Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Fit und schön

Lichttherapie gegen trübe Stimmung

Von Torsten Wendlandt (23. Januar 2009)

Das natürliche Sonnenlicht hellt die Seele auf. Foto: pa/ZB

Die dunkle Jahreszeit macht manche Menschen depressiv. Mit einer Lichttherapie können Symptome wie hohe Reizbarkeit und Schlafprobleme behandelt werden.

Diese dunklen, kurzen Tage können einem im wahrsten Sinne des Wortes auf den Wecker gehen. Wir sind niedergeschlagen, unausgeglichen. Die innere Uhr des Menschen, die ihn wach oder müde macht, ist aus dem Takt geraten. Der Grund dafür ist meist ganz einfach. Es fehlt uns an einem Grundelement des Lebens: Licht.

Der Lichtmangel bewirkt im Körper eine höhere Produktion des für den Schlafbedarf zuständigen Hormons Melatonin - wir werden tagesmüde. Außerdem mangelt es am Gehirn-Botenstoff Serotonin (verantwortlich für Denken, Fühlen, Stimmung, Antrieb).

Ein hoher Melatonin- und geringer Serotoninspiegel kann sogar zu depressiven Zuständen führen, die Mediziner sprechen dann von Saisonal Abhängiger Depression (SAD). Hohe Reizbarkeit, massive Schlafprobleme, fehlendes Interesse an körperlicher Nähe und ein übermäßiges Verlangen nach Süßem und Kohlendydraten sind typische Symptome. Erst seit dem vorigen Jahrhundert wird SAD als Krankheit anerkannt und daran ernsthaft geforscht. Rund drei Prozent der Mitteleuropäer leiden darunter. Eine Lichttherapie kann in vielen Fällen helfen

Lichttherapie in Skandinavien: Gute Laune tanken im Lichtcafé

In den besonders lichtarmen Ländern Skandinaviens, deren Suizidrate im übrigen die höchste des Kontinents ist, begegnet man dem Problem seit einigen Jahren mit einer vergnüglich-professionellen Lichttherapie, in geselliger Runde. Allein im schwedischen Stockholm gibt es etwa 50 sogenannte Lichtcafés, wo die hell gekleideten Gäste in hellen Räumen auf ausschließlich weißen Möbeln sitzen und ihr Frühstück oder Mittagessen genießen - bei 3.000 Lux Lichtstärke. So viel nimmt man auf, wenn man hierzulande an einem Frühlingstag aus dem Fenster sieht.

Und so viel ist auch mindestens nötig, um mit einer Lichttherapie eine physiologische Wirkung zu erzielen. Ein mitteleuropäischer Sommertag bietet 10.000, am Äquator sind es rund 80.000 Lux. Dagegen schafft eine gewöhnliche Wohnraum- oder Bürobeleuchtung nur 300 bis 800 Lux.

Einer effektiven Lichttherapie zum Ausgleich des saisonalen Mankos kann man sich recht unkompliziert unterziehen - zu Hause. Das Einsatzspektrum dabei ist groß: Alle Formen von Depressionen, Schlafprobleme (Schichtarbeiter), Ess-Störungen, sogar Jetlag. Einige Fluggesellschaften bieten ihrem Flugpersonal eine derartige Behandlung regelmäßig an.

Speziallampen für die Lichttherapie zu Hause

"Das Gebiet der Lichttherapie erfährt gerade eine gewaltige Renaissance, nachdem es viele Jahre schon klinisch fast tot war. Es wird derzeit sehr viel geforscht, und in nächster Zeit wird eine ganze Reihe von Studien dazu veröffentlicht", sagt Dr. Dieter Kunz.

Der Chefarzt für Schlafmedizin am Berliner St. Hedwig-Krankenhaus setzt die Lichttherapie erfolgreich in der Somnologie (Schlafmedizin) und Psychiatrie ein. Aber auch nur für das tägliche Wohlbefinden und als prophylaktisches Mittel sei sie bestens geeignet. Kunz: "Licht stärkt immer, auch wenn keine Erkrankung vorliegt. Mit zusätzlichem, künstlichen Licht kann man eigentlich gar nichts falsch machen."

Bedauerlich findet Kunz nur, dass die Krankenkassen die Kosten für eine Lichttherapie-Lampe (Anwendung siehe Info-Kasten) nicht übernehmen. Bei solchen 10.000-Lux-Lampen wird das Vollspektrumlicht ohne schädliche UV-Strahlung (im Gegensatz zu Solarien) vorwiegend über das Auge (Sehnerv, Mittelhirn) aufgenommen.

Die beste und preiswerteste Lichttherapie allerdings bietet die Natur selbst. Bald gibt es das natürliche Tageslicht wieder in voller Länge.

Tipps zur Lichttherapie:

Expertentipp: Dr. Dieter Kunz empfiehlt eine Lichttherapie-Lampe mit 10.000 Lux. Die Geräte werden meist in Sanitätshäusern oder im Internet angeboten (100 bis 300 Euro). Lampen, die für medizinische Zwecke zugelassen sind, sind teurer (ab 600 Euro), aber kaum wirkungsvoller, so Kunz.

Anwendung: Immer morgens (auch an symptomfreien Tagen) im Abstand von 50 Zentimetern bei 10.000 Lux für etwa eine halbe Stunde vor die Lampe setzen. Sie können bei dieser Lichttherapie lesen, essen, schreiben. Allerdings: Mit steigendem Abstand verringert sich die Luxzahl drastisch. Jede Minute für fünf Sekunden direkt in die Lampe blicken, dieser Lichtreiz steigert die Wirkung. Da der Stoffwechsel angeregt wird, sollte man dabei Mineralwasser, Tee oder Saftschorle trinken.


Lesen Sie auch

Weitere Beiträge zum Thema Depressionen

Quellen

Gespräch mit Dr. Dieter Kunz, Chefarzt für Schlafmedizin am St. Hedwig-Krankenhaus Berlin, Jan. 2009






Anzeige