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Fit und schön

Tanzen: Fit im Dreivierteltakt

Von Torsten Wendlandt (14. Januar 2011)

Formvollendet müssen die Bewegungen beim Tanzen nicht immer sein. Hauptsache, es macht Spaß. Foto: pa

Tanzen trainiert nicht nur die Muskeln, sondern auch Motorik und Koordination. Es beugt sogar Alzheimer vor. Tango, Cha Cha und Hip Hop gehören zu einer modernen, äußerst vielseitigen und verletzungsarmen Bewegungskultur

Donnerstagabend kann Markus Wolfert zeigen, was er beim Tanzen drauf hat. In "Clärchens Ballhaus", einer altehrwürdigen Institution in Berlin-Mitte, wo manche in der Menge noch perfekt Walzer können. Andere auch Cha Cha, Jive, Tango, Rock'n Roll, Discofox und Jazzdance. Für Wolfert (50) ist es sein Praxistest, der zeigt, wie fit er schon ist, bei Standard- und Latein-Tänzen.

Stunden zuvor hat er Schrittfolgen, Posen und Drehungen von Rumba, Foxtrott und Quickstep vor dem Spiegel trainiert – in seiner eigenen Tanzschule "Schrittvermittlung", bei seinem Lehrer und Mitinhaber Christopher Knack. Der tanzt, seit er fünf ist und lehrt selbst schwierige Elemente beim Tanzen eher spielerisch, leicht und spaßig wie ein Showmaster.

Knack zeigt beinahe unendliche Geduld mit den Schülern, ob 17- oder 70-jährig, ob einzeln, paarweise oder in der Gruppe. "Tanzen hält auch geistig fit und beugt übrigens Alzheimer vor", sagt er plötzlich und blickt zu Wolfert. Die beiden lächeln, Knack ist fast 30 Jahre jünger. Erst vor drei Monaten haben sie "Schrittvermittlung" eröffnet, sie wollen das Image alter Tanzsalons entstauben, sie spielen die Musik, die im Radio läuft. Cha Cha tanzen zum Rocksong "Highway to Hell" von AC/DC? "Das geht sehr gut", sagt Christopher Knack.

Den eigenen Körper beim Tanzen wahrnehmen

Mehr als hundert Klienten kamen schon, die Anfängerkurse sind ausgebucht. "Die Leute haben gemerkt, dass Tanzen ein sehr ästhetischer Fitmacher ist und viele Vorteile hat", meint Markus Wolfert.

Es gibt wohl kaum eine komplexere Bewegungskultur, eine, die den Körper so allseitig belastet wie das Tanzen – noch dazu mit einer ungeheuren Vielfalt an Stilen und Formen. Mit teilweise sehr intensiven, fließenden Bewegungen von Kopf bis Fuß fördert es Muskelzuwachs, Motorik, Koordination und Gleichgewichtssinn. Und während es bei den meisten anderen Sportarten vornehmlich um Punkte, Meter, Zeiten, Tore, Gewinnen und Verlieren geht, bietet der Tanz eine eigene, spezielle Wahrnehmung des Körpers und des Raumes.

"Tänzer konzentrieren sich auf sich, fühlen aber auch die Weite. Das lässt sie die Anstrengung meist weniger spüren und das Glücksgefühl mit dem Lernfortschritt steigen", sagt Elfi Datzer, Dozentin für Tanzstile, Fitness und Gymnastik an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Wichtig für eine positive Wirkung sei, sich auf die Bewegung ganz und gar einzulassen, sich ohne Hemmungen ausdrücken zu wollen. Natürlich setzen die diversen Tänze dabei unterschiedliche Belastungsreize. Eifrige Discogänger, die einen weniger kraftaufwändigen Stil pflegen und dafür eine Stunde durchhalten, tun beim Tanzen eher etwas für ihre Ausdauerfähigkeit. Modetänze wie Zumba, einer USA-Mischung aus Salsa, Samba und Merengue, sind in der Regel von höherer Intensität. Dabei kann man schon mal 400 Kilokalorien pro Stunde verbrennen, abhängig von der Stärke der Hüft- und Armschwünge, der Tiefe der Hocke.

Das Verletzungsrisiko ist relativ gering

Ein anderer moderner Solotanz, der Hip Hop, eignet sich ähnlich wie Breakdance offenbar bestens als Fitmacher für Männer. "Der Zulauf von den Jungs ist hoch. Hip Hop gilt als cool, hebt das Selbstbewusstsein. Weil man hier auch Figuren selbst kreieren kann, fördert das den eigenen Stil", sagt Hip-Hop-Lehrerin Änny Haubenreißer. Die klassischen Paartänze hingegen folgen weit festeren Regeln und Techniken.

Was fürs ungeübte Auge recht kompliziert aussieht, hat einen unschätzbaren Vorzug: Das Verletzungsrisiko ist beim Tanzen äußerst gering. "Mein Mann unterhält in Köln fünf Studios", berichtet Elfi Datzer, "dort gibt es pro Jahr im Durchschnitt insgesamt eine Verletzung." Zudem ist Tanzen, betreibt man es ohne den Leistungsdruck von Turnieren, von überschaubarem Aufwand: Tanzen kann man fast überall und fast jederzeit. Ohne besondere Ausrüstung.

Das gilt selbst für den stolzen Tango, den "vertikalen Ausdruck eines horizontalen Verlangens", wie George Bernard Shaw feststellte. Der Tango-Trend ist zumindest in der Hauptstadt ungebrochen, deshalb will auch die "Schrittvermittlung" den Tanz demnächst in ihr Programm aufnehmen.
 

Studie: Schutz vor Knochenbrüchen

Trittsicher Tanzen verhilft vor allem Senioren zu besserer Balance und Trittsicherheit – und schützt damit vor Knochenbrüchen durch Stürze. Das belegten Forscher der Internationalen Universität Genf in einer Studie mit 134 Erwachsenen im Durchschnittsalter von 75 Jahren. Eine Hälfte übte einmal pro Woche rhythmische Bewegungen im Musiktakt, die andere fungierte als Kontrollgruppe. Nach sechs Monaten hatten die trainierten Rentner Schrittgeschwindigkeit und -größe erhöht, außerdem fielen sie im ersten Jahr nach dem Experiment nur etwa halb so oft hin wie die Teilnehmer der passiven Gruppe.


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Quellen

Gespräch mit Markus Wolfert, Mitinhaber Tanzschule "Schrittvermittlung", Berlin, Jan. 2011
Gespräch mit Christopher Knack, Mitinhaber Tanzschule "Schrittvermittlung" und Tanzlehrer, Berlin, Jan. 2011
Gespräch mit Elfi Datzer, Dozentin für Tanzstile, Fitness und Gymnastik an der Deutschen Sporthochschule in Köln, Dez. 2010
Gespräch mit Änny Haubenreißer, Hip-Hop-Lehrerin, Berlin, Jan. 2011






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