Anzeige

Anzeige

Kick fürs Leben: Diabetes und Sport

Von Susanne Wächter (1. Dezember 2015)

Kickboxerin Anja Renfordt bei einem Training. Fotos: privat

Diabetes und Sport sind keine Gegensätze. Anja Renfordt ist mehrfache Kickbox-Weltmeisterin und braucht seit ihrem zweiten Lebensjahr Insulin.

Sport und Diabetes gehören irgendwie zusammen. So dachte sich das Anja Renfordt, als sie als Teenager anfing, das Kickboxen intensiver zu betreiben. Die heute 34-jährige und sechsfache Kickbox-Weltmeisterin im Amateurbereich hat Diabetes Typ 1. Seit ihrem zweiten Lebensjahr lebt sie mit ständigen Blutzuckermessungen und Insulinspritzen. Eingeschränkt hat sie sich nie mit ihrer Erkrankung gefühlt. "Da bin ich meinen Eltern unwahrscheinlich dankbar. Geht nicht, gab's bei uns nicht. Stand etwa eine Klassenfahrt an, meinte meine Mutter immer, das machen wir schon, das funktioniert. Und es hat funktioniert", sagt Renfordt lachend.

Wenn die hochgewachsene schlanke Frau mit den langen dunklen Haaren über ihr Leben mit der Zuckerkrankheit spricht, klingt alles so einfach, so selbstverständlich. Aber vielen ist der Umgang mit Diabeteserkrankten zu verantwortungsvoll, mit zu vielen Risiken verbunden. Eine Über- oder Unterzuckerung kann im Extremfall lebensbedrohlich werden.

"Die Hauptverantwortung liegt bei mir"

An diesem Tag bildet der Besuch der Leistungssportlerin im Essener Elisabeth-Krankenhaus einen der Höhepunkte zum zweiten Essener Tag für Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1. Ständig sind Renfordt und ihr Diabeteswarnhund "Candy" von einer Kindermeute umzingelt. "Darf ich mal streicheln", fragt ein blondes Mädchen und kniet sich auf den Boden. Candy, ein Gebirgsschweißhund, kommt mit ihrer feuchten Nase ganz dicht an das Gesicht des Mädchens. So ähnlich reagiert sie auch, wenn der Blutzuckerspiegel ihres Frauchens Renfordt sinkt. Dann stupst Candy ihr Frauchen so lange an, bis sie reagiert. Candy wurde bei DiabDogs ausgebildet und hat gelernt, mit ihrer sensiblen Nase den sinkenden Blutzucker wahrzunehmen. "Candy bringt mir dann mein Messgerät", sagt Renfordt, die betont, dass ein solcher Hund eine gute Unterstützung sei. Sie sagt aber auch: "Die Hauptverantwortung liegt immer noch bei mir."

Doch damals, als sie noch aktive Leistungssportlerin war, hatte sie Candy noch nicht, musste sich ganz auf ihr erlerntes Körpergefühl verlassen. "Vor, während und nach dem Training musste ich messen", sagt Renfordt. Das gehe irgendwann in Fleisch und Blut über. Es sei ein Automatismus, der einfach zu ihrem Leben dazugehöre. Ihre Eltern hätten früher durchaus in der Nacht ihren Blutzucker gemessen. Sie selbst mache es nicht. Auch nicht, wenn sie am Abend beim Training war.

Zur Person: Anja Renfordt

Anja Renfordt wurde 1980 im nordrhein-westfälischen Attendorn geboren und lebt heute im nahe gelegenen Lüdenscheid. Seit ihrem zweiten Lebensjahr ist sie Diabetikerin Typ 1. Sechsmal errang Anja Renfordt den Weltmeistertitel im Kickboxen, das letzte Mal 2011 im irischen Dublin. Seitdem ruht ihre sportliche Karriere. Die gelernte Physiotherapeutin setzt sich in ihrer Freizeit für Kinder und Jugendliche mit Diabetes ein, unterstützt sie und informiert mit Vorträgen über das Leben mit der Erkrankung.

Lesen Sie auch

Weitere Beiträge zum Thema Diabetes


Apotheken-Notdienst

Anzeige