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Fit und schön

Hyaluronsäure statt Skalpell

Von Barbara Bückmann (9. März 2012)

Straffung der Gesichtshaut ist ein wesentlicher Eingriff, um Verjüngung sichtbar zu machen. Foto: pa/Chromorange

Die neue Methode der Schönheitschirurgen zur Hautstraffung gilt als schonender. Wird der Traum von ewiger Jugend dank Hyaluronsäure wahr?

Der Traum von ewiger Jugend bedeutet ein ewig glattes Gesicht. Früher ließ sich das nur mit dem Skalpell verwirklichen, beim Facelift wird die Haut straff gezogen. Manch prominenter Patientin brachte diese Schönheits-OP groteske Gesichtszüge ein. Mittlerweile gibt es schonende und unauffälligere Methoden mit Hyaluronsäure, um Falten zu beseitigen – zumindest auf Zeit.

Auch Frauen, die nicht im Scheinwerferlicht stehen, lassen "etwas machen", um frischer auszusehen. Vermehrt setzen Hautärzte und Schönheits-Chirurgen dabei die Hyaluronsäure ein. Der Wirkstoff wird zum Spritzen, Cremen oder Schlucken angeboten. Allerdings wirkt er nicht in jeder Form und nicht überall, sagen Mediziner.

Was die Hyaluronsäure sehr verträglich macht: Sie wird vom Körper selbst hergestellt. Hyaluronsäure besteht aus einer Kette von Zuckermolekülen und kann große Mengen Wasser binden. Der Glaskörper des Auges besteht aus 98 Prozent Wasser, das an zwei Prozent Hyaluronsäure gebunden ist. Hyaluron schmiert die Gelenke, indem es eine Gleitschicht über dem Knorpel bildet und sorgt für straffe Haut, indem es Wasser im Gewebe hält.

Falte von Nasenflügel bis Mundwinkel mit Hyaluronsäure glätten

Mit dem Alter nimmt die Produktion der Hyaluronsäure ab, mit 40 Jahren enthält der Körper nur noch 60 Prozent, mit 60 Jahren noch zehn Prozent des Anfangs-Pegels. Die Augen werden trockener, die Gelenke steifer, die Haut wird schlaffer und verliert an Fülle, Falten graben sich ein. Diese kann der Arzt mit Hyaluronsäure unterspritzen. Am besten geeignet ist dieses Verfahren für die Nasolabial-Falten, die sich von den Nasenflügeln zum Mundwinkel ziehen und für ein vergrämtes Aussehen sorgen können. Kosten: circa 300 Euro, die Wirkung hält sechs bis zwölf Monate an. Die meisten Patienten sind zwischen 40 und 50 Jahre alt.

Zunächst wird die entsprechende Hauptpartie mit einer Creme betäubt. Wer mehr Angst vor Schmerzen hat, lässt sich mit einer Spritze lokal betäuben. Dann sticht der Arzt mit einer feinen Kanüle drei- bis viermal in die Falte und drückt die Hyaluronsäure hinein. Der Effekt tritt sofort ein: Die Falte wird aufgepolstert und glättet sich – aber nicht für ewig. "Die Hyaluronsäure wird vom Körper mit der Zeit wieder abgebaut", erklärt die Berliner Hautärztin Dr. Romika Hilbert.

Allergische Reaktionen auf Hyaluronsäure sind selten

Verteilt sich das Hyaluron ungünstig, kann der Arzt es durch Massage nachmodellieren. Im ungünstigsten Fall muss ein Knoten durch eine Spritze mit Hyaluronidase aufgelöst werden. Nach der Behandlung kann sich die Haut an der Stelle röten oder anschwellen, sie beruhigt sich nach wenigen Tagen. Hat der Arzt beim Spritzen ein Blutgefäß getroffen, gibt es einen blauen Fleck. Auch der verschwindet. Wer eine hohe Blutungsneigung hat, etwas weil er den Blutverdünner Marcumar einnimmt, sollte auf den Eingriff besser verzichten. Patienten, deren Gesichtshaut schon zu stark erschlafft ist, kann die Spritze nicht helfen.

Allergische Reaktionen sind selten, die Hyaluronsäure wird synthetisch hergestellt. Ein Risiko ist das Granulom. Die Hyaluronsäure gibt es in verschiedenen Zubereitungsformen, flüssiger und fester. Günter Germann, Professor für plastische Chirurgie und Handchirurgie an der Universität Heidelberg und Leiter einer Privatklinik für plastische Chirurgie, setzt bei tieferen Falten die festere Variante mit mehr Zuckerketten ein. "Dieses hochvernetzte Hyaluron muss in tiefere Hautschichten kurz über dem Knochen gespritzt werden. In höheren Hautschichten kann es passieren, dass der Körper es als Fremdkörper identifiziert und Gewebe bildet, es entsteht ein Granulom. Im schlimmsten Fall muss es herausoperiert werden."

Großflächigere Hyaluron-Injektionen, um etwa hängende Wangen oder ein faltiges Dekolleté aufzufüllen – hierbei wird die flüssigere Variante verwendet – halten beide Ärzte nicht für sinnvoll: "Das ist sehr schmerzhaft, weil der Patient viel mehr Einstiche hat. Und der Effekt ist nur von kurzer Dauer", sagt Romika Hilbert. Auf jeden Fall rät sie davon ab, die Hyaluron-Behandlung bei einer Kosmetikerin oder einem Heilpraktiker vornehmen zu lassen.

Auch kleine Narben können beseitigt werden

Gabriele E. (45) aus Berlin hat sich schon zweimal Hyaluronsäure spritzen lassen und ist sehr zufrieden. Neben den Nasolabial-Falten hat sie ihren Oberlippen-Rand unterspritzen lassen. Damit verschwinden – ebenfalls auf Zeit – die Knitterfältchen, die sich zur Nase hin ausbreiten und den Lippenstift verlaufen lassen. Die Lippe kann nach den Injektionen aber stärker anschwellen, da sie empfindlicher ist als das übrige Hautgewebe. Mimikfalten wie die Zornesfalte zwischen den Augenbrauen und die Krähenfüße genannten Lachfalten am Augenrand lassen sich schlecht mit Hyaluronsäure behandeln, hier hilft nur das Nervengift Botox. Das Gift lähmt – auf Zeit – die Muskulatur, die Züge entspannen sich.

Hyaluronsäure soll Neubildung von Kollagenfasern anregen

Mit Hyaluronsäure lassen sich auch kleine Narben beseitigen. Neben der wasserbindenden Wirkung soll Hyaluronsäure, wenn sie in die Lederhaut gelangt, auch die Neubildung von Kollagenfasern anregen, die die Haut prall und glatt machen. Wissenschaftlich belegt ist das laut Professor Germann nicht, aber es gebe Hinweise. Bei manchen Patienten verschwinden die Falten nach mehreren Injektionen dauerhaft. "Es muss also eine Gewebevermehrung stattgefunden haben."

Nicht wissenschaftlich belegt ist auch die Wirksamkeit von Hyaluron in Hautcremes. "Die Moleküle dringen nicht in die untere Hautschicht ein, sondern werden vorher abtransportiert", meint Hautärztin Hilbert. Die hautstraffende Wirkung der Cremes könnte auch von beigemengten Vitaminen oder anderen Stoffen herrühren. Hyaluronsäure ist außerdem in Kontaktlinsenflüssigkeit und Nasenspray enthalten, um das Auge beziehungsweise Nasenschleimhäute feucht zu halten, und hilft – vor Ort eingebracht – bei Harnwegs- und Stuhlinkontinenz.

Zweifel an Spritze ins Kniegelenk

Von Hyaluronsäure zum Einnehmen – es gibt sie als Kapsel oder Ampulle – halten beide Mediziner nichts. Laut Werbung wird sie durch den "Stoffwechsel" in Haut und Gelenke transportiert. "Da habe ich meine Zweifel", so Germann. Es ist anzunehmen, dass die aus Zuckerketten bestehende Hyaluronsäure im Magen-Darm-Trakt komplett verdaut wird und nicht die Haut oder die Gelenke erreicht.

Auch bei Arthrose soll sie wirken: Mancher Orthopäde spritzt den Wirkstoff in Gelenke, die wegen der verschlissenen Knorpelschicht Probleme machen. Eine neue US-Studie zeigte aber, dass die ins Gelenk gespritzte Hyaluronsäure nicht wirksamer ist als eine Injektion mit Kochsalzlösung. Ältere Forschungsberichte besagen, dass sie anfangs gute Erfolge zeigt, auf Dauer aber die Nebenwirkungen bis hin zu starken Schmerzen überwiegen.

Im kosmetischen Bereich ist Hyaluronsäure indes auf dem Vormarsch. Einer Patienten-Umfrage der Deutschen Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie zufolge rangierte die Hyaluronsäure-Spritze 2011 bei Frauen auf Rang vier der beliebtesten Eingriffe, fast zwölf Prozent der Patientinnen entschieden sich dafür, damit verdoppelte sich die Rate im Vergleich zum Vorjahr.

Schönheits-OP: Frauen wie auch Männer

Zahlen Nach einer aktuellen Umfrage der Deutschen Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie liegt das Durchschnittsalter der Patienten, die sich verschönern lassen, bei 38?Jahren. Auch Männer lassen sich behandeln, ihr Anteil lag 2011 bei 16,3 Prozent. 56,6 Prozent der weiblichen Patienten leben in einer festen Partnerschaft, bei den Männern sind es 42,2 Prozent.

Frauen Der beliebteste Eingriff bei Frauen ist nach wie vor die nicht zuletzt wegen des Silikon-Skandals ins Gerede gekommene Brustvergrößerung (29,2 Prozent), gefolgt von Fettabsaugen (17,5), Lidstraffung (12,9), Faltenunterspritzung (12,5), Botox (11,6), Facelift (9,7) und Brustverkleinerung (8,6).

Männer Bei den Männern liegt das Fettabsaugen ganz vorn (18,9 Prozent), gefolgt von Lidstraffung (17,8), Nasenkorrektur (13,3), Botox (11,1), Faltenunterspritzung (7,8), Brustverkleinerung (7,8). Auf dem siebten Platz liegt hier die Intimchirurgie (6,8).


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Quellen

Interview mit Prof. Günter Germann, Plastische Chirurgie und Handchirurgie der Universität Heidelberg, Leiter des Ethianum, Klinik für Plastisch-Rekonstruktive, Ästhetische Chirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg, März 2012
Interview mit Dr. Romika Hilbert, Fachärztin für Dermatologie, Berlin, März 2012
DGÄPC-Magazin: Zahlen, Fakten und Trends in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie 2011/2012






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