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Glatte Haut mit dem Dermaroller?

Von Kirsten Schiekiera (22. Mai 2013)

Die Behandlung mit dem Dermaroller soll Falten und Aknenarben lindern. Foto: Getty Images/Cultura RF

Mit seinen winzigen Nadeln verursacht der Dermaroller Mikroverletzungen in der Haut. Dadurch soll die Kollagenproduktion angeregt werden.

Dermaroller heißt das Gerät und es sieht auf den ersten Blick absolut harmlos aus. Erst beim näheren Hinschauen entdeckt man die unzähligen winzigen Nadeln, die an der Walze sitzen. Bearbeitet man mit dem kleinen Folterinstrument Gesicht oder Körper, dann piekst es ordentlich. Die Haut rötet sich, einzelne Bluttropfen glitzern. Das klingt wenig verlockend – und doch gibt es immer mehr Menschen, die sich freiwillig unter den Dermaroller begeben und dafür auch Geld zahlen. Das Gerät wird beim "Microneedling" eingesetzt, einem neuen Verfahren zur Hautglättung.

"In Deutschland ist Microneedling noch verhältnismäßig wenig verbreitet, in den USA aber auch in Schwellenländern wie Indien ist es bereits sehr populär, weil es einfach und relativ billig ist, dabei aber gute Ergebnisse erzielt", sagt Dr. Markus Steinert vom Verband der Deutschen Dermatologen.

Mindestens 1000 Euro für die Verjüngungskur mit dem Dermaroller

Richtig angewandt, kann Microneedling mit dem Dermaroller Aknenarben, Schwangerschaftsstreifen, Cellulite und Mimikfalten verringern. Einige Ärzte, bewerben die Microneedling-Behandlungen als "Reset-Taste für die Hautalterung". Ein ziemlich verlockender Gedanke für viele Männer und Frauen, auch wenn sich bei mehreren aufeinander folgenden Behandlungen mit dem Dermaroller die Kosten auf 1000 Euro und mehr belaufen können.

Das Verfahren regt die Bildung von Kollagen an, einem Stoff, der entscheidend für ein frisches und straffes Hautbild ist. Der menschliche Körper bildet zwar bis ans Lebensende Kollagen, doch im Lauf der Jahre geht die Produktion des Eiweiß-Stoffes zurück. Allerdings kommt die körpereigene Kollagenproduktion jederzeit wieder in Schwung, wenn die Haut Narben bilden muss. Und an diesem Punkt kommt der Dermaroller ins Spiel, der der Haut zahlreiche Mikroverletzungen zufügt.

Die Kollagenproduktion wird nachhaltig angekurbelt

Um genau zu sein sind es 2600 Löcher, auf der Größe einer Streichholzschachtel, die sich nach einer Behandlung aneinander reihen. Der Körper produziert jetzt den gewünschten Stoff in hohen Mengen, kleine Falten verschwinden und Narbengewebe wird geglättet. Neue Narben entstehen nicht, dazu sind die Verletzungen viel zu klein. "Erste Erfolge sieht man oft sofort. Da die Kollagenproduktion über mehrere Monate nachhaltig angekurbelt wird, dauert es in der Regel vier bis sechs Wochen, ehe man das endgültige Ergebnis sieht", sagt Michael Schmidt-Kulbe, der das Verfahren in seiner Berliner Praxis anbietet. Drei bis vier Behandlungen in Abständen von mehreren Wochen seien in der Regel nötig, um das Hautbild deutlich sichtbar zu straffen oder zu verfeinern. Oft wird das Verfahren mit der Gabe von Vitamin-A-, Vitamin-C- oder Hyaloron- Salben kombiniert, die für einen zusätzlichen Verjüngungskick sorgen sollen.

Schmerzen trotz Betäubungs-Salbe

"Jeder der sich fürs das Verfahren entscheidet, sollte wissen: Das ist absolut keine Spa-Behandlung", warnt Schmidt-Kulbe. Die Haut der Patienten und Patientinnen wird zwar mit einer Betäubungs-Salbe weitgehend unempfindlich gemacht, das kollagenfördernde Herumgepiekse mit dem Dermaroller im Gesicht ist dennoch zu schmerzhaft spüren und alles andere als angenehm. Danach "arbeitet die Haut", wie die Ärzte erklären und die Patienten haben das Gefühl, dass die behandelten Partien glühen. Das ist selbstverständlich ein gutes Zeichen, führt jedoch zu leichten Schwellungen und einer tiefroten Gesichtsfarbe, mit der sich nur Menschen mit einem extrem stabilen Selbstbewusstsein in die Öffentlichkeit wagen dürften. Vor einem anstehenden Rendezvous zum Needling zu gehen, ist also eine ganz schlechte Idee.

Bei aktiver Akne ist der Dermaroller nicht geeignet

Am nächsten Tag sieht das Hautbild meist schon bedeutend besser aus, die letzten Rötungen sind nach einigen Tagen komplett verschwunden. "Die besten Ergebnisse erzielt Microneedling bei kleinen Aknenarben", sagt Dr. Markus Steinert. Nicht geeignet sei das Verfahren mit dem Dermaroller jedoch bei Menschen, die unter einer aktiven Akne leiden, Problemen mit der Bildung von Narben haben oder blutverdünnende Medikamente einnehmen.

"Wer sich für das Microneedling entscheidet, sollte sich an Ärzte wenden, die bereits Erfahrungen mit dem Verfahren haben. Bei den meisten Hautärzten, die sich auf ästhetische Behandlungen spezialisiert haben, ist das der Fall", sagt Dr. Steinert. Oft führen auch die Kosmetikerinnen, die in den ärztlichen Praxen und in Schönheitskliniken angestellt sind, die Behandlungen mit dem Dermaroller durch. An Kosmetikinstituten, die nicht medizinischen Einrichtungen angegliedert sind, darf das Verfahren nicht angewendet werden.

Dermaroller:

Die Nadeln der Dermaroller haben je nach Körperregion eine Länge von 0,5 bis 2 Millimeter. Zur Behandlung der Stirnregion werden die kurzen Nadeln eingesetzt, geht es darum, beispielsweise Schwangerschaftsstreifen zu glätten, dann müssen die Nadeln in tiefere Hautschichten eindringen und folglich länger sein. Im Handel erhältlich sind auch Roller, die explizit zur Heim-Anwendung verkauft werden. Sie haben sehr kurze Nadeln, die lediglich oberflächlich eindringen. Diese Roller erzielen nicht den gleichen Effekt wie ein medizinisches Microneedling, sie wirken eher wie ein Massagegerät.

Kollagen:

Ab einem Alter von 35 bis 40 Jahren geht die Produktion des Eiweiß-Stoffes zurück. Außerdem werden die Zellen des vorhandenen Kollagens im Laufe der Zeit porös, hart und dünn. Das Ergebnis: Die Haut verliert an Spannkraft, Geschmeidigkeit und Elastizität und bildet Falten. Seit Jahren versucht die die Kosmetikindustrie mit immer neuen Cremes und Mixturen, das Kollagen und in die Haut zu transportieren und damit die Alterungsprozesse zu beeinflussen. Allerdings weiß man heute, dass von außen zugeführtes Kollagen die "alten" Kollagenzellen nicht ersetzen kann, da der menschliche Organismus nicht in der Lage ist, körperfremde Eiweißstoffe zu verarbeiten. Zudem wirken Cremes und Ampullen nur in den äußeren Hautschichten. Die tieferen Hautschichten, die hauptsächlich für das gesunde und frische Aussehen der Haut verantwortlich sind, werden durch Anti-Aging-Kosmetik nicht erreicht.

Quellen

Gespräch mit Dr. Markus Steinert, Verband der Deutschen Dermatologen, April 2013
Gespräch mit Dr. Michael Schmidt-Kulbe, Dermatologe, Berlin, April 2013

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