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Fit und schön

Füße werden oft vernachlässigt

Von Max Conradt (12. Juni 2009)

Im Sommer werden auch die häufig vernachlässigten Füße wieder vorgezeigt. Foto: pa/Bildagentur Huber

Füße sind starken Belastungen ausgesetzt. Ärzte haben es längst nicht mehr nur mit der Behandlung von Hühneraugen zu tun. Oft geht es um Ballenzehen oder verletzte Gelenkkapseln. Wie Sie Ihre Füße pflegen!

Rechts und links je 26 kleine Knöchelchen, die zusammen vielleicht noch kein halbes Pfund wiegen, dazu Muskeln, Sehnen, Bänder und Nerven - das sind die Füße. Darauf läuft der Mensch, wenn er denn 70 Jahre alt wird, rundweg einmal um die Erde, mehr als 40.000 Kilometer. Von den meisten Menschen wird der Fuß jedoch - bildlich gesprochen - mit Füßen getreten, denn er ist einer der am wenigsten beachteten Körperteile des Menschen.

Die Hände pflegen wir penibel, die Füße aber, diese fantastischen Dauerläufer, stecken in Strümpfen und Schuhen und werden - aus den Augen, aus dem Sinn - unentschuldbar vernachlässigt.

So erleben es jetzt auch die Ärzte, insbesondere die Orthopäden, denen immer häufiger arg zerschundene und auch schwer erkrankte Füße entgegen gehalten werden. Das hat auch mit der Zunahme alter Menschen zu tun, die ungleich länger als die Generationen davor auf gesunde Gehwerkzeuge angewiesen sind, damit sie so lange wie möglich gut zu Fuß sein können.

Füße werden durch die Schuhmode belastet

Wie der Orthopäde und Fuß-Spezialist Dr. Ernst-Helmut Schwer (Klinik Fleetinsel Hamburg) erläutert, werden deshalb heute auch zunehmend mehr Orthopäden, organisiert in der Deutschen Assoziation für Fuß- und Sprunggelenkschirurgie, für die Erkennung und Behandlung der vielfältigen Fußerkrankungen geschult.

Frauen sind häufiger fußkrank als Männer, nämlich im Verhältnis 9 zu 1, was einerseits an der Schuhmode liegt andererseits aber auch an der Festigkeit der Bänder, die bei den Frauen aufgrund hormoneller Einflüsse weicher sind.

Sieben der 26 kleinen Knochen bilden die Fußwurzel, fünf Knochen den Mittelfuß, und die fünf Zehen bestehen aus 14 knöchernen Gliedern. Dieses diffizile Knochengerüst ist unterspannt von Muskeln, Sehnen und Bändern, die ihm sozusagen unter die Arme greifen und es so stabil hochhalten wie Seile eine Hängebrücke. Mit der dynamischen Aufhängung entsteht das Fußgewölbe, das sich in einer Längswölbung von der Ferse nach vorne und in einer Querwölbung von der großen zur kleinen Zehe spannt. Plattfuß, Senkfuß und Spreizfuß sind Folgen einer unzureichenden Gewölbemuskulatur.

Die Ballen müssen die Hauptlast tragen

Eine Faustregel besagt: Wenn die Belastungen der Füße größer sind als deren Belastbarkeit, kommt es über kurz oder lang zu Problemen. Der aufrechte Gang des Menschen verlangt von den Füßen eine enorme Funktionalität. Sohle, Ferse, Zehen, Ballen und weitere Fußteile, dazu dass Sprungbein als Verbindung mit dem Unterschenkel - das alles muss sowohl einzeln als auch im Miteinander funktionieren. Und das gelingt umso besser, so erläutert Schwer, je weniger Gewicht von oben auf die Füße drückt.

Etwa 40 Prozent des Körpergewichts tragen die Fußballen, 33 Prozent die Fersen, 15 Prozent die Außenränder, sieben Prozent die acht kleineren und fünf Prozent die beiden großen Zehen. Im Übrigen beweist die Tatsache, dass der größere Teil auch der älteren Menschen noch immer gut zu Fuß ist, die große Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft der Füße insgesamt, ergänzt Schwer.

Abschied vom Hühneraugendoktor

Lange bot die Medizin lediglich den Hühneraugendoktor auf, der die tief in den Fuß eingewachsenen und sehr schmerzhaften Hornzapfen herausschnitt. Heute machen spezialisierte Häuser wie die Klinik Fleetinsel bis zu 2000 Fußoperationen im Jahr. Am häufigsten sind Ballenzehen und an arthrotischen Veränderungen erkrankte Teile der Füße und des Sprunggelenks zu behandeln, verletzte Gelenkkapseln und Bänder sowie Sehnen, die oft unmerklich für den Patienten langsam nachgeben und plötzlich reißen.

Es stehen jetzt für das Sprunggelenk hervorragende künstliche Gelenke und weitere Implantate aus Edelmetall, Titan und Keramik zur Verfügung, und es gibt zudem viele Operationstechniken, mit denen sich ein Gelenk erhalten lässt. Ist der Gelenkknorpel geschädigt, was oft nach Verletzungen folgt, können dem Patienten heute Knorpelzellen entnommen und daraus in einem Speziallabor neue Zellen gezüchtet werden, die der Patient dann als Reparaturteile erhält.

 

Kleine Fuß-Kunde: Behandlungen

Ballenzehe (Hallux valgus) ist Folge der Schrägstellung eines Mittelfußknochens, der nach außen drängt. Mit neuen Titan-Plättchen lässt sich der auseinandergesägte Knochen wieder korrekt zusammenfügen.

Spreizfuß entsteht, wenn die Knochen des Mittelfußes auseinanderweichen, das Quergewölbe platt gedrückt ist. Druckpolster und Einlagen helfen.

Knick-Senkfuß oder Plattfuß bildet sich bei schwacher Fußmuskulatur, das Längsgewölbe senkt sich ab. Zur Kräftigung der Muskeln Schuhe mit viel Platz für die Füße tragen. Notfalls OP an den Fußwurzelknochen.

Hohlfuß entsteht bei erhöhter Längswölbung und verkürzten Sehnen der Fußsohle. Einlagen oder Operation.

Hammerzehe bildet sich bei verkürzten Sehnen am Zehenmittelgelenk, das sich hochstellt und gegen den Schuh drückt, manchmal in Verbindung mit Spreizfuß. Bandage gegen den Druck oder Operation.

Fersensporn ist ein Knochenauswuchs, der sich entzündet, wo Sehnen am Knochen ansetzen. Krankengymnastik, Einlagen, Kälte- u. Stoßwellentherapie, Medikamente, selten Operation.
Riss der Achillessehne als häufige Sportverletzung. Mit Gipsverband, Spezialschuh oder Orthese ein paar Wochen ruhigstellen. Bei OP werden gerissene Sehnenteile vernäht.


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Quellen

Gespräch mit Dr. Ernst-Helmut Schwer, Orthopäde und Fuß-Spezialist, Klinik Fleetinsel Hamburg, Juni 2009






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