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Fit und schön

Fische sorgen für die perfekte Pediküre

Von Ela Dobrinkat (3. Januar 2012)

Fische an den Füßen. Foto: Imago

Fernöstlicher Trend in deutschen Kosmetikstudios: Kleine Saugbarben sorgen für ein exotisches Fuß-Peeling. Aber wie hygienisch ist das Verfahren?

Hat die traditionelle Pediküre bald ausgedient? Fußpfleger erhalten jetzt auch tierische Hilfe. Was es in einigen Regionen Ostanatoliens, im Irak und in Syrien in der Natur gibt, ist hierzulande der neueste Trend in Kosmetikstudios. Immer mehr Wellness-Fans tauchen ihre Füße und Waden in spezielle Aquarien und lassen sie von kleinen Knabberfischen reinigen - ein exotisches Peeling, das die Haut samtweich zurücklässt. Ganz unumstritten ist die Pediküre aber nicht.

Es kribbelt wie Wasser mit Kohlensäure

Langsam taucht die Kundin ihre Füße ins lauwarme Wasser des 120-Liter-Beckens, das mit lauwarmem Süßwasser gefüllt ist. Schon macht sich ein Schwarm der Rötlichen Saugbarben (lateinisch: Garra rufa) - auch Kangalfisch oder Doctor Fish genannt - an Füßen und Waden zu schaffen. Es kribbelt angenehm wie in Wasser mit Kohlensäure, beschreibt sie ihr Gefühl, und es kitzelt ein bisschen.

Gesundheitsamt überwacht die Hygiene

Die Tiere aus der Familie der Karpfenfische sind zwei bis drei Zentimeter groß und erinnern an Guppys aus dem heimischen Aquarium. Etwa 30 Fische pro Fuß stupsen und grasen jetzt sehr zart die obersten Schuppen ab. Ein Erlebnis, sagt die Kundin nach dem halbstündigen Fisch-Peeling. Die Haut fühlt sich jetzt samtweich an - sogar unter der Ferse. Andere sprechen von einer Micromassage, die die Haut gut durchblute.

Geschäftsidee aus Thailand

Andreas Heine hat die Geschäftsidee aus Thailand nach Berlin importiert und gerade sein zweites Geschäft mit Beauty-Aquarien eröffnet. Ein schwieriges Unterfangen, denn die Behörden verlangen viel von ihm. Er braucht nicht nur einen Tierarzt, der die Gesundheit seiner 900 Fußpfleger mit Schuppen und Flossen überwacht, er muss ständig Wasserqualität und Temperatur in den Becken überprüfen. Das Gesundheitsamt wacht über die Hygiene, und von den Mitarbeitern des Veterinäramtes wird er ebenfalls kontrolliert. Sie passen auf, dass die Tiere durch ihren Job im Beauty-Spa nicht gestresst werden.
Da aus hygienischen Gründen pro Kunde das Wasser ausgetauscht werden muss, hat Heine dafür Sorge zu tragen, dass dieser Wasseraustausch sehr langsam und für die Tiere stressfrei vonstatten geht.

Fische können Keime übertragen

Wenn er neue, einige Monate alte Fische kauft, müssen diese zunächst drei Wochen lang in Quarantäne, um auszuschließen, dass die Fische krank sind. Sie könnten durchaus Keime auf den Menschen übertragen. Nur kleine, nicht geschlechtsreife Fische arbeiten für ihn. Die etwas aggressiveren älteren gibt er dem Züchter zurück. Seine Fische müssen nicht von Hautschüppchen leben, die sie bei der Pediküre zu sich nehmen, sondern erhalten zusätzlich Fischfutter. Drei bis fünf Euro kosten die Tiere im Handel. Sie sind mit fortgeschrittener Aquaristik-Kenntnis auch in heimischen Becken zu halten.

Fische aus der Ost-Türkei

Während Fischtherapien für Kranke schon länger existieren (siehe Info-Kasten rechts), sind die Tiere für das Absaugen gesunder Haut im Kosmetikstudio neu im Einsatz. 2006 eröffneten die ersten Fisch-Spa-Resorts in Japan und Kroatien. Die erste Fisch-Pediküre gab es 2008 in den USA. Die Saugbarben aus der Gegend Kangal in der Ost-Türkei wurden 1843 vom deutschen Biologen Johannes Jakob Heckel für die Fachwelt entdeckt. In den dortigen heißen Quellen mit einer Temperatur von 36 Grad Celsius lebten die Tiere schon lange ohne Scheu vor den Menschen. Sie fanden wegen der hohen Wassertemperatur kein Plankton und gewöhnten sich stattdessen an das Eiweiß der menschlichen Hautschuppen. Dabei gründeln sie auf ihrer Nahrungssuche in der oberen Hautschicht nach Nahrung und lösen so abgestorbene Schuppen ab. Noch nicht genügend erforscht ist, ob die Fische bei ihrer Putzarbeit am Menschen einen hautfreundlichen Stoff in ihrem Schleim oder ein besonderes Enzym absondern, das zur Glätte und Schönheit der Haut beiträgt.

Infektionsrisiko kann bei der Fisch-Pediküre nicht ausgeschlossen werden

In Andreas Heines Salon werden die Kunden sehr genau auf Nagel- oder Fußpilz untersucht. Es mussten schon einige Kunden nach Hause geschickt werden, sagt er, denn seine Fischchen dürfen nur gesunde Haut anknabbern. HIV-Patienten und Hepatitis-B- und -C-Kranken ist die Behandlung ebenfalls verboten, eine Infektionsgefahr kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Es ist allerdings noch nicht erforscht, ob die Tiere sich bei Menschen infizieren können und die Erreger bei der nächsten Behandlung weitergeben könnten. Aus Kangal, wo die Fische schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts genutzt werden, sind solche Infektionen bisher nicht bekannt.

Prozedur dauert eine halbe Stunde

In Berlin werden die Füße jedes Kunden zuvor gründlich gereinigt und erhalten eine traditionelle Pediküre, bevor die Fische sie zum Abschluss noch polieren. In Heines Fisch-Spa dauert die Prozedur etwa eine Stunde. Fußpflegerin Olga überlässt nach einer halben Stunde Arbeit ihren Job den geschuppten Kollegen im Aquarium.

Infos: Fisch-Therapie

Ichthyotherapie Außerhalb von Pediküre-Studios und Beauty-Spas wird die Fisch-Therapie schon lange bei Patienten mit Hautkrankheiten wie Schuppenflechte (Psoriasis), Neurodermitis, Akne, Ekzemen eingesetzt. Das erfordert wegen der Ansteckungsgefahr strenge hygienische Maßnahmen.

Heilerfolg Einen Beweis für den Erfolg einer Fisch-Therapie erbrachten Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien: Ihre Patienten mit Schuppenflechte konnten in Verbindung mit UVA-Bestrahlung ihr Leiden erheblich lindern.


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Quellen

Gespräch mit Andreas Heine, Betreiber des Doctor Fish Spa, Berlin, Dezember 2011
"Minister hält Fischpediküre für unhygienisch", dpa-Meldung vom 10.3.2011






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