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Fit und schön

Muskelkrampf – was hilft ?

Von Katrin Machowski (19. Januar 2012)

Sportler werden oft von einem schmerzhaften Muskelkrampf gestoppt. Ältere und Schwangere ereilt er oft nachts. F.: Getty Images

Überlastung, Elektrolytverlust, Fehlbelastung oder Medikamente können zu Wadenkrämpfen führen. Was Sie gegen die schmerzhafte Verhärtung unternehmen können

Wenn das erste Zucken auftritt, ist es meistens schon zu spät: Der Muskelkrampf kommt. In der Regel unaufhaltsam und verbunden mit einem stechendem Schmerz, der oft erst nach Minuten wieder abklingt. Vor allem Sportler und ältere Menschen kennen das Phänomen, aber auch Schwangere leiden häufig unter Wadenkrämpfen. Bei einem Krampf spannt sich der Muskel, ein Teil eines Muskels oder auch eine Muskelgruppe ungewollt an und verhärtet sich schmerzhaft. Der Wadenmuskel ist besonders häufig vom Muskelkrampf betroffen. Die möglichen Auslöser sind zahlreich – und die Situationen, in denen der Schmerz kommt, sehr unterschiedlich. Die einen überfällt der Muskelkrampf nachts im Schlaf, andere stoppt er mitten im Sprint und verbannt sie an den Spielfeldrand.

Die erste Maßnahme ist: Dehnung! Dabei wird der befallene Muskel gestreckt, bis sich der Krampf auflöst. Diese Dehnung hat auf die Rezeptoren im Muskel einen ähnlichen Effekt, wie das wohl etablierteste Mittel gegen Muskelkrampf – Magnesium. "Es geht immer darum, die Erregbarkeit der Nerven und damit des Muskels zu senken", erklärt Prof. Dr. Wolfgang Vierling vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der TU München. "Magnesium wirkt erfahrungsgemäß sehr schnell. Es setzt die Erregbarkeit von Zellen herab und verhindert die Überladung mit dem Krampfauslöser Kalzium."

Muskelkrampf durch Magnesiummangel

Etwa jeder Zehnte sei von Magnesiummangel betroffen, schätzt Vierling. Die empfohlene Tagesdosis von 300 Milligramm für Frauen und 400 Milligramm für Männer werde mit der normalen Ernährung oft nicht erreicht. Nüsse und Schokolade füllen zwar den Magnesiumhaushalt auf, sind aber nicht für jeden Ernährungsplan empfehlenswert. Auch bestimmte Medikamente, einseitige Diäten oder der Missbrauch von Alkohol können zu Magnesiummangel führen – und der zu Krämpfen. Vierling rät zum muskelentspannenden Mineralstoff in Tabletten- oder Pulverform: "Wenn Sie sonst gesund sind, probieren Sie Magnesium als Mittel gegen Muskelkrampf! Auf bis zu 600 Milligramm kann man die tägliche Dosis steigern."

Als eher umstrittene Alternative zu Magnesium werden gelegentlich Chininpräparate empfohlen. Zum Beispiel soll Chininsulphat nächtlichem Muskelkrampf in der Wade vorbeugen. "Chinin wirkt muskelentspannend", bestätigt Professor Dr. Vierling, "aber die möglichen Begleiterscheinungen stehen in keinem Verhältnis zur positiven Wirkung." Während bei Magnesium in hohen Dosen als häufigste Nebenwirkung weicher Stuhl zu erwarten ist, liest sich die Liste bei Chininpräparaten bedrohlicher: Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen und Kopfschmerzen können bei Überdosierung auftreten, aber auch Herzrhythmusstörungen und dauerhafte Nierenschäden.

Entsprechend formuliert auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in ihren Leitlinien zum Thema "Crampi": "Magnesium ist wahrscheinlich wirksam, Chinin ist wirksam, sollte wegen der (seltenen) schweren Nebenwirkungen aber erst in zweiter Linie eingesetzt werden." Die wichtigste Empfehlung der DGN gegen Muskelkrampf sind Dehnübungen: Im akuten Fall soll der verkrampfte Muskel gedehnt oder die Antagonisten, also der "Gegenmuskel", angespannt werden. Das gilt aber natürlich erst, nachdem gefährlichere Ursachen für die Muskelkrämpfe ausgeschlossen wurden. Denn nicht nur Überlastung, Elektrolytverlust oder die Einnahme bestimmter Medikamente befördern die Krampfneigung. Auch Thrombosen, neurologische Erkrankungen, Stoffwechselkrankheiten aber auch Fehlbelastungen von Gelenken, Bändern und Muskeln können Gründe sein.

Wechselbäder und Gymnastik beugen vor

Es gibt zahlreiche Tipps und Hausmittel zur Vorbeugung gegen einen "normalen" Muskelkrampf: Entlang der "4 B"– beugen, bewegen, bearbeiten, brausen – werden z. B. Wechselbäder empfohlen, Massagen, Bein- und Fußgymnastik. Wer auf dem Bauch schläft, sollte die Beine über das Bett hinausragen lassen, Rückenschläfer können die Fußsohlen am Bettende oder der Wand anstützen. Einreibungen und Salben mit Arnika und Franzbranntwein werden empfohlen. Am Ende gilt für Mensch und Muskel jedoch vor allem: Hauptsache entspannt bleiben!

Tipps: Krampf-Übung

Dehnen heißt, den Muskel länger machen. Bei einem Krampf in der Wade muss man versuchen, den Fuß nach oben in Richtung Schienbein zu bewegen. Am einfachsten ist es, wenn man Hilfe hat und ein anderer den Fuß beugt.

Hilfe Wer nicht so gelenkig ist, mit gestrecktem Bein an seine Zehen zu kommen, kann ein Handtuch unter die Fußballen legen. Mit beiden Händen zieht man dann die Enden des Handtuchs nach oben und beugt so die Zehen.

Vorbeugen Zur Entlastung oder Vorbeugung: mit den Händen an einem Stuhl oder der Wand abstützen und bei gestreckten Beinen die Fersen auf den Boden stellen. Das Ziehen in den Waden sollte spürbar aber nicht schmerzhaft sein. Position ca. 10 Sekunden halten und nach einer kleinen Pause erneut einnehmen.


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Quellen

Gespräch mit Prof. Wolfgang Vierling, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, TU München, Dez. 2011
Leitlinie "Crampi/Muskelkrampf", Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Stand: 10/2008






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