererseits gibt es aber auch schwere Infektionen ohne Fieber. Deshalb ist immer darauf zu achten, wie sich das Kind sonst noch benimmt beziehungsweise wie es reagiert.

GESUND: Was sollte man bei Fieber als Erstes tun?
DR. VOITL: Leichtes Fieber – etwa zwischen 38 und 39 °C – ist nicht grundsätzlich schädlich. Werte darüber können aber den Kreislauf belasten und das Allgemeinbefinden. Wenn die Temperatur über 39 °C steigt und das Kind leidet, vermögen fiebersenkende Medikamente Erleichterung zu schaffen. Für Kinder geeignete Mittel enthalten z.B. Ibuprofen oder Paracetamol, und es gibt sie als Zäpfchen oder Säfte. Sie sind korrekt gemäß der für das Alter angegebenen Dosis zu geben, wenn nötig alle vier bis sechs Stunden. Auf keinen Fall sollten Kinder Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) erhalten, weil diese unter Umständen das lebensbedrohliche Reye-Syndrom, eine seltene Leber-Hirn-Erkrankung, auslösen kann. Als nichtmedikamentöse Maßnahmen empfehlen sich leichte Bekleidung (bei Frösteln aber eine warme Decke), kühle Wadenwickel mit Essigwasser (ein bis zwei Esslöffel Essig auf einen Liter kühles Wasser) und viel Trinken (kühle Getränke, oft und in kleinen Portionen). Wenn kein Schüttelfrost vorliegt und sich das Kind heiß anfühlt, kann ein lauwarmes (nicht kaltes!) Bad für Abkühlung sorgen.

GESUND: Wann sollte man mit dem fiebernden Kind einen Kinderarzt aufsuchen?
DR. VOITL: So bald wie möglich, wenn das fiebernde Kind jünger als drei Monate ist. Bei alle anderen Kindern, wenn das Fieber trotz fiebersenkender Maßnahmen länger als 24 Stunden anhält oder wenn weitere Krankheitszeichen wie etwa Schmerzen, Erbrechen, Durchfall, ein Hautausschlag, Atem- oder Schluckbeschwerden hinzukommen. Nicht lange mit dem Arztkontakt warten sollte man ebenso, wenn sehr hohes Fieber von 41 °C oder mehr vorliegt, bei Kindern unter zwei Jahren bereits 40 °C und mehr, wenn ein Säugling untröstlich schreit oder wenn das Kind einen Fieberkrampf hat. Auch wenn die Kinder das Trinken verweigern, sollte man den Kinderarzt aufsuchen.

GESUND: Wie äußert sich ein Fieberkrampf?
DR. VOITL: Fieberkrämpfe sind Anfälle im Säuglings- und Kleinkindalter, die durch einen plötzlichen und schnellen Fieberanstieg ausgelöst werden. Der meist einige Minuten anhaltende Krampfanfall beginnt damit, dass das Kind das Bewusstsein verliert. Kurz darauf wird der ganze Körper steif, dann kann es zu rhythmischen Zuckungen der Muskeln in Armen, den Beinen oder im Gesicht kommen. Die Haut verfärbt sich bleich oder bläulich. Man sollte nicht versuchen, die Zuckungen zu unterdrücken. Falls sich das Kind erbricht, muss es aber vorsichtig auf die Seite gedreht werden, damit Erbrochenes nicht in die Atemwege gelangt. Wenn der Krampf länger als zehn Minuten dauert, sollte ein Notarzt gerufen werden. In den meisten Fällen hinterlässt ein Fieberkrampf keinerlei bleibende Schäden. Dennoch ist es wichtig, seine Ursache abklären zu lassen.

Infos: Richtig messen

Exakt Am besten ist die rektale Messung im Darmausgang. Sie bietet sich bei Kindern bis sechs an. Spitze mit Vaseline einfetten. Messdauer: drei Minuten bei analogen Thermometern, bei digitalen zeigt ein Signalton oft schon nach 60 Sekunden das Ende der Messung an.

Alternativen Sind die Kinder größer, lässt sich unter der Achsel messen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Wert etwa 0,5 °C niedriger liegt als bei der rektalen Messung. Dieses halbe Grad muss also addiert werden. Alternativ kann man Fieber auch im Mund unter der Zunge messen (ca. drei Minuten).

Ohr Daneben gibt es noch die Messung mit digitalen Thermometern im Ohr. Deren Ergebnis kann durch Ohrenschmalz oder Zugluft verfälscht sein.

Quellen

Gespräch mit Dr. Peter Voitl, Kinderarzt, Kinderkardiologe, Wien, Dez. 2013


Wie lange wurde Ihr Kind gestillt?