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Fit und schön

Sport mit Herzschrittmacher

Von Klaus Fleck (25. Mai 2012)

Nordic walking ist als Bewegungsprogramm auch für Herzpatienten gut geeignet. Foto: GETTY IMAGES

Auch Herzkranke mit einem implantierten Schrittmacher oder Cardioverter-Defibrillator können sich sportlich betätigen. Sie sollten aber vor dem Training mit dem Arzt sprechen.

Wer sich bewegt, tut seinem Körper Gutes. Das gilt nicht nur für Gesunde, um sich vor Herz-Kreislauf-Krankheiten zu schützen. Auch Menschen, die aufgrund einer bereits bestehenden Herzerkrankung einen Schrittmacher oder Defibrillator in ihrer Brust tragen, können von körperlicher Bewegung und Sport gesundheitlich viel profitieren. Beim Sport mit Herzschrittmacher gilt es allerdings einiges zu beachten.

Grund für das Einsetzen eines Herzschrittmachers sind Herzrhythmusstörungen mit zu langsamem Pulsschlag. Demgegenüber dient ein implantierbarer Cardioverter-Defibrillator (ICD) dazu, lebensbedrohliche Rhythmusstörungen zu behandeln, bei denen sich die Herzkammern extrem schnell oder ungeordnet zusammenziehen. "Prinzipiell sind weder Schrittmacher noch ICD ein Hindernis für regelmäßige sportliche Aktivität, wenn einige Einschränkungen berücksichtigt werden und vor Trainingsbeginn eine ausführliche fachärztliche Beurteilung und Beratung stattgefunden hat", sagt Prof. Bernd Nowak vom Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt am Main.

Welche Sportarten im Einzelfall geeignet und welche Belastungen erlaubt sind, hängt von der Grunderkrankung des Herzens ab: "So dürfen sich Schrittmacher- und ICD-Träger, die außer ihrer Herzrhythmusstörung keine weiteren Herzleiden haben, deutlich mehr belasten als solche mit einer gleichzeitig bestehenden koronaren Herzkrankheit (KHK) oder Herzschwäche", erläutert der Kardiologe, der Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung ist. KHK-Patienten etwa sollten ihre individuelle Belastungsgrenze für sportliche Aktivitäten vorher durch ein Belastungs-EKG ermitteln lassen. Bei Patienten mit ausgeprägter Herzschwäche kann ein spezielles Intervalltraining – mit abwechselnd stärkerer und schwächerer Belastung – sinnvoll sein, um Beschwerden wie Luftnot und Schwäche zu bessern.

Intensive Belastungen im Schulterbereich meiden

"Wenn es die Grunderkrankung zulässt", so Prof. Nowak, "dürfen Patienten mit einem Herzschrittmacher oder ICD fast alle gängigen Sportarten betreiben. Sehr gut für sie ist in der Regel Ausdauersport wie Joggen, Walken, Wandern, Radfahren oder Skilanglauf – dringend abzuraten ist hingegen von Kampfsport wie Karate oder Boxen." Denn hierbei können starke Stöße oder Schläge im Bereich des Schultergürtels die Elektroden beschädigen, die als elastische Verbindung zwischen dem jeweiligen Aggregat und dem Herzen liegen und die elektrische Impulsweiterleitung gewährleisten. Tückisch: Von der Beschädigung merkt der Patient momentan meist nichts, bei den nächsten ausgeprägten Herzrhythmusstörungen kann vom richtigen Funktionieren des Geräts und der Elektroden aber sein Leben abhängen.

Aus ähnlichen Gründen sollten Ballsportarten wie Basketball, Volleyball oder Fußball nur moderat ausgeübt werden, damit es nicht zu übermäßig harten Gegner- oder Ballkontakten kommt. Auch für Tennis, Squash oder Golfen gilt dem Kardiologen zufolge: In Form von Freizeitsport ausgeübt sind sie für die meisten Patienten problemlos. Demgegenüber ist wettkampforientiertes Training mit extremen, intensiven und häufigen Belastungen im Schultergürtelbereich auf jeden Fall zu vermeiden. Steht bei sportlich Aktiven eine Aggregat-Implantation erst noch bevor, ist zu besprechen, auf welcher Körperseite das Gerät eingepflanzt wird: Bei Sportarten mit starker einseitiger Belastung wie Squash- oder Tennis sollte es bei Rechtshändern links und bei Linkshändern rechts platziert werden.

Sturz- und Verletzungsrisiko beachten

Bei einigen ICD-Patienten können Rhythmusstörungen zu plötzlichem Bewusstseinsverlust mit Sturz- und Verletzungsrisiko führen. Das muss bei der Auswahl der Sportart bedacht werden. Eine wichtige Einschränkung gilt für das Tauchen: In tieferen Gewässern kann der erhöhte Wasserdruck zum Eindringen von Gewebsflüssigkeit in das Schrittmacher- bzw. ICD-Aggregat führen und dessen Elektronik beschädigen. Bei zehn Meter Tauchtiefe sollte deshalb Schluss sein.

Hilfen fürs Herz:

Herzschrittmacher und implantierbarer Cardioverter-Defibrillator (ICD) sind prinzipiell ähnliche Geräte: Beide überwachen kontinuierlich den Herzrhythmus und werden bei akut auftretenden Herzrhythmusstörungen aktiv. Sie bestehen aus einem – meist unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzten – Aggregat (Impulsgeber) und einer oder mehreren mit dem Herzen verbundenen Elektroden. Diese leiten herzeigene Signale zum Aggregat und umgekehrt elektrische Impulse zum Herzen.

Einen Herzschrittmacher zu implantieren kann notwendig sein, wenn der Eigenrhythmus des Herzens zu langsam ist, um den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Ein ICD wird bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt, bei denen sich die Herzkammern zu schnell oder ungeordnet zusammenziehen (Kammertachykardie, Kammerflimmern) und die Gefahr eines plötzlichen Herztods besteht. ICDs beinhalten immer auch die Funktionen eines Herzschrittmachers, da es nicht selten zum gemeinsamen Auftreten schneller und langsamer Rhythmusstörungen kommt.

In Deutschland werden pro Jahr rund 71 000 Herzschrittmacher und schätzungsweise 29 000 ICDs implantiert.
Weitere Infos: www.herzstiftung.de
 


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Quellen

Gespräch mit Prof. Bernd Nowak vom Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt am Main, Mai 2012






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