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Gesund in High Heels laufen

Von Barbara Bückmann (11. April 2012)

Falsche Belastung: Koloriertes Röntgenbild von einem Fuß in High Heels. Foto: Getty/Science Foto Library RM

Hohe Absätze gelten als besonders sexy. Wer ständig in High Heels laufen möchte, sollte aber die Risiken kennen. Mit Übungen kann man die geplagten Füße trainieren

Ob Filmpreisparty oder Charity-Gala: Kaum ein weiblicher Star traut sich ohne High Heels auf den roten Teppich. Der hohe Absatz – ab zehn Zentimetern gilt ein Schuh als High Heel – verlängert optisch die Beine und wirkt erotisch. Wer nur ab und an auf High Heels laufen möchte, hat nichts zu befürchten, wer täglich auf Stöckeln unterwegs ist, kann seine Füße dauerhaft schädigen, meint die Berliner Orthopädin Dr. Nadja Löhde.

High Heels stören den gesamten Bewegungsablauf. Beim natürlichen Gang setzt der Fuß zunächst mit der Ferse auf und rollt dann hauptsächlich über das Großzehengrundgelenk ab. Das dehnt und kräftigt die Fußmuskulatur. Beim High-Heels-Laufen aber setzt die Trägerin den Vorfuß zuerst auf, das gesamte Gewicht lastet auf den Vorfußgelenken. Der Fuß kann sich nicht bewegen, Muskeln und Sehnen werden nicht angemessen beansprucht und können langfristig verkümmern.

Durchs High-Heels-Laufen verkrümmen die Zehen

Zu den High-Heel-Risiken gehört daher der Spreizfuß: Muskeln und Sehnen können das Quergewölbe zwischen großem und kleinem Zeh nicht mehr halten, es sackt ab, und die mittleren Zehengrundgelenke werden zu stark belastet. Sie können sich entzünden, was zu schmerzhaften Schwielen und brennenden Schmerzen führt. Weiterhin können sich bei Frauen, die viel auf High Heels laufen, die Zehen zu Krallen- oder Hammerzehen verkrümmen.

Haltungsprobleme beim High-Heels-LaufenGrafik:
A) Überlastung der Rückenmuskulatur beim Balancehalten. Eventuell schmerzhafte Verspannungen bis in den Nackenbereich, Kopfschmerzen.
B) Das Rückgrat schiebt sich ins Hohlkreuz, Beugemuskeln in der Hüfte verkürzen sich, Fehlstatik im Beckenbereich. Möglich: Wirbelsäulenprobleme.
C) Durch die Steilstellung der Ferse verkürzen sich Wadenmuskel und Achillessehne. Kann zu Schmerzen beim Umsteigen auf flache Schuhe führen.

In den High Heels haben die Zehen meist zu wenig Platz. Dadurch wird der große Zeh zur Fußmitte gedrückt, zugleich schiebt sich das Großzehengelenk nach außen und bildet einen unnatürlichen Ballen. Dieser sogenannte Hallux valgus kann sich schmerzhaft entzünden. Eine fortgeschrittene Fehlstellung durch High-Heels-Laufen lässt sich dann nur noch operativ entfernen.

Muskeln und Sehnen verkürzen sich

Durch die Steilstellung verkürzen sich Wadenmuskel und Achillessehne. Daher haben Frauen, die viel auf High Heels laufen, Schmerzen, wenn sie auf flache Schuhe umsteigen. Auch die Kniegelenke werden fehlbelastet, in Folge lassen sie sich nicht mehr ganz durchstrecken. Die nach innen gedrehten Füße mancher High-Heel-Trägerin vor der Kamera haben dagegen nichts mit den Absätzen zu tun – das ist Pose. Die Kleinmädchen-Haltung soll unbewusst Beschützerinstinkte auslösen.

Kopfschmerzen durch Fehlbelastung der Wirbelsäule

Um auf den hohen Absätzen die Balance zu halten, fällt das Rückgrat ins Hohlkreuz. Zugleich wird die Rückenmuskulatur über Gebühr beansprucht, das kann zu Verspannungen bis hin zu Kopfschmerzen führen. Als letztes Risiko bleibt das Umknicken. Nadja Löhde empfiehlt Frauen, die viel auf High Hieels laufen, im Wechsel auch flache Schuhe zu tragen und viel barfuß zu gehen.

Übungen für High-Heels-Träger

 

Für frischgebackene Mütter sind hohe Absätze ab und an gar nicht verkehrt: Das High-Heels-Laufen trainiert die Beckenbodenmuskulatur, die nach der Entbindung wieder gefestigt werden sollte. Kurz vor der Geburt (ab dem 7. Monat) sollte man sie aber lieber nicht tragen – nicht des Kindes wegen, sondern wegen der Sturz- und Umknick-Gefahr. Bänder und Sehnen sind in der Zeit weicher, auch der Beckenboden muss für die Geburt weich sein. "Der Körper hat dann genug damit zu tun, die Statik mit dem dicken Bauch in den Griff zu kriegen", meint die Berliner Physiotherapeutin Marlies Greffin.

Vor ihrem 18. Lebensjahr sollten Mädchen ebenfalls auf High Heels verzichten, empfiehlt Orthopädin Löhde. Die endgültige Fußlänge ist zwar meist mit 12, 13 Jahren erreicht, doch der Fuß ist noch nicht ausgereift und kann sich bei jungen Mädchen schneller verformen, wenn sie auf High Heels laufen.

 

Fußprobleme: Wo der Schuh drückt

A) Der große Zeh drückt in Richtung der anderen Zehen, das Großzehengrundgelenk schiebt sich nach außen. Folge: unnatürlicher Ballen (Hallux valgus), der sich schmerzhaft entzünden kann.

B) Zuviel Gewicht auf den Gelenken der mittleren Zehen (Spreizfuß). Folge: Entzündung der Gelenke, Schwielen, Schmerzen.

C) Fehlstellung der Gelenke möglich, durch die sich die Zehen zum Hammer- oder Krallenzeh krümmen, oft mit schmerzhaften Hühneraugen.

Quellen

Gespräch mit Dr. Nadja Löhde, Orthopädin, Berlin, April 2012
Torsten Seibt, Verband Deutscher Podologen, Vorsitzender Landesverband Berlin, April 2012

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