Kosmetik in der Schwangerschaft

Von Michaela Bavandi (26. Oktober 2013)

Entspannen und sich wohlfühlen, mit oder ohne Kosmetik. Foto: picture alliance/Golden Pixels

Schön schwanger: Welche Kosmetik in der besonderen Lebensphase erlaubt ist, erklären Mediziner. Und was ist zu meiden oder gar gefährlich?

Gerade zu Beginn einer Schwangerschaft denken mache Frauen über kosmetische Behandlung und Pflege während der neun Monate nach.

"Diese Fragen werden sehr häufig gestellt. Es macht durchaus Sinn, sich darüber Gedanken zu machen", sagt Prof. Kai J. Bühling, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Frauengesundheit und Leiter der Hormonsprechstunde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Auf die Verwendung der neuesten Trendfarben bei Nagellack und sein Entfernen müsse während der Schwangerschaft keineswegs verzichtet werden. Die in den Entfernern enthaltenen Lösungsmittel wie Aceton "sind aber potenziell schädliche, toxische Substanzen", erklärt Dr. Christof Schaefer vom Pharmakovigilanz-Zentrum Embryonaltoxikologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. "Wenn diese Lösungsmittel gelegentlich verwendet werden, wird dies keine negativen Auswirkungen nach sich ziehen."

Gefährliche Dämpfe

Die sowohl in Nagellack als auch Entferner enthaltenen Lösungsmittel verursachen Dämpfe, die eingeatmet werden können. Eine geringe Konzentration sei unbedenklich. "In hoher Dosierung wirken diese Lösungsmittel auf Gehirn und Nerven und zeigen eine neurotoxische Wirkung", sagt Prof. Bühling.

Arbeitet eine schwangere Frau bis zu acht Stunden täglich, 40 Stunden pro Woche, in einem Nagelstudio, ist sie diesen potenziell schädlichen Inhaltsstoffen, die auf das Zentralnervensystem wirken, länger und verstärkt ausgesetzt, dies sei bedenklich. Eine präventive Maßnahme im Normalgebrauch, um das Einatmen der bei Lösungsmitteln frei werdenden Dämpfe zu umgehen, ist einfach: für gute Belüftung sorgen.

Haare färben?

Das gelegentliche Färben der Haare gilt grundsätzlich als nicht bedenklich. "Wenn es zum Glück der Schwangeren nötig ist, sich die Haare zu färben, dann sehe ich keinen Grund, ihr dieses Glück zu verwehren", sagt Dr. Schaefer. Er empfiehlt jedoch, dies in vernünftigem Maße zu betreiben. Auf exakte Daten und Ergebnisse systematischer, wissenschaftlicher Studien könne diesbezüglich bislang nicht zurückgegriffen werden, erklärt Schaefer.

"Andererseits wissen wir, dass auf die Haut aufgetragene Stoffe zumindest in Rückständen in der Blutzirkulation nachgewiesen wurden. Ob sie schädigend sind, wissen wir nicht", sagt Univ.-Prof. Wolfgang Henrich, Klinikdirektor für Geburtsmedizin an der Charité. Die in Haarfärbemitteln enthaltenen chemischen Substanzen wie etwa Ammoniak werden über die Kopfhaut, nicht über die Haare aufgenommen. "Was nicht auf die Kopfhaut aufgetragen wird, wird auch nicht vom Körper aufgenommen. Das trifft beispielsweise auf das Färben von Strähnen zu", sagt Prof. Bühling.

Weg mit den Härchen

Das Entfernen von Härchen mittels Epilation oder Nassrasur kann in der Schwangerschaft vorgenommen werden. "Dies stellt eigentlich kein Problem dar, auch wenn die Haut in der Schwangerschaft bedingt wasserhaltiger ist. Beim Auftreten richtiger Ödeme sollte man allerdings aufpassen, weil kleine Verletzungen aufgrund der Hautbeschaffenheit erschwert abheilen", sagt Bühling.

Tattoo und Piercings

Beim Setzen von Piercings und Anfertigen von Tattoos während der Schwangerschaft handelt es sich nicht um kosmetische Behandlungen, sondern um Eingriffe. "Diese können ein Infektionsrisiko mit sich bringen und sind für Schwangere nicht akzeptabel", sagt Dr. Schaefer. Es sind lokale Geschehen, die mit Schmerzen und Stress verbunden sein können. Die Farbstoffe der Tattoos werden nicht an der Hautoberfläche gesetzt, sondern tief in die Haut eingebaut. Hinzu kommt, dass die Haut durch die schwangerschaftsbedingte Hormonumstellung mehr Wasser einlagert und stärker durchblutet ist. "Alle Stoffe, die theoretisch von der Haut aufgenommen werden, können in die Blutzirkulation gelangen", sagt Schaefer.

Was manche Frauen auch berücksichtigen sollten: "Bei einem Kaiserschnitt kann es dazu kommen, dass ein über dem Schambereich befindliches Tattoo-Gemälde durchschnitten werden muss", gibt Prof. Henrich zu bedenken.

Vom Setzen neuer Piercings während der Schwangerschaft sei abzuraten. "Das Risiko bei Piercings liegt in der Möglichkeit zu lokalen Infektionsmöglichkeiten. Treten Streptokokken oder andere Gewebeentzündungen auf, dann müsste die schwangere Frau auf jeden Fall ein Antibiotikum wie das in der Schwangerschaft erlaubte Penicillin einnehmen", sagt Dr. Bühling.

Entspannen im Solarium?

Für Sonnenbäder in Solarien sprechen die Experten prinzipiell keine Empfehlungen aus, weil durch die intensive Bestrahlung der Haut-Alterungsprozess beschleunigt wird. Sonnenstudios sollten dementsprechend auch während der Schwangerschaft, wenn überhaupt, dann maßvoll genutzt werden.

Die Richtige Pflege für die Haut: Cremes und Bäder

Durch die schwangerschaftsbedingte Hormonumstellung des Körpers verändert sich auch die Hautbeschaffenheit. Das Bindegewebe wird schwächer, die Haut lagert mehr Wasser ein, sie reagiert empfindlicher gegenüber Hitze und Sonnenlicht. Dehnungsstreifen, Risse im Unterhautgewebe, vor allem am Bauch, aber auch an Hüften und Brüsten können während der neun Monate zum Vorschein kommen.

Durch regelmäßiges und häufiges Eincremen der Haut von Beginn der Schwangerschaft an kann man den Hautrissen, die aufgrund der Dehnung entstehen können, ein wenig entgegenwirken. "Zu empfehlen sind Cremes mit einer ausgewogenen Fett-Feuchtigkeitsmischung", sagt Prof. Kai Bühling.

Aber: "Vor der nächsten Ultraschall-Untersuchung nicht eincremen, um das Bild nicht zu trüben." Zupfmassagen am wachsenden Bauch sowie kalt-warme Wechselduschen stärken und regen die Durchblutung der Haut zusätzlich an.

Entspannungsbäder tun gut. Das Wasser sollte aber nicht zu heiß sein, "denn das Blutvolumen ist während der Schwangerschaft größer als sonst", sagt Bühling. Daher neigen schwangere Frauen dazu, die Wärme empfindlicher wahrzunehmen. Ein zu heißes Bad würde den Kreislauf der Schwangeren belasten.
 

Quellen

Gespräch mit Prof. Kai J. Bühling, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Okt. 2013
Gespräch mit Dr. Christof Schaefer, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Okt. 2013
Gespräch mit Prof. Wolfgang Henrich, Klinikdirektor für Geburtsmedizin an der Charité Berlin, Okt. 2013



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