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Laufen ohne Dämpfung und Stützung

Von Manfred Pantförder (25. Februar 2011)

Vor- und Mittelfuß sind bei schnellem Laufen gefordert. Fersenlauf ist dann ungünstig. Foto: Imago/Blickwinkel

Den perfekten Schuh zum Laufen zu finden, ist nicht einfach. Mehr Flexibilität, lautet das neue Credo. Welcher Schuh zum Laufen der richtige ist.

Weich gefedert zu laufen, mag angenehm sein. Vor allem dann, wenn Jogging in der Stadt betrieben wird, wo der Untergrund hart ist. Inzwischen mehren sich nach Studien allerdings Erkenntnisse, dass der weiche Schuh dem Fuß, besonders dem Sprunggelenk, eher schaden könnte.

Der Kreation eines weich gepolsterten Laufschuhs lagen zwei Thesen zugrunde: dass Stöße, die beim Laufen entstehen, zu Verletzungen führen und dass ein Schuh dies verhindern könne. "Die Entwicklung von Schuhen mit dicken Sohlen basierte auf zwei Annahmen, für die es keine Belege gab", sagt Prof. Gert-Peter Brüggemann von der Deutschen Sporthochschule Köln.

"Dämpfung und Stützung haben nicht funktioniert"

Auch der Versuch, das Einknicken durch eine Verstärkung der Innenseite des Schuhs zu verhindern, habe sich nicht positiv ausgewirkt. "Die Verletzungsanfälligkeit von Läufern hatte sich nicht geändert", sagt der Leiter des Instituts für Biomechanik und Orthopädie. Das betraf Sportler, die regelmäßig mehr als 30 Kilometer in der Woche gelaufen sind. Erstaunlicherweise machte es bei den Verletzungen keinen Unterschied, ob die Läufer auf Asphalt oder weichem Boden liefen, so der Biomechanik-Experte. "Dämpfung und Stützung haben nicht funktioniert", bilanziert Prof. Brüggemann.

Freiheit für den Fuß

Auf diese Ernüchterung folgte eine Rückbesinnung: "Lasst doch die Gelenke sich natürlich bewegen", wie es der Sportwissenschaftler formuliert. Das ist die Philosophie, die hinter dem Laufschuh steht, der von Fachleuten als Minimalschuh oder Funktionsschuh bezeichnet wird.

Das Weniger an Schuh hat jedoch einige Besonderheiten: Der Laufschuh soll weich sein, aber nicht mehr gedämpft. Flexibel heißt das Zauberwort, das vor allem für die neue Sohle gilt, die in der Längsachse beweglich sein soll, damit die natürliche Drehung von Vor- und Rückfuß möglich ist. Gelaufen wird meist auf dem Vollfuß. Der extreme Fersenlauf ist passé wie die dicke Sohle. Das Obermaterial des Schuhs soll stabil sein, damit der Fuß seitlich nicht wegrutscht. "Ein allgemeiner Sportschuh bietet meist weniger die Möglichkeit, dass der Fuß gut abrollen kann", sagt Prof. Brüggemann.

Knie zu stark belastet

Zuletzt hatte eine US-Studie weitere Hinweise darauf gegeben, dass die Gelenke in weichen Laufschuhen sogar stärker belastet werden, als wenn man barfuß liefe. Forscher an der Universität von Virginia in Charlottesville hatten Sportler mit Schuhen und barfuß auf einem Laufband untersucht. Ein Erklärungsansatz der Sportmediziner ist die Beobachtung, dass Läufer in gepolsterten Schuhen meist intensiv über die Ferse laufen. Dies belaste die Knie stärker, heißt es, und es bremst zudem das Tempo. Denn in dem Fall setzt der Fuß weit vor dem Körper schon auf.

Wird über Mittel- und Vorfuß gelaufen, bleibt die Körperachse gerade und der Läufer nimmt den Schwung quasi mit in den nächsten Schritt. Das gilt vorrangig für kürzere Strecken. Die Füße sind natürliche Stoßdämpfer. Abgefangen wird der Schritt zudem von der Beinmuskulatur. Wenn also Muskeln oder auch Sehnen schmerzen, hilft nicht unbedingt ein weicherer Schuh, sondern besseres Training oder, im Fall von Überlastung, eine Pause.

Viel Beachtung findet das Aufsetzen des Fußes. Dabei ist hingegen das Abdrücken entscheidend für Laufstil und Tempo. Kräftiges Abdrücken, das von der Hüfte unterstützt werden sollte, schiebt den Läufer quasi nach vorn. Das Bein hinten wird dazu lang gestreckt. So entstehen große Schritte, ohne dass der vordere Fuß weit vor dem Oberkörper aufsetzt.  

Schuhsohle bestimmt Abrollbewegung des Fußes

Forscher untersuchen schon seit geraumer Zeit, wie ein beschuhter Fuß optimal abrollen soll. So können die Achillessehnen zu stark belastet werden, wenn mit dem falschen Schuh über die Ferse abgerollt wird. Oder Bänder werden zu stark strapaziert, wenn der Fuß nicht über die Außenkante aufsetzt, sondern bei jedem Schritt stark nach innen einknickt. Eine gewisse Dämpfung ist für die Achillessehne bei hartem Untergrund nur sinnvoll, wenn sie nicht zu weich und nicht zu hoch ausfällt. Denn sonst droht der Lauf schwammig zu werden mit negativen Folgen für die dickste Sehne des Körpers, die dann ins Wackeln und damit unter stärkere Belastung kommt.

Außerdem stellten Sportmediziner fest, dass Muskeln sich zusammenziehen, um eben jene Schwingungen abzufangen, die durch eine zu extreme Polsterung erst ausgelöst werden. Eine Arbeit der Muskeln also, die eigentlich untypisch beim Laufen ist und nur Kraft kostet.

Die Beschaffenheit der Schuhsohle entscheidet darüber, ob der Fuß gut abrollt und das Körpergewicht damit leichter bewegt wird oder ob es dumpf auf den Fuß drückt und diesen malträtiert. Manche Kunststoffmaterialien werden mit der Zeit zu hart. Der flexible Schuh hingegen soll natürliche Bewegung ermöglichen. Fußfehlstellungen hingegen sollten aus Sicht von Orthopäden eher mit speziellen Einlagen ausgeglichen werden.

Ganganalyse und Fußstellungen

Pronation Beim Auftreffen des Fußes auf den Grund kippt er leicht nach innen. Damit wird der Stoß abgefedert. Das ist ein natürlicher, fließender Ablauf, der die einwirkenden Kräfte schonend auf den Fuß verteilt. Liegt eine Überpronation vor, ein starkes Abknicken, ist der Laufstil belastend für die Gelenke.

Supination Das Abknicken nach außen belastet die Zehen stark. Die Bewegung ist steif und führt zu kräftigen Stößen in Rücken, Knie, Sprunggelenke.

Analyse Manche Sportgeschäfte bieten Ganganalysen an. Eventuelle Kosten müssen erfragt werden. Bei bestehenden Problemen beim Laufen kann sich eine selbst zu zahlende Untersuchung lohnen, die Orthopäden oder Sanitätshäuser anbieten. Die Kosten der Analyse variieren je nach Umfang stark zwischen rund 30 bis 300 €.


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Quellen

Gespräch mit Prof. Gert-Peter Brüggemann, Deutsche Sporthochschule Köln, Feb. 2011
US-Studie der Universität von Virginia, Charlottesville, "The Effect of Running Shoes on Lower Extremity Joint Torques", Sep. 2009, in: www.pmrjournal.org


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