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Fit und schön

Bleaching – die Weißmacher

Von Barbara Bückmann (2. September 2011)

Gepflegte weiße Zähne sind Garanten für ein einnehmendes Lächeln Foto: PA/Bildagentur online

Verfärbte Zähne können mithilfe verschiedener Mittel aufgehellt werden. Doch nicht jeder Patient eignet sich für ein Bleaching. Vorher sollte man sich beim Zahnarzt untersuchen lassen

Reinweiße Zähne symbolisieren Schönheit, Jugend, Erfolg. Doch die Zahnfarbe changiert bei meisten Menschen von Natur aus gräulich bis gelb. Weißmacher-Pasten beseitigen äußere Verfärbungen durch Tee oder Nikotin, der Aufhelleffekt ist gering. Wirksamer ist das sogenannte Bleaching mit Bleichmitteln, die in den Zahnschmelz eindringen. Das Zähnebleichen ist für weibliche Hollywood-Stars so selbstverständlich wie die Bein-Rasur. Doch Weißmacher-Zahnpastas und Bleaching können Schaden anrichten, wenn die Zähne nicht gesund sind.

Das Bleaching der Zähne funktioniert ähnlich wie das Blondieren der Haare. Wirkstoff ist ein Peroxid (Wasserstoffperoxid oder Carbamidperoxid). Dessen Moleküle sind so klein, dass sie in die Gitterstruktur des harten Zahnschmelzes eindringen. Darin abgelagerte Farbpigmente werden aufgespalten und dadurch farblos. Wer weißere Zähne haben will, kann zu Hause bleichen (Dauer: ca. zwei Wochen) oder dafür zum Zahnarzt gehen (1 Stunde). Um wie viele Stufen sich die Zähne dabei aufhellen, lässt sich vorab nicht prognostizieren.

Wer selber bleicht, braucht geschickte Hände

Für das Home-Bleaching gibt es beschichtete Strips, die man sich auf die Zähne klebt. Hierbei ist Geschicklichkeit gefragt, denn das ätzende Peroxid sollte nicht mit dem Zahnfleisch in Berührung kommen. Der Wirkstoff in den Strips ist mit drei bis vier Prozent recht gering dosiert, sie funktionieren trotzdem, das belegen Studien.

Größer ist das Verletzungsrisiko bei Sets, die ein Bleichgel und vorgefertigte Schienen enthalten. Das Gel (10 bis 15 Prozent Wirkstoff) wird in die Schienen geträufelt, die sich durch die Körperwärme der Kieferform anpassen sollen. Sie bleiben ein bis mehrere Stunden im Mund. Stefan Rüttermann, Oberarzt an der Düsseldorfer Poliklinik für Zahnerhaltungskunde, warnt vor diesem Verfahren. "Die konfektionierten Schienen sitzen nicht optimal. Wenn Gel austritt, verletzt es das Zahnfleisch. Beim Verschlucken greift es die Magenschleimhaut an."

Für und wider Power-Bleaching

Der Düsseldorfer Mediziner empfiehlt daher das vom Zahnarzt überwachte Home-Bleaching: Der Patient erhält in der Praxis das Bleichgel mit passgenau nach seinem Kiefer-Abdruck angefertigte Schienen. Die sind so geformt, dass sie mit dem Zahnfleischrand abschließen. Der Berliner Zahnarzt Mark Gomballa hat auch damit schlechte Erfahrungen gemacht: "Da geht durch unsachgemäßen Gebrauch oft was schief, wir bieten das nicht mehr an".

Die Alternative zum Selber-Bleachen ist das Office-Bleaching in der Praxis. Zunächst legt der Zahnarzt eine Schutzschicht aus flüssigem Kunststoff auf das Zahnfleisch. Dann pinselt er das hochdosierte Bleichmittel (35 Prozent Wirkstoff) auf die Zähne. Um die chemische Reaktion zu beschleunigen und intensivieren setzt Gomballa eine Laserlampe ein. Dieses Power-Bleaching ist umstritten, denn die dabei entstehende Wärme kann dem Zahnnerv schaden. "Ich würde das nicht machen", so Rüttermann.

Manchmal reicht schon die professionelle Zahnreinigung

Patienten, die ein Bleaching wünschen, schickt der Kliniker zuerst zur professionellen Zahnreinigung. Dabei werden die Zähne von einer Helferin gesäubert, von Belägen befreit und poliert. "Einige sind mit dem Ergebnis so zufrieden, dass sie auf das Bleichen verzichten". Auch Gomballa macht mit Bleaching-Kunden zunächst einen Termin für die professionelle Zahnreinigung. Nur blitzblanke Zähne lassen sich effektiv bleichen.

Einige Patienten kommen fürs Bleaching nicht in Frage: "Wer Karies hat, defekte Füllungen, Risse im Zahnschmelz oder unter Zahnfleischtaschen oder Zahnbettentzündung leidet, kann nicht behandelt werden", so der Zahnarzt. Zähne und Zahnfleisch müssen vor der Behandlung saniert sein, damit das giftige Peroxid nicht etwa an den Zahnnerv gelangt.

Vor dem Bleaching sollte man auf jeden Fall seinen Zahnarzt konsultieren, heißt es daher bei der Bundeszahnärztekammer. Leidet der Patient etwa unter freiliegenden Zahnhälsen, kann das Home-Bleaching zu einer schmerzhaften Erfahrung werden: An den Stellen fehlt die schützende Schmelzschicht und das ätzende Gel kann ungehindert das empfindliche Zahnbein angreifen. In der Praxis deckt der Zahnarzt freiliegende Zahnhälse mit Kunststoff ab. Achtung: Keramik-Kronen und Verblendungen reagieren nicht auf Bleichmittel, es kann also komisch aussehen, wenn die natürlichen Zähne rundrum plötzlich heller sind.

Nach dem Bleaching sind die Zähne sehr empfindlich

Nach dem Bleichen ist es wichtig, die Zähne zu fluoridieren. Das härtet den Zahnschmelz. Der kann weicher und rauer sein, erholt sich aber wieder. "Bei gesunden Zähnen wird der Schmelz nicht nachhaltig geschädigt. Ist der Schmelz aber zum Beispiel durch den zu häufigen Genuss von sauren Getränken vorgeschädigt (Erosion), rate ich vom Bleachen ab", so Rüttermann. In einer Hinsicht schade das Bleachen auf jeden Fall: Die Zähne sind nach der Behandlung deutlich schmerzempfindlicher. Bei manchen Patienten hält das Wochen an.

Während der Home-Bleaching-Behandlung sind stark farbige Nahrung und Getränke tabu, auch nach dem Office-Bleaching sollte man für zwei Tage darauf verzichten, weil die Zähne die Farbstoffe stärker aufnehmen.

Das Bleaching hält nicht ewig, nach zwei bis drei Jahren dunklen die Zähne wieder nach, beim Home-Bleaching oft schon nach einem Jahr. Ob und wie färbend Tee, Kaffee, Rotwein und Nikotin wirken, hängt dabei von den individuellen Ernährungsgewohnheiten, der Zahnpflege und der Speichelzusammensetzung ab.

Mit spezieller Zahn-Pasta gegen Verfärbungen

Wer nicht gleich bleachen will, kann äußerlichen Flecken und Verfärbungen mit einer Weißmacher-Zahnpasta zu Leibe rücken. Die Zeitschrift "test" ließ Probanden mit verschiedenen Marken putzen und stellte fest: Weiße Wunder gibt es nicht, aber die Flecken gehen weg. Die Pasten enthalten Putzkörper, die die farbigen Beläge von den Zähnen reiben ohne den Zahnschmelz zu beschädigen. Auch hier gilt wie beim Bleachen: Vorsicht bei freiliegenden Zahnhälsen. Wer darunter leidet, benutzt am besten eine Zahnpasta mit einem niedrigen Anteil an Putzkörpern. Sonst wird das weiche Zahnbein zu sehr abgeschmirgelt und die reizempfindlichen Riefen am Zahn vertiefen sich weiter.

Informationen:

Grenzen des Bleichens Im Alter werden die Zähne gelb, weil die Schmelzschicht dünner wird und das dunklere Zahnbein stärker durchschimmert. Gegen altersgelbe Zähne durch zu dünnen Zahnschmelz hilft kein Mittel.

Verletzungen Zähne, die wurzelbehandelt sind oder verletzt wurden, verfärben sich oft gräulich, weil sich eisenhaltige Stoffe im Zahnbein ablagern. Wurzelbehandelte Zähne kann nur der Zahnarzt durch eine Peroxid-Einlage im eigens dafür aufgebohrten Zahn aufhellen (Walking-Bleach-Technik).

Medikamente Antibiotika wie Tetrazykline können Zähne dunkel färben, ebenso Mundspüllösungen mit Chlorhexidin. Den Verfärbungen ist schwer beizukommen.

Kosten Bleaching strips kosten circa 40 €. Sets zum selber bleachen ab 40 €. Home bleaching mit Schienen vom Zahnarzt etwa 300 €. Office bleaching kostet rund 300 €. Professionelle Zahnreinigung ab 70 €. Gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen übernehmen das Bleaching nicht, das als kosmetische Behandlung angesehen wird.


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Quellen

Gespräch mit Stefan Rüttermann, Oberarzt an der Düsseldorfer Poliklinik für Zahnerhaltungskunde, August 2011
Gespräch mit Mark Gomballa, Zahnarzt in Berlin, August 2011
"Zahnpasta für weiße Zähne", Zeitschrift "test", April 2011






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