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No-Poo: Haare ohne Shampoo waschen

Von Katrin Koelle (29. März 2014)

No-poo heißt Haare waschen ohne Shampoo. Foto: picture alliance/Bildagentur-online

No-Poo soll ein gewisser Trend sein. Haare ohne Shampoo waschen, ist das hygienisch? Eine Friseurmeisterin berichtet aus ihrer Erfahrung.

Der Name des Trends ist Programm: No-poo, abgekürzt für No-(Sham)poo, bildet zusammen mit möglichst seltenen Haarwäschen die Basis für ein komplett anderes Konzept der Haarpflege. Statt mit herkömmlichen Shampoos waschen Fans von No-poo ihren Kopf nur mit natürlichen Mitteln wie Lava-Erde, Natron, Seifenkraut oder farblosem Henna.

Einige der Trendsetterinnen nehmen sogar ausschließlich Wasser zum Haarewaschen. Ob das zum hygienisch einwandfreien Reinigen reicht, darüber sind sich Hautärzte uneins.

No-poo als Folge von Problemen mit dem Haar

Während viele meinen, ganz ohne Shampoo oder natürlichen Ersatz dafür ginge es nicht, kommt es nach Ansicht anderer vor allem auf die Wassertemperatur an. So hält zum Beispiel der Frankfurter Dermatologe Dr. Dirk Meyer-Rogge es für ausschlaggebend, dass man bei völligem Verzicht auf Reinigungssubstanzen die Haare mit mindestens 50 Grad warmem Wasser wäscht, da Talg und Fett sich erst dann lösen lassen.

Vom Dermatologen kommen übrigens nicht wenige Freunde des No-poo, denn Auslöser für die grundlegende Umstellung bei der Pflege sind sehr häufig Probleme mit Kopfhaut oder Haaren: "Viele meiner Kundinnen probieren es mit No-poo, weil sie unter chronischen Allergien, Ausschlägen oder anderen Beschwerden leiden, die sich auch bei langwierigen Behandlungen nicht bessern", sagt Daniela Wegener. In den Salon der Berliner Friseurmeisterin kommen aber auch Klienten, die Wert auf natürliche Pflege legen. "Haare, die nach der No-poo-Methode gepflegt werden, fühlen sich fest und kräftig an", sagt Wegener. "Ich spüre sofort, ob eine Kundin ihr Haar mit Shampoo wäscht oder nicht. Bei Frauen, die viel schäumen, hat auch sehr gepflegtes Haar viel weniger Substanz."

Wie oft die Haare waschen?

Eine zentrale Rolle spielt bei No-poo neben dem Verzicht auf künstliche Tenside, Parfüm und andere chemische Stoffe auch die Häufigkeit der Haarwäsche. "Feste Regeln gibt es nicht; manche Frauen fühlen sich mit einmal Kopf waschen pro Woche am wohlsten, andere beschränken sich auf eine Haarwäsche alle zwei oder drei Wochen, und einige kommen gut mit einmal im Monat aus", so die Erfahrungen der Friseurmeisterin. Radikale Verfechterinnen des neuen Trends verzichten sogar völlig aufs Haarewaschen. Das klingt befremdlich: Riecht das nicht unangenehm, sieht das nicht ungepflegt aus? Daniela Wegener: "Ich habe No-poo-Kundinnen mit Haaren bis über den Po, die super gepflegt aussehen und neutral beziehungsweise angenehm duften."

Regelmäßiges Bürsten nutzt dem Haar

Das Rezept für gesundes und schönes Haar: Die altbekannten hundert Bürstenstriche bringen sicht- und fühlbaren Effekt, denn sie dienen auch und vor allem der natürlichen Reinigung. "Wenn Sie die Haare intensiv bürsten, regt das nicht nur die Durchblutung der Kopfhaut an", sagt Daniela Wegener. "Durch die Bürstenstriche verteilt man auch das sogenannte Sebum optimal, also die auf der Kopfhaut haftende Mischung aus Salzen und Talg, die unser Haar besser schützt und pflegt als jede Kur." Besonders verblüffend ist der Pflegeeffekt bei trockenem und dünnem Haar, das durch den guten alten Bürstentrick nach und nach Glanz und Kraft bekommt.

Aber auch wer unter fettigen Haaren leidet, könnte eine angenehme Überraschung erleben, meint Daniela Wegener: Schnell fettendes Haar beruht ja meist auf einer übermäßigen Talgproduktion, erklärt die Naturfriseurin. Durch selteneres Waschen ohne herkömmliche Shampoos plus intensives Bürsten stellt sich die Haut fast immer bald um. Die Talgproduktion reduziert sich in der Regel dann allmählich, und die Haare wirken nicht mehr fettig, sondern locker und gesund.

In diesem Fall hält Daniela Wegener selbst extremes No-poo, den völligen Verzicht auf Haarwäsche, für unproblematisch. Wenn aber die Talgdrüsen auch nach einigen Wochen Umstellung noch auf vollen Touren produzieren, gehts nicht ohne Waschen, schränkt sie ein. Dann nimmt man am besten ein Shampoo ohne künstliche Tenside, das man leicht verdünnt in Kopfhaut und Haaransatz einmassiert. Als optimale Mixtur empfiehlt die Friseurmeisterin, Shampoos generell im Verhältnis 1:5 oder 1:10 mit Wasser zu verdünnen: Wenn man diese Mischung kräftig schüttelt, bilde sich noch reichlich Schaum, der reinigt und entfettet.

No-poo – die Alternativen

Lava-Erde Sie läßt sich gut einmassieren und fühlt sich angenehm cremig an. Die Reinigung erfolgt damit zwar mechanisch, aber durch die feinen Partikel sehr sanft und schonend.

Seifenkraut Durch pflanzliche Tenside bildet es den uns vertrauten Schaum.

Farbloses Henna Es enthält viel natürliche Gerbsäure, die vor allem leicht fettendem Haar gut tut und außerdem alle Haartypen pflegt sowie Glanz gibt.

Natron Das soll gründlich reinigen, wenn man es mit Wasser mischt und ins Haar massiert.


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Quellen

Gespräch mit Friseurmeistern Daniela Wegener, Berlin, März 2014


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